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Endlich messbar: Verantwortung in deutschen Chefetagen

Wissenschaftliche Studie bildet ab, wie wir Verantwortung wahrnehmen und bewerten

„Es wäre Ihre Aufgabe gewesen, das Problem mit dem Kunden zu lösen!“ „Aber ich habe es doch gar nicht verursacht.“ „Trotzdem. Als Leiter des Vertriebsinnendienstes müssen Sie dafür sorgen, dass unsere Kunden zufrieden sind. Sie sind schuld, dass der Kunde jetzt so verärgert ist …“ Worum geht es in dieser Situation? Es geht mal wieder darum, wer für etwas verantwortlich ist. Vor allem, wenn es schiefgegangen ist. Dann startet die Suche nach dem Schuldigen. Einer muss symbolisch „hängen“. Kommt Ihnen dieses Szenario bekannt vor?  

Es geht um Verantwortung. Verantwortung ist immer der Kern, um den die Emotionen tanzen. Komplizierte Sachlagen verdichten sich auf dieses eine Wort. „Sie sind verantwortlich für…“ „Das lag in Ihrer Verantwortung.“ Die meisten spüren bei diesen Worten ein Ziehen im Bauch. Schwere und Druck machen sich breit. Stolz und Freude? Weniger. Woher kommt diese Schwere? Oder anders gedacht: Wie können wir Verantwortung mit Freude verknüpfen?

Lust auf Verantwortung

Der Begriff durchdringt alle Bereiche des täglichen Lebens: Politik, Wirtschaft, Medien und das Privatleben. Die meisten gehen mit dem Begriff sehr intuitiv um, doch das Verständnis bleibt diffus. Sehr undifferenziert. Jemand hat Verantwortung oder nicht. Null oder eins. Dabei hilft schon eine kleine Änderung. Indem wir den Begriff Verantwortungsqualität benutzen, wird es schon differenzierter.

Kurzgefasst geht es immer um die gleiche Frage: Wer ist wem gegenüber wofür verantwortlich? Ein Mitarbeiter für seine Aufgabe gegenüber dem Chef. Ein Chef für sein Team. Ein Unternehmen gegenüber der Gesellschaft. Gleichzeitig können Menschen Verantwortung aktiv suchen und übernehmen. Oder sie warten passiv ab, bis sie aufgefordert werden. „Ich will!“ versus „Ich muss!“.

Um mehr Lust auf Verantwortung zu machen, hat das Grundl Leadership Institut den Verantwortungsindex ins Leben gerufen. Der Index wird in regelmäßigen Abständen die Verantwortungsqualität in unserer Gesellschaft messen und abbilden. Nur mit einer Bestandsanalyse kann die Qualität verbessert werden. Die Ergebnisse werden in zwei Sichtweisen eingeteilt: einerseits in die persönliche Sicht auf die Verantwortung in der Gesellschaft (von innen nach außen), andererseits in die Selbstverantwortung (von außen nach innen). Dabei kam Erstaunliches zutage:

1. Nicht jeder will, was er kann

Die meisten haben die Fähigkeit, Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen. Trotzdem: Taucht eine Aufgabe auf, ein ehrgeiziges Projekt oder bieten sich neue Chance, ducken sich viele lieber weg. Die wenigsten treten freudig vor und rufen „Hier“. „Eine Herausforderung? Ach ne, lieber nicht … am Ende hole ich mir nur Prügel ab, wenn etwas schiefläuft.“ Oder auch: „Eine Herausforderung? Ich muss mich nicht beweisen.“ Nur selten liegt diese Zurückhaltung an mangelnden Fähigkeiten, vielmehr am „Nicht-Wollen“.

