Kundenservice Veranstaltungen: 02234-9894940
Kundenservice Bücher: 089-21837921
Aboservice Zeitschriften: 089-21837110

Wie nachhaltig ist der Digitalisierungsschub in der deutschen Wirtschaft?

Der durch die Corona-Pandemie in der deutschen Wirtschaft ausgelöste Digitalisierungsschub ist von Dauer. Eingeleitete Maßnahmen wie Videokonferenzen oder Kollaborationstools, aber auch die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle werden mehrheitlich beibehalten oder sogar noch ausgeweitet. Zugleich setzen sich die Unternehmen verstärkt mit der Nutzung wichtiger digitaler Technologien wie Datenanalysen oder Künstlicher Intelligenz auseinander.

 Von der künftigen Bundesregierung wird mit weit überwiegender Mehrheit gefordert, dass die lange Liste an überfälligen Digitalisierungs-Maßnahmen jetzt umgesetzt wird. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Die Pandemie hat zu einem nachhaltigen Digitalisierungsschub in der deutschen Wirtschaft geführt. Die wegen Corona aus der Not heraus eingeleiteten Digitalisierungsmaßnahmen haben sich vielerorts bewährt und werden auch in einem künftigen Normal-Betrieb vorangetrieben. Diese digitale Aufbruchstimmung müssen wir nutzen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Die Politik sollte die Entwicklung unterstützen und darf keine neuen Hürden errichten.“

Corona hat Digitalisierung in vielen Unternehmensbereichen beschleunigt

9 von 10 Unternehmen (92 Prozent) geben an, dass durch die Corona-Pandemie die Digitalisierung im eigenen Unternehmen an Bedeutung gewonnen hat, vor einem Jahr lag der Anteil bei 84 Prozent. Und sogar 94 Prozent sehen einen Bedeutungszuwachs der Digitalisierung für die deutsche Wirtschaft insgesamt (2020: 86 Prozent). Mit 34 Prozent sehen sich verglichen mit dem Vorjahr (27 Prozent) wieder mehr Unternehmen als Vorreiter bei der Digitalisierung. Zwei Drittel (65 Prozent) sehen sich eher als Nachzügler (2020: 71 Prozent), aber keines (2020: 1 Prozent) meint, den Anschluss verpasst zu haben.

bitkom_digitalisierungsschub

Das spiegelt sich auch einer Vielzahl konkreter Digitalisierungsmaßnahmen wider, die aufgrund der Corona-Pandemie angegangen oder intensiviert wurden. So haben 92 Prozent Videokonferenzen statt persönlicher Treffen neu eingeführt oder ausgeweitet, drei Viertel (74 Prozent) Tools zur digitalen Zusammenarbeit und rund zwei Drittel (63 Prozent) haben zusätzliche Hardware angeschafft. Prozesse wurden häufig digitalisiert, etwa indem digitale Dokumente statt Papier (66 Prozent) oder digitale Signaturen statt der handschriftlichen Unterschrift (60 Prozent) genutzt werden. 60 Prozent entwickeln digitale Geschäftsmodelle und 41 Prozent haben Beratungen zur Digitalisierung genutzt. Im Personalbereich haben 8 von 10 (81 Prozent) Homeoffice ausgeweitet oder neu eingeführt, 61 Prozent setzen auf die Weiterbildung der Beschäftigten zu Digitalthemen, rund jedes Zweite (48 Prozent) hat Recruiting und Onboarding digitalisiert und 17 Prozent Digitalisierungs-Experten eingestellt.

Angst vor der Digitalisierung schwindet – doch einige Probleme bleiben

Nur noch 6 Prozent geben an, die Digitalisierung gefährde die Existenz ihres Unternehmens. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 10 Prozent, 2017 sogar noch bei 25 Prozent. Gleichzeitig wachsen aber die Probleme, die Digitalisierung zu bewältigen: Inzwischen geben dies 40 Prozent der Unternehmen an, nach 34 Prozent im vergangenen Jahr und 30 Prozent 2017. Dabei reagieren die Unternehmen auf diese zunehmend digitale Welt. Drei Viertel (78 Prozent) passen als Folge der Digitalisierung bereits bestehende Produkte oder Dienstleistungen an, 59 Prozent nehmen bestimmte Produkte oder Dienstleistungen vom Markt und 56 Prozent bieten neue Produkte oder Dienstleistungen an.

Digitalisierungs-Hemmnisse: Datenschutz, Fachkräftemangel und fehlende Zeit

Deutliche Veränderungen zum Vorjahr gibt es bei den Gründen, die Unternehmen bei ihren Digitalisierungs-Bemühungen bremsen. So beklagen 8 von 10 (79 Prozent) die Datenschutz-Anforderungen. Das ist ein Anstieg um 10 Prozentpunkte verglichen mit dem Vorjahr. Ebenfalls um 10 Prozentpunkte zugelegt hat der Fachkräftemangel, den zwei Drittel (65 Prozent) der Unternehmen als Digitalisierungs-Bremse benennen. Und fast jedes Zweite (46 Prozent) sagt, es fehle an der Zeit im Alltagsgeschäft, um die Digitalisierung voranzubringen (2020: 37 Prozent). Langwierige Entscheidungsprozesse, die die Digitalisierung bremsen, beklagen 30 Prozent und damit deutlich mehr als im Vorjahr mit 19 Prozent.

Berg: „Lange Liste von Digitalisierungs-Aufgaben“

Von der kommenden Bundesregierung wünschen sich die Unternehmen, dass seit Jahren angekündigte Digitalmaßnahmen nunmehr umgesetzt werden. So wollen 99 Prozent, dass Ämter und Behörden alle Leistungen auch digital anbieten, 96 Prozent befürworten den massiven Ausbau von Polizeieinheiten, die auf Internet-Kriminalität spezialisiert sind, und 95 Prozent wünschen sich, dass Daten der Bundesverwaltung grundsätzlich veröffentlich werden sollten. „Die nächste Bundesregierung hat eine lange Liste von Digitalisierungs-Aufgaben, die wir teilweise schon seit Jahren vor uns herschieben. In den ersten Sondierungsgesprächen haben die Ampel-Parteien der Digitalisierung zu Recht einen sehr hohen Stellenwert eingeräumt“, sagte Berg.

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Bitkom von Ende September bis Ende Oktober 2021 durchgeführt hat. Dabei wurden 602 Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft.

 

Quelle: Bitkom

 

Teaserfoto: © Adobe Stock/vegefox.com

Passende Artikel
Online-Schulung Elektronische Personalakte

Prof. Dr. Wilhelm Mülder

23.05.2022 | online 13.10.2022 | Köln
696,15 €