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Gig Economy: Immer mehr Arbeitnehmer werden selbstständig

Interview mit Giovanni De Carlo, Director Business Development bei Crown World Mobility

HRP: Herr De Carlo, wie würden Sie Ihre Rolle im Unternehmen beschreiben?

Giovanni De Carlo: Als Director Business Development bin ich bei Crown World Mobility für die kommerzielle Entwicklung (Neukundengewinnung und Ausbau bestehender Kundenbeziehungen) in Kontinental-Europa zuständig. Mein geografischer Verantwortungsbereich erstreckt sich über Deutschland, Österreich, Schweiz (wo ich auch beheimatet bin), Spanien, Frankreich, Italien, Russland, Tschechien, Ungarn, Rumänien und die Türkei.

HRP: Nur wenige Unternehmen können in diesem Geschäft auf 50 Jahre Erfahrung zurückblicken. Wie hat sich Ihr Geschäft in den letzten Jahren verändert?

De Carlo: Unsere Unternehmung hat sich über die 50-jährige Geschichte von einer Umzugslogistikfirma zu einem Global Mobility Services Anbieter entwickelt und bietet heute eine ganzheitliche Palette von Relocation-Dienstleistungen an. Unser Netzwerk mit eigenen Niederlassungen zählt heute Standorte in über 50 Ländern, und unsere Firma ist in verschiedene Divsionen (World Mobility, Relocations, Records Management, Fine Art, Logistics und Wine Cellars) mit insgesamt über 5.000 Mitarbeitern diversifiziert.

HRP: Wie wandeln sich die Entsende-Policies der Unternehmen?

De Carlo: Der Trend in den letzten Jahren geht immer mehr weg von den klassischen Langzeitentsendungen hin zu mehr „Permanent oder Localto-Local Transfers“. Zudem ist eine Zunahme bei den Kurzzeitentsendungen und „Extended Business Trips“ zu verzeichnen. Seit einigen Jahren kann man auch eine Zunahme bei den internationalen Personaleinsätzen aus „Emerging Markets“ in westliche Länder beobachten.

HRP: Hat die langfristige Entsendung ausgedient?

De Carlo: Nein, das hat sie nicht und wird sie auch nicht. Wir beobachten, wie eben erwähnt, vielmehr ein erhöhtes Kostenbewusstsein und eine Anpassung der Supportleistungen bei den Langzeitentsendungen. Die entsendeten Arbeitgeber geben sich heute weniger großzügig als früher, bei den Compliance-relevanten Themen, wie Immigration, Steuern und Sozialversicherungen, gehen sie jedoch keine Kompromisse ein.

HRP: Sind Kurzfristentsendungen und längere Reiseaufenthalte eine Alternative?

De Carlo: Das kommt ganz auf die Mission sowie die Home-Host-Country-Kombination des Mitarbeitereinsatzes ein und muss für den Einzelfall geprüft werden.

HRP: Wie unterscheiden sich die Herausforderungen mittelständischer Unternehmen von denen der Global Player beim Thema Entsendung?

De Carlo: Die Herausforderungen und die Komplexität sind gleich, egal ob Großkonzern oder KMU. Die KMUs haben jedoch weniger spezialisierte interne Ressourcen und sind somit eher auf die professionelle Unterstützung eines externen Dienstleisters, wie Crown, angewiesen.

HRP: Welche Rollen spielen heute die digitalen Möglichkeiten?

De Carlo: Diese führen zu mehr Effizienz, Transparenz und somit auch zu Kosteneinsparungen. Crown World Mobility setzt auf eine immer stärkere Präsenz in den sozialen Medien, speziell auf LinkedIn, welche durch tägliche relevante Content-Updates aufbaut wird. Hier tauscht sich aus eigener Erfahrung die überwiegende Mehrheit international orientierter HR-Manager sowie deren Arbeitgeber aus. Weiterhin nutzt Crown zunehmend Webinars als direktes Kommunikationstool, um einer internationalen Zielgruppe aktuelle Inhalte/White Papers direkt aus Expertenhand in einer persönlichen Form mit interaktivem Austausch zu vermitteln.

