Kundenservice Veranstaltungen: 02234-9894940
Kundenservice Bücher: 089-21837921
Aboservice Zeitschriften: 089-21837110

EU-Kommissar Oettinger fordert Gutscheine zur digitalen Weiterbildung

„Digitalisierung, Automatisierung und Globalisierung lassen sich nicht aufhalten, wohl aber gestalten. Daher muss es uns gelingen, die Trends für möglichst alle Menschen begreifbar zu machen und sie in diesen Dingen weiterzubilden“, sagt Günther Oettinger im Interview mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin, das am 13. Juli erscheint. Deshalb fordert der EU-Haushaltskommissar Gutscheine zur digitalen Weiterbildung für alle. Bildung soll Ängste nehmen und „eine Gegenbewegung zu Populismus, Protektionismus und Nationalismus“ initiieren. „Diese leben ja von der Angst vor Veränderung durch Automation, Digitalisierung, Globalisierung“, so Oettinger weiter. Der Haushaltskommissar beklagt, dass aktuell noch viel zu wenige Tarifverträge Zeit zur digitalen Weiterbildung vorsähen. „Ich hoffe, das ändert sich bald. Heruntergebrochen auf den Kern des Problems aber benötigen wir Weiterbildungsgutscheine für alle.“

Ohnehin sieht Oettinger in Sachen Wettbewerbsfähigkeit der EU gegenüber den Digitalisierungsschrittmachern aus den USA und Asien dringenden Handlungsbedarf. „Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, die keine nationalen und regionalen Grenzen mehr kennt, ist die wichtigste Investition unserer Generation.“ Man müsse in Europa etwa 500 Milliarden Euro in Glasfasernetze und 5G-Technologie investieren. „Wir brauchen eine Verdopplung der Installationsmasten, ansonsten schaffen wir das nicht und bleiben in Sachen Datentransport stehen. Denn die Datenmengen werden künftig explodieren. Um hier Grenzen und Blockaden zu überwinden, braucht es eine klare, europäische Digitalstrategie“, so der  EU-Politiker.

In der Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen stellt sich Oettinger gegen prominente Wirtschaftsverteter wie etwa Siemens-CEO Joe Kaeser, Telekom-Chef Timotheus Höttges oder dm-Gründer Götz Werner, die sich vor dem Hintergrund der digitalen und gesellschaftlichen Transformation in unterschiedlichen Modellen für dieses neue Sozialsystem aussprechen. „Die im Zuge einer solchen Einführung jährlich anstehenden Verhandlungen, ob man das Grundeinkommen nun um drei, um fünf oder um zehn Prozent aufstocken sollte, würde den Staat in zunehmenden Maße finanziell handlungsunfähig machen“, so der EU-Haushaltskommissar. Zudem würden der zweitältesten Bevölkerung der Welt Motivationsanreize fehlen. Es bestünde die Gefahr, dass der Innovationsmotor gelähmt werde.