Kundenservice Veranstaltungen: 02234-9894940
Kundenservice Bücher: 089-21837921
Aboservice Zeitschriften: 089-21837110

Große Ausbildungsvielfalt für einen großen Markt

Die Produkte der Metallverarbeitungsindustrie sind so vielfältig wie ihre Einsatzgebiete und Branchen: Von Filtern für den Automotiv- oder Medizinbereich über Fassaden für Immobilien, Elementen für IT-Racks bis hin zu Behältersystemen für Getränke. Entsprechend vielfältig sind auch die Berufsbilder. Sie unterscheiden sich nicht nur innerhalb der technischen, respektive gewerblichen Ausrichtung. Auch kaufmännische Ausbildungen und duale Studiengänge erweitern die Ausbildungsmöglichkeiten und gehören inzwischen zu einem festen Bestandteil vieler Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie. Mit wenigen, jedoch effektiven Methoden können dabei bereits während der Ausbildung zusätzlich die Motivation und Bindung an das Unternehmen gestärkt werden. Durch die Förderung individueller Stärken verbessert sich nicht nur die Leistung der Auszubildenden. Auch die Qualität der Produkte sowie die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen innerhalb der Fachbranchen wird verbessert.

Der gewerbliche Anteil an Ausbildungsberufen in der Metallverarbeitung ist weit gefächert. Zu den häufigsten zählen Industriemechaniker, Werkzeugmechaniker, Konstruktionsmechaniker, Stanz- und Umformmechaniker, Elektroniker und Fachkraft für Metalltechnik. Bereits im Namen dieser Berufsgruppen sind erste Unterschiede erkennbar. Demnach konzentrieren sich die Elektroniker auf Systeme und Anlagen der Energieversorgungstechnik sowie der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik. Ziel der Ausbildung ist es unter anderem, elektronische Anlagen zu entwerfen, zu ändern und zu erweitern oder sie zu warten und zu überprüfen. Die Arbeitsgebiete der Stanz- und Umformtechniker liegen dagegen in Serienproduktionslinien der verarbeitenden Industrie sowie bei produktionsunterstützenden Dienstleistungen. Sie stellen zum Beispiel Bauteile aus Blechen und Halbzeugen her oder programmieren und parametrieren Produktionsanlagen. Vor allem letztere Berufsgruppe ist durch die Anforderungen des Marktes aus einer Mischung zwischen Werkzeugmechaniker und Maschinenanlagenführer entstanden.

Bei der großen Vielfalt der Ausbildungsberufe sollten Betriebe darauf achten, den Auszubildenden einen Gesamtüberblick über die Ausbildungsberufe in ihrem Betrieb zu geben. In Form kleinerer Austauschprogramme beispielsweise, bei welchen kaufmännische mit gewerblichen Azubis für einige Wochen die Plätze tauschen. Mit einer Ausarbeitung der gesammelten Erfahrungen und einer Präsentation vor den Ausbildern können dann die Vor- und Nachteile der Ausbildungsberufe aufgezeigt werden. Ziel ist die Reflexion der eigenen Entscheidung sowie ein Blick über den Tellerrand, um beispielsweise Problemstellungen anderer Berufsbilder und Aufgabengebiete interdisziplinärer erkennen zu können. In den gewerblichen Berufen hat sich indes sogar eine fachübergreifende, gemeinsame Grundausbildung als sinnvoll erwiesen. Der Hintergrund ist denkbar einfach: In der Regel lehren Unternehmen jene technischen Ausbildungsberufe, die sie für das Tagesgeschäft auch selbst benötigen. Je größer ein Unternehmen ist, desto mehr Ausbildungsberufe können und werden jedoch angeboten. Von daher kommt es durchaus vor, dass Auszubildende nach Abschluss der Ausbildung innerbetrieblich in artverwandten Berufen eingesetzt werden können. Werkzeugmechaniker arbeiten dann zum Beispiel in der Qualitätssicherung, da sie infolge ihrer Ausbildungsinhalte auch hierfür die benötigten Anforderungen erfüllen.

Anders sieht es dagegen im kaufmännischen Bereich aus. Hier werden vornehmlich kaufmännische, verwaltungsorientierte und IT-basierte Ausbildungsrichtungen angeboten. Diese sind zum Beispiel Industriekaufmann, Kaufmann für Büromanagement und Fachinformatiker Anwendungsentwicklung. Erfahrungen zeigen, dass es in diesen Ausbildungsberufen wesentlich wirksamer ist, die Auszubildenden direkt on the job auszubilden. In größeren Betrieben mit unterschiedlichen Zuständigkeiten in den Bereichen empfiehlt sich dann ein organisierter, festgelegter Ausbildungsablauf, der definiert, wie viel Zeit in den jeweiligen Abteilungen für die Ausbildung relevant ist. Ziel ist es, Auszubildende von Anfang an in die täglichen Arbeitsprozesse einzubinden und ihnen damit eine möglichst praxisnahe Orientierung zu bieten.

