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HR im Burnout

Wer waren eigentlich die HR-Visionäre von 2023? Alle haben sich gefreut, wieder zum Alltag zurückkehren zu können. Und die HR-Heldenrolle war Vergangenheit. Business as usual schien wieder einzukehren. Aber das war zu wenig. Der Generationenwandel, die Rückkehr ins Büro, der Transformationsdruck und die neuen Technologien erfordern neue Visionen und Wege. Da kam zu wenig.

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Burnout
Foto: ©AdobeStock/foto_tech

Wer sich zwei Jahre zurückversetzt, kann noch mal spüren, wie sich HR als Krisenmanager in eine neue Führungs-Rolle katapultierte. HR leistete einen großen Beitrag, um die covidbedingte Krise zum Wohl der Mitarbeiter und des Unternehmens zu meistern. 2023 hätte ein Jahr des Neuauf- und umbruchs sein können. Die Covid-Krise war überstanden. Neue Krisen und der Einbruch der wirtschaftlichen Entwicklungen folgten. Meinem subjektivem Empfinden nach hat HR es nicht schnell genug geschafft, in eine neue Krisenmanagerrolle zu schlüpfen. Es mutete so an, als hätte HR einen Burnout erlitten. Das Gleiten in eine Rezession und die depressive Stimmung, die durch externe Konflikte begünstigt wurden, lähmten HR.

Wer waren eigentlich die HR-Visionäre von 2023? Alle haben sich gefreut, wieder zum Alltag zurückkehren zu können. Und die HR-Heldenrolle war Vergangenheit. Business as usual schien wieder einzukehren. Aber das war zu wenig. Der Generationenwandel, die Rückkehr ins Büro, der Transformationsdruck und die neuen Technologien erfordern neue Visionen und Wege. Da kam zu wenig.

HR-Vorstandsposten: Frauen haben kürzere Amtszeiten

Eine Untersuchung der Beratung Russell Reynolds Associates stellte fest, dass 80 Prozent der 2023 ausgeschiedenen weiblichen DAX-40-Vorstände drei Jahre oder weniger im Amt waren. Bei Männern schieden nur 15 Prozent so früh wieder aus. Dabei geht es um Unternehmen wie SAP, RTL und Bayer. Vielleicht ist es zu hoch gegriffen, deshalb schon von einer HR-Krise zu sprechen. Leider fehlen wissenschaftliche Studien und Daten zum Thema. Studien aus den letzten Jahrzehnten haben immer wieder gezeigt, dass die HR-Abteilung sich selbst immer positiver bewertet als die Mitarbeiter.

Da ich von den ehemaligen HR-Vorständinnen keine Begründungen für ihren Wechsel kenne, kann man sich fragen, ob sie schlicht und einfach mit ihren „Visionen“ gescheitert sind. Versucht die Unternehmenslandschaft womöglich wieder an die Zeit vor Corona anzuknüpfen? Der Tenor in der Wirtschaftpresse lässt dies manchmal vermuten. Viele Medien thematisieren die neuen Herausforderungen und kommen dann mit den Antworten von gestern. Die lauten, länger arbeiten, härter arbeiten, mehr Präsenz im Büro, späterer Ruhestand u.s.w. Da darf man sich nicht wundern, wenn HR sich frustriert zurückzieht. Eigentlich war sie auf einem anderen Gleis unterwegs.

Gleichzeitig überraschen die Aussagen der Horváth-Studie von 2023. Dort schlagen Führungskräfte geschlossen Alarm. Denn ihrer Meinung nach haben sich im Themenfeld Personal in den vergangenen Jahren derart viele Handlungsfelder und Themen aufgestaut, dass die Unternehmen mit Lösungen meilenweit hinterherhinken. Von den 14 abgefragten Handlungsfeldern wurden alle von mindestens 85 Prozent der Befragten als dringend bewertet. „Von diesem Ergebnis waren wir selbst überrascht, da wir ja nicht nur Topführungskräfte aus dem Bereich HR befragt haben, sondern funktionsübergreifend“, sagt Heiko Fink, Partner und Transformationsexperte der Beratung. Aufhorchen lässt ein weiteres Ergebnis der Studie. Dort heißt es, dass Vorstandssitzungen in der Mehrheit der Unternehmen bereits zu mehr als 40 Prozent von Personalthemen ausgefüllt werden. Wer hier zwischen den Zeilen liest, kann ein partielles Überstimmen der HR-Verantwortlichen nicht mehr ausschließen.

Nicht die Vision von HR, sondern die Vision für HR

Vielleicht lohnt es sich eher über eine Vision für HR nachzudenken, als die Personalverantwortlichen nach ihrer Vision zu fragen. In Krisenzeiten sind Visionäre verpönt. Aber wir brauchen sie mehr den je. Da lohnt sich auch mal ein Blick in andere Branchen. Das Thema der fehlenden Erzieherinnen in Kindertagesstätten kennen viele.

Maria Zens ist als Fortbildungsreferentin für Kita-Mitarbeitende in mehreren Bundesländern unterwegs. Sie wirbt für eine Neustrukturierung von Kindertagesstätten. Inzwischen hat sich dort das offene Konzept – es gibt keine Stammgruppen, sondern Themenräume – durchgesetzt. In ihrem Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger (09.01.2024 s.S. 18) schreibt Maria Zens: „Während das enge Gruppenkonzept die ErzieherInnen zu Bossen macht, ist beim offenen Konzept jedes Kind sein eigener Boss. Damit ist die Selbstregulation gemeint. … Dies ist ein Down-Up-Prinzip. …Die Pisa-Ergebnisse verbessern sich wesentlich, wenn man den Kindern mehr zutraut.“

HR wird den Burnout überwinden und eine neue Rolle in der ersten Reihe finden. Das erwarten die Mitarbeiter und unterstützen sie dabei.

Franz Langecker

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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