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Mitarbeiterbefragungen: Auf welche Messgrößen es ankommt

Mitarbeiterbefragungen sind ein wichtiges Instrument für jedes Unternehmen. Sie können helfen, wertvolle Erkenntnisse und kritisches Feedback zu gewinnen, das sowohl dem Unternehmen als auch den Mitarbeitern nützt und das wirtschaftliche Ergebnis verbessert.

Ist ein Unternehmen in verschiedenen Geschäftsfeldern tätig, dann wollen die Entscheider gern erfahren, ob eines dieser Geschäftsfelder besser abschneidet als die anderen, sei es in Bezug auf Produktivität, Zusammenarbeit oder Mitarbeiterbindung. Ist etwa die Niederlassung in Mainz leistungsfähiger als die Hauptniederlassung in Hamburg? Was machen sie dort anders? Einheitlich konzipierte Mitarbeiterbefragungen zur Messung verschiedener Teams, Abteilungen oder Standorte können wertvolle Erkenntnisse liefern, um unternehmensweit bessere Lösungen zu implementieren.

Eigentlich sind Mitarbeiterbefragungen ein Muss, doch häufig ist unklar, was eigentlich gemessen werden soll. Es ist empfehlenswert, ein klares Ziel vor Augen zu haben. Mitarbeiterbefragungen sind am nützlichsten, wenn sie dazu dienen, etwas genau zu messen. Die folgenden Messgrößen können als Grundlage für eine erfolgreiche Mitarbeiterbefragung dienen.

Mitarbeiterengagement

Untersuchungen haben gezeigt, dass unzufriedene Mitarbeiter Unternehmen jedes Jahr zwischen 80 und 100 Milliarden Euro kosten können. Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten für ein Unternehmen, ohne eine klare Vorstellung davon zu haben, worauf Sie hinarbeiten. Hätten Sie nicht das Gefühl, dass Ihre Arbeit keinen Sinn oder Wert hat? Würden Sie sich wirklich engagieren und in Ihre Arbeit investieren? Der Grad des Mitarbeiterengagements ist entscheidend für die Beurteilung der Stärken eines Unternehmens und der Schwächen einer Funktion oder Abteilung. Häufig werden mittel- und langfristige Ziele kommuniziert. Umfragen sollten sich daher auf Elemente wie die Sinnhaftigkeit der Arbeit, das Vertrauen der Mitarbeiter in das Unternehmen, das Arbeitsumfeld sowie die Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten konzentrieren. Ein engagierter Mitarbeiter ist stark in seine Arbeit eingebunden und bereit, sein Bestes zu geben, um dem Unternehmen zum Erfolg zu verhelfen. Es besteht eine emotionale Bindung an die Arbeit, das Unternehmen und seine Ziele. Die Mitarbeiterzufriedenheit ergibt sich oft aus dem Engagement und zeigt, wie glücklich oder zufrieden ein Mitarbeiter im Unternehmen ist.

Mitarbeiterzufriedenheit

Die Mitarbeiterzufriedenheit ist eine wichtige Kennzahl, welche die Unternehmen sorgfältig überwachen müssen. Zufriedenheit am Arbeitsplatz wird mit höherer Produktivität, Kreativität und Zusammenarbeit in Verbindung gebracht. Ein zufriedener Mitarbeiter ist motivierter und trägt eher zu einem positiven Arbeitsumfeld bei, was seine eigene Leistung und letztlich auch die des gesamten Unternehmens steigert. Erhebungen zur Zufriedenheit sollten sich auf die Meinungen und Wahrnehmungen der Mitarbeiter konzentrieren. Die Fragen sollten sich auf Schlüsselthemen wie Vergütung, Sozialleistungen, Arbeitszufriedenheit, Unternehmenspolitik, Arbeitszeiten, Arbeitsorte (Homeoffice etc.), Bindungsquote usw. beziehen. Wenn ein Unternehmen weiß, wie zufrieden die Mitarbeiter mit ihrer Rolle, ihrem Arbeitsumfeld und dem Unternehmen sind, können die Führungskräfte gezielt auf Einwände eingehen und fundierte Entscheidungen treffen. Der Schlüssel zu erfolgreichen Umfragen zur Mitarbeiterzufriedenheit ist die Transparenz gegenüber den Mitarbeitern und die Bereitschaft, auf Grundlage der Ergebnisse Änderungen vorzunehmen.

