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Gefahren lauern auf die, die die Veränderungen nicht sehen

Es wäre verwegen, zu wissen, welche Konsequenzen die Pandemie für unsere Zukunft hat. Wer die Medienlandschaft verfolgt, stößt immer wieder auf die Stichworte „Reformstau“ und „Reformbedarf“ oder „Reformstillstand“. Die Pandemie hat uns mit vielen eklatanten Mängeln konfrontiert. Die Behördenwelt lebt noch im FAX-Zeitalter. Den Gesundheitsämtern fehlen digitale Lösungen. Und die Ministerpräsidentenkonferenzen gerieten zu Selbstinszenierungsevents. Krisenmanagement hätte anders vonstattengehen können. Warum wurden die Präsentationen der Spezialisten und Fachleute im Kanzleramt den Bürgern vorenthalten? Sehr spät erst wurde das Parlament in den Entscheidungsprozess eingebunden. Das hat die Gräben in der Gesellschaft vertieft. 

Die Menschen nicht nur in unserem Land erlebten viele Defizite der Systeme. Gleichzeitig konnten wir gesellschaftliche Solidarität in ungeheurer Größe erleben. KassiererInnen stiegen in den Rang von systemrelevanten Persönlichkeiten auf. Beschäftigte in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen verausgabten sich über ihre körperliche und seelische Leistungsfähigkeit hinaus. Ähnlich erging es dem pädagogischen Personal von der Kita bis zur Hochschule. Wir haben im wahrsten Sinne des Wortes alle systemsprengende Grenzerfahrungen gemacht. Da ist etwas in Bewegung gekommen, was mit dem Überwinden der Pandemie nicht verschwinden wird. 

Covid-19 verändert die Welt und die Gesellschaft wie der Mauerfall 1989 

„Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben sofort“, diesen Satz hat Michail Gorbatschow, der letzte Generalsekretär des Zentralkomitees der kommunistischen Partei der Sowjetunion, im Oktober 1989 in Ostberlin gesagt. Angesichts der desolaten wirtschaftlichen Lage des Ostblocks zog Gorbatschow die Reißleine. Mit den Folgen dieses Politikwandels kämpfen wir bis heute. Vieles ist an den Menschen vorbei und über deren Köpfe hinweg bis heute entschieden worden. Der Kapitalismus blies zum Siegeszug. Obwohl der Club of Rome bereits 1972 den Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlichte, konnten sich damals nur wenige diese Grenzen vorstellen. Mit dem Mauerfall beschleunigte sich der Raubbau.

Heute erkennen wir, dass wir durch die ungehemmte Wachstums- und Ressourcenvernichtungspolitik mit diesem Wirtschaftssystem möglicherweise vor einem ähnlichen Kollaps stehen wie der Ostblock 1989. Damals hat Gorbatschow auf Glasnost (russisch für Offenheit und Transparenz) und auf Perestroika (russisch für Umbau, Umgestaltung und Umstrukturierung) gesetzt, um das Schlimmste zu verhindern. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich seit 1972 die Weltbevölkerung verdoppelt hat. In wenigen Monaten leben acht Milliarden Menschen auf unserer Erde. Sie alle wollen eine gerechte Teilhabe. Sollte uns das nicht gelingen, drohen uns heftigere Konflikte, als damals beim Zerfall des Ostblocks. 

Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geliehen 

Kein Wunder, dass sich die junge Generation so intensiv mit dem Klimawandel beschäftigt und für Veränderungen kämpft. Sie wird die Schäden und die Zerstörungen der Alten ausbaden müssen. Covid-19 hat uns gezeigt, dass die reichen Staaten zu einer anderen Politik fähig sind. Damit ein nachhaltiges Wirtschaften gelingen kann, brauchen wir mehr Glasnost und Perestroika in der Politik, aber auch in der Wirtschaft und in den Unternehmen.

 

Franz Langecker
Chefredakteur der HR Performance

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