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Gleichberechtigung und Gleichstellung

Dem Willen nach streben 84 Prozent der Männer und 89 Prozent der Frauen nach einer ausgeglichenen Arbeitsteilung. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Auch beim Thema Kinderbetreuung geht die Selbsteinschätzung von Männern und Frauen auseinander. Dabei stand es um die gleichberechtigte Sorgearbeit während der Pandemiezeit besser.

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Gleichstellung
Foto: ©AdobeStock/Fokussiert

Heute ist Equal-Care-Day – Zeit, um über ein angemessenes Gehalt nachzudenken

Vieles bewegt uns in diesen Zeiten. Dazu sollte auch das Nachdenken über Sorgearbeit oder sagen wir einfach das Kümmern um die Familie, Angehörige oder Nahestehende gehören. Eigentlich wäre dafür ein angemessenes Gehalt angebracht. Wie hoch sollte das sein? Wer erinnert sich noch an seine erste Bewerbung und die Gehaltsvorstellung? Stepstone ist dem Thema nachgegangen. Auf der Zukunft Personal Süd in Stuttgart geht es um Disruption und Verunsicherung. Das scheint dringend nötig, bevor wir wieder völlig in die alten Muster und Rollen zurückfallen.

Wer Angst vor KI hat, sollte sich einmal die Rankings der Soft Skills ansehen. Bei den Most In-Demand-Skills ist die Anpassungsfähigkeit von Platz 21 auf Platz 8 gewandert und lässt KI im Regen stehen. Soft Skills gibt es bei KI nicht, wie wir sie bei Menschen kennen. Dagegen haben sich die Männer bei der Sorgearbeit im Vergleich zur Coronazeit wieder nach hinten abgehängt.

Wir verzichten auf das größte Potenzial auf unserem Arbeitsmarkt

Was gestern noch in den Fernsehnachrichten gemeldet wurde, steht heute sicher in vielen Zeitungen. Frauen leisten in unserem Land deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit als die Männer. Laut statista verbrachten im Jahr 2022 Frauen rund 29,8 Stunden pro Woche mit unbezahlter Arbeit, Männer hingegen nur 20,72 Stunden. Das sind über neun Stunden weniger. Der Gender Care Gap liegt damit bei 43,8 Prozent. Für statista gehören zur unbezahlten Arbeit: Kochen, Putzen, Waschen, Gärtnern, handwerkliche Tätigkeiten, Einkaufen, Haushaltsorganisation, die Betreuung und Pflege von Angehörigen, soziales Engagement und unvergütete Wege zur Arbeitsstätte.

Väter beteiligen sich wieder weniger an der Kindererziehung

Wer das bezweifelt, findet mehr Information dazu im WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans Böckler-Stiftung)-Bericht. In der aktuellen Befragung heißt es: „Zwei Drittel der Männer in heterosexuellen Beziehungen denken, sie würden sich zu gleichen Teilen um Hausarbeit kümmern wie ihre Frauen – nur ein Drittel der Frauen bewertet die Verteilung als ausgewogen.“ Die Zahlen zeigen deutlich, dass die Verteilung der Alltagsaufgaben nicht gleichberechtigt ist. Bei der Befragung im November 2023 gaben 64 Prozent der Frauen an, überwiegend oder fast vollständig die Planung und Organisation des Haushalts zu übernehmen. Nur 17 Prozent der Männer dachten so. Dem Willen nach streben 84 Prozent der Männer und 89 Prozent der Frauen nach einer ausgeglichenen Arbeitsteilung. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Auch beim Thema Kinderbetreuung geht die Selbsteinschätzung von Männern und Frauen auseinander. Dabei stand es um die gleichberechtigte Sorgearbeit während der Pandemiezeit besser. Die WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch vermutet, dass die verstärkte Präsenz in den Büros wieder zur Verschlechterung der Sorgearbeit bei den Männern geführt hat.

Frauen weniger als Führungskräfte geeignet als Männer

Laut der WSI-Befragung hielten 34 Prozent der Männer auch wiederum Männer als Führungskräfte in der Wirtschaft als besser geeignet als Frauen. Dem stimmten nur 13 Prozent der weiblichen Befragten zu. In den letzten Jahrzehnten gab es langsame und spürbare Fortschritte bei der Zahl der Frauen in höheren und mittleren Führungspositionen. Diese stehen aber immer noch in einem ungleichen Verhältnis, wenn man die Zahlen gut qualifizierter Frauen dazu ins Verhältnis setzt. Seit Jahren diskutieren wir über den Fachkräftemangel. Dabei verzichten wir auf oder unterschätzen wir komplett das Arbeitskräftepotenzial der Frauen. Sorgearbeit geht uns alles an. Wir waren alle einmal Kinder und werden alt. Wir waren und werden glücklich, weil Menschen sich für uns Zeit nehmen.

Die Fehlzeiten haben in den letzten Monaten drastisch zugenommen. Sie liegen höher als während der Pandemiezeit. Da darf man sich ruhig fragen, ob mehr Carearbeit nicht auch zur besseren Resilienz der Mitarbeiter beigetragen hat. Hier scheinen die Generationen X und Y versagt zu haben. Die Rollenmuster halten sich hartnäckiger als viele geglaubt haben. Es würde uns allen, dem Arbeitsmarkt und den Unternehmen gut tun, wenn die Generationen Z und KI endlich die Gleichberechtigung und Gleichstellung schaffen würden. An Ideen und dem Willen sollte es nicht mangeln. Am 8. März ist der Internationale Frauentag. Wenn wir alle die Woche bis dahin nutzen, andere Wege zu suchen, zu finden und zu gehen, dann schaffen wir Fortschritt und Wohlfahrt für unsere ganze Gesellschaft.

Franz Langecker

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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