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Mitbestimmung und Tarifverträge sorgen für bessere Bedingungen in der Corona-Krise

Beschäftigte, die in einem Unternehmen mit Betriebsrat und Tarifvertrag arbeiten, kommen besser durch die Corona-Krise. Diese Arbeitnehmer*innen machen sich weniger Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Denn: Ihr Einkommen, ihre Gesundheit und ihre Zukunftsperspektiven sind besser geschützt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung auf Basis repräsentativer Befragungsdaten.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Arbeit von Betriebsräten ebenso wie Tarifbindung für bessere Arbeitsbedingungen sorgen. Darüber hinaus nützt insbesondere die Mitbestimmung dem gesamten Unternehmen, etwa bei der Produktivität, wie eine Studie aus Halle deutlich macht. Eine Untersuchung von Ökonomen der Universitäten Göttingen und Marburg hat zudem am Beispiel der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009 gezeigt, dass Unternehmen mit Mitbestimmung im Aufsichtsrat besser durch extreme wirtschaftliche Phasen kommen.

Betriebsrat und Tarifbindung dämpfen Angst vor Arbeitsplatzverlust

 „Gewerkschaftliche Tarifpolitik und Betriebsräte können die Lage der Beschäftigten auch in der aktuellen Extremsituation nachweislich verbessern“, fasst PD Dr. Martin Behrens das Ergebnis seiner Untersuchung zusammen. Um ihren Job mussten in der Krise zahlreiche Beschäftigte bangen. Behrens´ Analyse zufolge sind Betriebsräte und Tarifbindung geeignet, solche Ängste zu dämpfen: Dass sie „auf jeden Fall“ oder „eher“ befürchten, in nächster Zeit arbeitslos zu werden, bejahten etwa im Juni 2020 8,9 Prozent der Beschäftigten mit Tarifvertrag im Vergleich zu 12,7 Prozent der Beschäftigten ohne Tarifvertrag. Dieser Zusammenhang bleibt auch dann bestehen, wenn man statistisch auf einen möglichen Einfluss von Betriebsgröße und Branche kontrolliert.

Mitbestimmung wirkt sich ebenfalls positiv auf Arbeitnehmer-Wahrnehmung aus

Mitbestimmung hat einen ähnlichen Effekt, der allerdings statistisch weniger robust ausfällt. Die positive Wirkung von Mitbestimmung und Tarifbindung zeigt sich auch im Zeitverlauf: Mit der Stabilisierung der Arbeitsmärkte im weiteren Verlauf der Pandemie nahm insgesamt der Anteil der Beschäftigten ab, die um ihren Arbeitsplatz fürchteten, so dass im Juli 2021 noch 7,3 Prozent der Befragten die Sorge hatten, arbeitslos zu werden. Auch auf dem niedrigeren Niveau gab es spürbare Unterschiede: Immerhin noch 8,3 Prozent der Beschäftigten in Betrieben ohne Betriebsrat teilte diese Sorge gegenüber 6,7 Prozent in Betrieben mit Arbeitnehmervertretung. „Zwar können Betriebsrat und die gewerkschaftliche Tarifpolitik den Abbau von Arbeitsplätzen selten vollständig verhindern. Wie die Auswertung unserer Daten belegt, vergrößern sie allerdings in den Augen der Beschäftigten jene Hürden, die im Wege stehen, bevor Arbeitgeber zum Instrument der Entlassung greifen“, konstatiert Behrens.

Angestellte in Unternehmen mit Betriebsrat profitieren mehr von Homeoffice-Komfort

Mobiles Arbeiten hat sich laut dem WSI-Experten Behrens in den vergangenen zwei Jahren „von einem Privileg für überschaubare Branchen und Beschäftigtengruppen zu einem Massenphänomen“ entwickelt und dabei als ein äußerst wirksames Instrument des betrieblichen Gesundheitsschutzes erwiesen. Profitiert davon haben allerdings nicht alle Beschäftigten gleichermaßen: Eine Regelung zum Homeoffice – etwa hinsichtlich der Ausstattung mit mobilen Geräten und des Fernzugriffs auf interne Netze und Datenbanken – gab es im Juli 2021 bei 80 Prozent der Befragten mit Betriebsrat und bei 51 Prozent derjenigen ohne Betriebsrat. Ausgeschlossen von der Analyse waren Personen, deren Arbeitssituation Homeoffice nicht zulässt.

Mitbestimmte Betriebe ermöglichten öfter Weiterbildungen in der Krise

Für Qualifizierungsmaßnahmen hätten sich in Corona-Zeiten dank Kurzarbeit erhebliche Spielräume ergeben, so der Forscher. Dabei war die Wahrscheinlichkeit, während der Krise an Weiterbildung teilzunehmen, mit 46 Prozent deutlich höher bei den Beschäftigten von mitbestimmten Betrieben als bei denen ohne Betriebsrat mit 28 Prozent. Auch dieser Befund ändert sich nicht, wenn Betriebsgröße und Branche statistisch berücksichtigt werden. „Letztlich trägt also die betriebliche Mitbestimmung dazu bei, die Qualifikation der Beschäftigten zu erhalten und zu stärken und damit ihre Chancen auf betrieblichen ebenso wie überbetrieblichen Arbeitsmärkten zu verbessern“, so Behrens. Auch die Unternehmen profitierten von diesen Maßnahmen, weil sie Produktivitätszuwächse realisieren können, schreibt der Forscher mit Blick auf Befunde der Qualifizierungsforschung.

Laut Behrens sind damit unter dem Strich „die Kerninstitutionen der Regulierung von Arbeit, die gewerkschaftliche Tarifpolitik ebenso wie die Mitbestimmung durch den Betriebsrat, von herausragender Bedeutung, wenn es darum geht, Maßnahmen zum Schutz des Arbeitsplatzes, der Gesundheit und des Arbeitsvermögens in die Betriebe zu tragen und dort zu verankern“.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

Teaserfoto: © Adobe Stock/Gehkah