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Große Mehrheit der deutschen Unternehmen hat keine Strategie bei Gesundheitsprogrammen

71 Prozent der Unternehmen in Deutschland, die Gesundheitsprogramme für ihre Mitarbeiter anbieten, verfolgen dabei keine festgelegte Strategie. Nur 9 Prozent setzen bislang solche Nebenleistungen gezielt als Abgrenzung im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter ein – aber 69 Prozent der deutschen Arbeitgeber planen, dies in den kommenden drei Jahren nachzuholen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie Benefits Trends, für die Willis Towers Watson 1.274 Unternehmen in Europa, Afrika und dem Nahen Osten befragt hat.

64 Prozent der deutschen Unternehmen bieten heute ihren Mitarbeitern Programme für die physische Gesundheit an, weitere 7 Prozent planen sie oder ziehen sie bis 2019 in Betracht. Für die psychische Gesundheit haben 61 Prozent der Arbeitgeber bereits Programme, bei weiteren 8 Prozent stehen sie in den nächsten zwei Jahren auf der Agenda. Allerdings ist das Thema Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter bisher nur bei 33 Prozent fester Bestandteil der Unternehmensziele oder -werte. Bis 2019 ziehen dies weitere 12 Prozent der Befragten in Betracht.

Tanja Löhrke, bei Willis Towers Watson Leiterin des Bereichs Health & Benefits in Deutschland und Österreich, sagt: „Ein gutes Gesundheitsprogramm hat viele Vorteile: Es erhöht die Mitarbeitermotivation und reduziert die krankheitsbedingten Abwesenheiten. Außerdem wirkt es sich positiv auf die Mitarbeiterbindung und -gewinnung aus. Deswegen rücken diese Benefits in den Vorstandsetagen immer mehr in den Vordergrund.“

Altersvorsorge wird als wichtigster Benefit eingeschätzt

Allerdings gehen die für die Studie befragten Arbeitergeber davon aus, dass andere Nebenleistungen von ihren Angestellten eine höhere Priorität haben.

Mit Abstand als wichtigstes Angebot stufen sie Altersvorsorgeleistungen ein: 77 Prozent glauben, dass sie „wichtig“ oder „sehr wichtig“ für ihre Mitarbeiter sind. Auf dem zweiten Rang: Lebens- bzw. Unfalltod-Versicherungen (52 % votieren für „wichtig“ oder „sehr wichtig“), auf dem dritten Rang: Berufsunfähigkeitsversicherungen (35 %), schließlich Gesundheits-Benefits (29 %), Wellbeing-Programme (25 %) und am Ende Mitarbeiter-Rabatte (20 %). Tatsächlich aber setzen viel mehr Arbeitnehmer eine hohe Priorität auf die Gesundheitsvorsorge, als Arbeitgeber glauben: nämlich 55 Prozent.

Eine erhebliche Diskrepanz gibt es auch bei der Einschätzung zum Arbeitsklima: 63 Prozent der Arbeitgeber meinen, dass ihr Unternehmen ein gesundes Arbeitsklima fördert – aber auf Arbeitnehmerseite sehen das nur 36 Prozent so.

Höhe der Ausgaben für Benefits mehrheitlich unbekannt

52 Prozent der von Willis Towers Watson befragten Arbeitgeber glauben, dass Nebenleistungen die Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung steigern. 45 Prozent sind der Auffassung, dass die Mitarbeiter die gebotenen Benefits schätzen.

„Es ist ermutigend, dass immer mehr Unternehmen eine Benefits-Strategie in ihre organisatorischen Ziele einbinden und ihr Angebot anpassen wollen. Aber einige drohen dabei zu scheitern, weil ihnen die strategische Ausrichtung und mitunter relevante Informationen fehlen“, sagt Löhrke. Tatsächlich kennen knapp 60 Prozent der deutschen Unternehmen nicht die Höhe ihrer Ausgaben für Nebenleistungen. Als größte Herausforderung bei der Umsetzung ihrer Benefits-Programme nennen 35 Prozent der Studienteilnehmer steigende Kosten für die Nebenleistungen.

Löhrke: „Zu viele Unternehmen haben keine klare Vorstellung davon, was sie ausgeben und warum. Ein Patchwork von Gesundheitsinitiativen ist nicht zielführend. Unabdingbar ist eine abgestimmte, umfassende und klar kalkulierte Strategie, die kommuniziert werden kann, um Mitarbeiter anzuziehen und einzubeziehen.“

Zur Studie

Für die Studie Benefits Trends hat Willis Towers Watson in diesem Jahr 1.274 Unternehmen in 27 Ländern Europas, Afrikas und dem Nahen Osten befragt. Aus Deutschland nahmen 69 Unternehmen an der Umfrage teil.

(Foto: © Gina Sanders/Fotolia)