HRP: In welchen Bereichen erweitern Sie Ihr Service-Portfolio?

De Carlo: Diese sind vor allem im Bereich der Immigration und Expense Management Services zu finden. Wir investieren aber auch gezielt im Bereich der Technologien.

HRP: Wie reagieren Sie auf den wachsenden Einfluss der Gig Economy?

De Carlo: Auch wenn die Gig Economy in diesem Jahr bislang nicht den besten Ruf genossen hat, sollten sich Führungskräfte global operierender Unternehmen ein besseres Bild davon verschaffen, da Untersuchungen nahelegen, dass sich diese Praxis zukünftig stärker durchsetzen wird. Die Medienlandschaft hält sich an Negativschlagzeilen fest, grundsätzlich aber steht die „Gig-Economy“ für eine Wirtschaft, in der befristete Jobs üblich sind und Unternehmen Selbstständige für kurzfristige Arbeitsprojekte einsetzen. Die Global Mobility Branche sollte sich auf die Förderung eines unabhängigen, wachsenden Talentpools konzentrieren, der neue Bedürfnisse für internationale Personaleinsätze schafft, welche sich für die zukünftige Geschäftsentwicklung als wesentlich erweisen könnten.

HRP: Was raten Sie Unternehmen im Umgang mit den Vorstellungen der Generation Y und Z?

De Carlo: Die Bedürfnisse der nachkommenden Generationen im Bezug auf Unterstützungsleistungen im Rahmen von internationalen Personaleinsätzen verändern sich. Um diesen gerecht zu werden, sollten Unternehmen ihre Entsenderichtlinien regelmäßig (zum Beispiel jährlich) überprüfen, um auch für international mobile Talente als attraktiver Arbeitgeber auftreten zu können.

HRP: Was bedeutet das für die Entsendung, wenn laut einer Intuit Studie 2020 bis zu 40 Prozent der US-amerikanischen Arbeitnehmer selbstständige Auftragnehmer sein werden?

De Carlo: In der Tat, aus einer kürzlich von Intuit durchgeführten Studie geht hervor, dass in 2020 bis zu 40 Prozent aller US-amerikanischen Arbeitnehmer selbstständige Auftragnehmer sein werden – und es ist zu erwarten, dass dies auch für andere Märkte gilt. Arbeitgeber müssen mehr unternehmen, um junge Talente mit den gewünschten Qualifikationen für sich zu gewinnen, da immer mehr Fachkräfte – zumindest auf dem US-amerikanischen Markt – sich entscheiden, selbstständig zu bleiben.

HRP: Wie verändert sich dadurch die Rolle der Global Mobility Manager?

De Carlo: Man sollte diese Veränderungen antizipieren und das Dienstleistungsangebot im Bezug auf Global Mobility Services entsprechend den neuen Bedürfnissen anpassen.

HRP: Was fasziniert Sie in Ihrem Beruf?

De Carlo: Zu Beginn meiner beruflichen Karriere hatte ich selbst das Privileg und durfte vier internationale Personaleinsätze in verschiedenen europäischen Ländern, während drei Lebensphasen (als Single, in einer Paarbeziehung und mit einer Familie) erleben. Diese Erfahrung ist sehr hilfreich bei meiner Aufgabe und schafft sehr viel Vertrauen bei den Kunden. Besonders liebe ich die Abwechslung, die Internationalität (ich spreche fünf Sprachen fließend), die Reiserei (ich bin circa 60 % meiner Zeit im Ausland unterwegs), die Dynamik und den Einblick in verschiedene Unternehmungen mit stets unterschiedlichen Anforderungen in Bezug auf die Betreuung ihrer internationalen Personaleinsätze. Bei Crown schätze ich die nachhaltige Unternehmensstrategie und die sehr familiäre Umgangskultur, welche trotz der zwischenzeitlichen Größe der Firma (über 5.000 Mitarbeiter in über 50 Ländern) immer noch sehr gepflegt wird.

HRP: Herr De Carlo, Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Franz Langecker.

(Das Interview ist erschienen im Sonderheft "Global HR 2018" (zur HR Performance 6/2017)).