Spezielle Anforderungen für spezielle Aufgaben

Nach einer Grundausbildung, die auch eine Ausbildung an der Maschine beinhaltet, können dann in der Regel erste, kleinere Dreh-, Schweiß oder Frästeile hergestellt werden, welche schon im Betrieb für die Produktion eingesetzt werden. Mit diesen Grundfähigkeiten gehen dann auch die Auszubildenden der gewerblichen Berufsbilder für die Praxisphasen in die einzelnen Abteilungen: Elektroniker in die E-Werkstatt oder Industriemechaniker in die Schlosserei. Hier durchlaufen beispielsweise Konstruktionsmechaniker für den Feinblechbau einen Kurs für Blechbearbeitung, technisches Zeichnen sowie den Musterbau, um in der Produktentwicklung und allgemeinen Konstruktion komplexer arbeiten zu können. Elektroniker erhalten spezielle Ausbildungen zu Themen wie SPS-Schaltung, Lampenschaltung, Gleichstrom, Schutzschaltung, Werkzeugstrom, Regeltechnik und elektronischem Netzteilaufbau. Stanz- und Umformmechaniker begleiten im Betrieb alle Stationen vom Wareneingang bis zum -ausgang und lernen die einzelnen Anlagen und deren Programme kennen. Sie lernen zudem spezielle Werkzeuge kennen, die eigens nur für ganz bestimmte Anlagen verwendet werden. Durch die höhere Qualifikation soll sich diese Berufsgruppe am Ende der Ausbildung nicht nur mit Werkzeugen und Anlagen auskennen, sondern auch deren Produktivität für den Unternehmenserfolg steigern.

Auch die kaufmännischen Auszubildenden durchlaufen mehrere und auch spezielle Unternehmensbereiche. Im ersten Jahr sind das zum Beispiel die Materialwirtschaft, die zentrale Poststelle sowie das Marketing. Im zweiten Ausbildungsjahr folgt eine Zuordnung der Auszubildenden in ihre späteren Kernkompetenzbereiche. Dort werden sie an spezielle Tätigkeiten zum Beispiel in der Fertigung, der Arbeitsvorbereitung, dem Verkauf und dem Versand herangeführt. Das dritte Ausbildungsjahr schließt die Ausbildung mit Inhalten wie Finanzbuchhaltung, Personalwesen und der kaufmännischen Verwaltung ab. Sicherlich ergeben sich dabei zahlreiche, betriebsspezifische Unterschiede in den jeweiligen Ausbildungsunternehmen. Um Auszubildende effektiv an ihren Beruf heranzuführen, sollte für jede Abteilung im Vorfeld ein individueller Lernzielkatalog erarbeitet und ein fester Ansprechpartner benannt werden, welcher zusätzlich zu seiner eigentlichen Aufgabe die jungen Kollegen betreut. Dadurch wissen Auszubildende zum einen genau, was in dieser Phase auf sie zukommt. Zum anderen kann der Betrieb überprüfen, ob alle entscheidenden Ausbildungsinhalte erlernt wurden.

Auch das duale Studium, zumeist in den Fachrichtungen Wirtschaftswissenschaften, Maschinenbau und Elektrotechnik, kann speziellen Gegebenheiten angepasst werden. Seit letztem Jahr bietet beispielsweise die IHK Siegen eigens für technische Studiengänge eine besondere Form an: Dual Genial. Im Unterschied zum klassischen dualen Studium können organisatorische Schwierigkeiten aus der Praxis abgefangen werden.  Leider kommt es nicht selten vor, dass Prüfungen während des Studiums in die Phase fallen, in der die Studierenden im Betrieb sein sollten. Das erschwert ihnen die theoretische Vorbereitung oder führt zu Fehltagen oder sogar zu Studienabbrüchen. Mit Dual Genial wird eine flexible Alternative angeboten. Dabei beginnen Dualstudenten eine verkürzte, zwei Jahre dauernde Ausbildung zum Industriemechaniker, anteilig zwei Tage in der Berufsschule und drei im Betrieb. Die anschließende triale Phase setzt sich aus zwei Tagen Hochschule, einem Tag Berufsschule und zwei Tagen Betriebsarbeit zusammen. Nach etwa zwei Jahren folgt die Abschlussprüfung. Als dann fertig ausgebildeter Industriemechaniker besuchen die Dual-Studenten weiter die Hochschule und kommen in der vorlesungsfreien Zeit zu Praxisphasen in den Betrieb. Nach insgesamt vier Jahren absolvieren erfolgreiche Abgänger so ihr Studium zum Maschinenbauingenieur. Das junge Programm ist vielversprechend, wenn auch noch regional beschränkt.  