Arbeitsmoral

Wie fühlen sich die Mitarbeiter? Die Mitarbeitermoral kann einen erheblichen Einfluss auf die Produktivität, das Engagement und die allgemeine Arbeitszufriedenheit haben und ist daher eine wichtige Kennzahl, die es zu beobachten gilt. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich das Unternehmen in einer Phase bemerkenswerter Veränderungen befindet. Ganz gleich, ob es von einem Konkurrenten aufgekauft wird, mit einem anderen Unternehmen fusioniert, eine Umstrukturierung vornimmt oder einfach nur den Standort wechselt – es muss sichergestellt werden, dass die Mitarbeiter mit den Veränderungen zurechtkommen, und es muss gezeigt werden, dass sie dabei unterstützt werden. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn häufig kurze Umfragen durchgeführt werden, um Trends und Auswirkungen zu erkennen. Dadurch zeigt sich, wie sich bestimmte Ereignisse auf die Arbeitsmoral auswirken, und es können geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um Probleme schnell zu beheben.

Kommunikation

Um mit den Mitarbeitern in Kontakt zu treten, eine einheitliche Markenbotschaft zu vermitteln, das mittlere Management zu stärken und die Transparenz zu erhöhen, müssen Unternehmen über eine wirksame interne Kommunikationsstrategie verfügen. Mitarbeiterbefragungen sind ein wertvoller Weg, um zu verstehen, ob die interne Kommunikation effizient funktioniert oder nicht. Sie ermöglichen es, Ressourcen zu erhalten und deren Wert zu steigern. Eine Umfrage zur internen Kommunikation ist für jedes Unternehmen individuell zu konzipieren und hängt von den jeweiligen Geschäfts- und Kommunikationszielen ab. Einige Beispiele für nützliche Kennzahlen, die ausgewertet werden können, sind die Sensibilisierung der Mitarbeiter infolge von Kommunikationsmaßnahmen, Verhaltensänderungen vor und nach einer Kommunikationskampagne und sogar die Auswirkungen der Kommunikation auf das Unternehmen. Die Beteiligungsquoten sind entscheidend für eine effektive Leistungsbewertung, daher ist es wichtig, dass so viele Mitarbeiter wie möglich teilnehmen.

Stärken und Schwächen der Führungskräfte

Manager beeinflussen ganz wesentlich den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens. Sie haben einen enormen Einfluss auf die Produktivität, Kreativität, Arbeitszufriedenheit und sogar auf die persönliche Gesundheit der Mitarbeiter. Jüngste Studien haben gezeigt, dass 80 Prozent der Führungskräfte kein Vertrauen in ihre Führungsebene haben und dass 75 Prozent der Mitarbeiter lieber einen neuen Vorgesetzten als eine Gehaltserhöhung bekommen würden. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, die Leistungen der Führungskräfte regelmäßig zu messen und zu bewerten. Abgesehen davon, welchen Beitrag diese zur Gewinnerzielung liefern, ist es wichtig, auch deren Einfluss auf die Mitarbeiter zu betrachten. Sie mögen zwar hohe Zahlen erzielen, aber weisen die Teams ein höheres Stressniveau und eine geringere Zufriedenheit auf? Haben die Mitarbeiter das Gefühl, dass sie sich mit ihren Anliegen an die Vorgesetzten wenden können? Setzen die Manager die Unternehmensressourcen effektiv ein? Die Umfragen sind stets anonym vorzunehmen und die Fragen sind auf einer Skala (entweder numerisch oder als „stimme voll zu“ bis „stimme überhaupt nicht zu“) zu beantworten, um messbare und vergleichbare Daten zu erhalten.

Mitarbeiterbefragung (Messgrößen)

Schlüsselthemen (Auswahl)

Engagement

Purpose, Lernen

Zufriedenheit

Arbeitszeiten, Vergütung

Arbeitsmoral

Veränderungsbereitschaft

Kommunikation

Sensibilisierung, Verhalten

Führungskräfte

Ansprache, Ressourcen

HR-Initiativen

Effizienz, Effektivität

 

Fazit

Mitarbeiterbefragungen können für ein Unternehmen in vielerlei Hinsicht von Nutzen sein. Ebenso ist es wichtig, den Beitrag des Personalmanagements zu messen. Zu diesem Zweck sollten die HR-Prozesse hinsichtlich ihrer Gesamtwirkung beurteilt werden.

• Ist etwa der Einführungsprozess (Onboarding) für die neuen Mitarbeiter hilfreich?

• Was kann dort besser gemacht werden?

• Sind langjährige Mitarbeiter immer noch mit Begeisterung bei der Arbeit?

• Gibt es Möglichkeiten, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln?

Auch wenn sich Personalumfragen oft mit anderen Bereichen wie Engagement und Zufriedenheit überschneiden, lohnt sich die Konzentration auf den Prozess und den Beitrag des Personalmanagements, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wo Verbesserungen möglich sind.

Autor: Raschid Bouabba, MCGB GmbH. Der Artikel ist erschienen in der Lohn + Gehalt, Oktober 6/2021.

 


Teaserfoto: © Adobe Stock/fotogestoeber

 
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