Einzelförderung und Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung

Es ist keine Überraschung, dass sich während der Ausbildung die individuellen Stärken und Schwächen der Auszubildenden zeigen. Unternehmen sollten daher einen wichtigen Aspekt der Ausbildung nicht vernachlässigen: die persönliche Einzelförderung. Damit stärken sie nicht nur die Bindung der Auszubildenden an das Unternehmen. Sie investieren in Form qualifizierterer Fachkräfte auch in sich selbst. Diese Einzelförderung sollte im Einzelunterricht gezielt auf theoretische und praktische Defizite eingehen, auch wenn der theoretische Teil erfahrungsgemäß überwiegt. Sie ist besonders vor den Prüfungsphasen zielführend und wird häufig zusätzlich mit einem eigenen Werksunterricht umgesetzt. Gruppenunterricht gestaltet sich durch die Unterschiede in den einzelnen Berufsgruppen als zu schwierig. Mit einer Ausnahme: In der gewerblichen Ausbildung ist es von Vorteil, in den ersten Tagen eine Wiederholung von schulischem Basiswissen wie Mathematik, Chemie oder Physik anzusetzen, um etwaige schulische Defizite von vornherein auszuschließen. Eine weitere Möglichkeit, Auszubildende beispielsweise effektiv auf Prüfungssituationen vorzubereiten, sind kleinere Aufgaben, wie das Schreiben von Reporten und Bearbeiten von Projekten, welche vor einem fiktiven Prüfungsausschuss vorgetragen werden.

Auf Unternehmensseite trägt natürlich auch die Schulung und Weiterbildung der eigenen Ausbildungsbeauftragten zur verbesserten Qualität der Ausbildung bei. Allgemein sollte das Unternehmen die Auszubildenden konstant begleiten. Regelmäßige, verbindliche Mitarbeitergespräche in jedem Ausbildungsabschnitt sind dabei ein essenzieller Bestandteil. Nach einem Leitfaden können sich die Auszubildenden schriftlich auf diese Gespräche vorbereiten. Sie können beispielsweise ansprechen, ob sie sich wohlgefühlt haben, welche Aufgaben ihnen zugeteilt wurden, was sie anders gestaltet hätten und ein Resümee des Ausbildungsabschnittes geben. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass Auszubildende auf diese Weise auch das Gespräch mit Vorgesetzten üben können. Mindestens aber entsteht das Gefühl, offen innerhalb des Unternehmens kommunizieren zu können.

Darüber hinaus stehen Unternehmen zahlreiche andere Möglichkeiten zur Verfügung, um die jungen Kollegen auf ihre kommende Ausbildung vorzubereiten, den Betrieb vorzustellen und Ungewissheiten oder gar Ängsten vorzubeugen – beispielsweise ein Kennenlernseminar oder ein Vorstellungstag für neue Auszubildende, zu dem auch die Eltern eingeladen werden. Eine weitere Möglichkeit ist eine Art Schnitzeljagd, bei der Auszubildenden spielerisch den Unternehmenssitz, wichtige Ansprechpartner und grundlegende Informationen über die Aufgaben in den jeweiligen Abteilungen erfahren. Schließlich helfen Seminare und Rollenspiele, um einen Überblick über das Unternehmen und gegebenenfalls unternehmerische Entscheidungen zu erlangen.

Autoren:

Wolfgang Weber ist kaufmännischer Ausbildungsleiter der SCHÄFER Werke GmbH. Ralf Braun ist gewerblicher Ausbildungsleiter der SCHÄFER Werke GmbH. Beide haben selbst als Auszubildende im Unternehmen angefangen und sind mittlerweile seit 29 beziehungsweise 31 Jahren dort tätig. Die SCHÄFER Werke Gruppe ist international tätig und bedient mit den Produkten seiner Geschäftsbereiche EMW Stahl-Service-Center, Lochbleche, Container Systems, IT-Systems und Industriegehäuse einen großen Teil der metallverarbeitenden Industrie.

(Foto:© paffy/Fotolia)