Ein Grund liegt im Individuum, ein Grund liegt außerhalb. Innerhalb ist es die Selbstvertrauensfalle: Tief im Innern vertrauen wir nicht darauf, dass wir es schaffen könnten. Und reden uns ein, dass wir es nicht nötig hätten, zu wachsen. Es gehört viel Mut dazu, die Hand zu heben, obwohl jemand noch nicht weiß, wie er es hinkriegen soll. Doch genau hier entsteht Wachstum. Wer nur dann Verantwortung übernimmt, wenn er vorher weiß, dass er es hinkriegt, wächst nicht. Das gilt für Personen, Abteilungen, Produkte und Firmen. Ja, für die ganze Gesellschaft.

Der Grund im Außen liegt an einer überzogenen Kritikkultur. In unserer Gesellschaft zählt der Kritiker oft mehr als der Erschaffer. Und in einer Kultur, in der Kritiker mehr Anerkennung bekommen als Erschaffer, wird kein Gründergeist entstehen. Das müssen wir ändern. Deswegen: Geben Sie in Ihrem Einflussbereich Erschaffern mehr Aufmerksamkeit als Kritikern. Beobachten Sie die Wirkung. Es funktioniert!

 

Sorgen Sie für eine FehlerLERNkultur. Nicht für eine Fehlerkultur. Es geht darum,
aus Fehlern zu lernen. Nicht darum, Fehler zu machen.

 

2. Der Splitter im Augen des anderen

Wir nehmen Verantwortung bei anderen präziser war als bei uns selbst. Das ist keine Überraschung. Doch jetzt ist es sauber nachgewiesen. Führungskräfte und Mitarbeiter können Aufgaben, die in der eigenen Verantwortung liegen, viel schwer erkennen als die anderer. Auch die Verfehlungen bei anderen sehen wir klarer als unsere eigenen Limitierungen. Dahinter steckt oft eine fehlende Konzentration auf den eigenen Verantwortungsbereich. Durch zu wenig Ergebnisorientierung wandert der Blick weg vom eigenen Wirkungskreis auf andere.

Die Folgen: Wir kritisieren andere mehr und schieben Dinge lieber nach außen ab, als wir an uns selbst arbeiten. Das erkennen Sie daran, dass bei Meetings mehr über Abwesende als über Anwesende gesprochen wird. Auch Führungskräfte sollten sich vor anderen dazu bekennen, was sie als nächstes besser machen werden.

 

Sorgen Sie für eine konzentrierte Ergebnisorientierung. Und sorgen Sie für eine
Kommunikationskultur in der mehr Selbstreflektion als Fremdreflexion vorhanden ist.

 

3. Im Prinzip verantwortungsbewusst

Menschen erkennen das Prinzip Verantwortung eher als die Verantwortung für ihr eigenes Leben. Zugleich stufen viele Prinzipien wichtiger ein als deren operative Umsetzung. Ein Beispiel: Umweltschutz ist wichtig! Viele erkennen das Prinzip an und schauen darauf, dass „man“ es auch macht. Doch tatsächlich selbst Müll zu trennen oder mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren (ohne es anderen vorzuwerfen), steht weniger im Fokus. Gleiches Bild in Unternehmen: Die Macht der kleinen Schritte wird unterschätzt. Und die Macht des allgemeinen Prinzips wird überschätzt.

Das Sein wird höher gewertet als das Tun: Menschen wollen „im Prinzip“ Führungskraft sein und gefallen sich in dieser verantwortungsvollen Rolle. Tatsächlich für die operativen Aufgaben Verantwortung zu übernehmen, ist anstrengend. Je mehr Personen dieses Ungleichgewicht ausleben, desto mehr Verantwortung geben sie – meist unbewusst – ab. Am Ende tragen sie selbst wenig bis gar keine Verantwortung. Dass das zu Inkonsequenz im Handeln und zu schlechten Ergebnissen führt, sehen wir jeden Tag in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

 

Seien Sie sich bewusst: Was jemand sagt, ist das, was er gerne wäre. Was jemand liefert, ist das, was er wirklich ist. Sorgen Sie für ein Klima, in dem Wort und Tat immer mehr zusammenrücken.

 

4. Verantwortungsbewusstsein ist nicht wichtig

Das ist kaum zu glauben, aber wahr: Führungskräfte gehen mit Verantwortung nicht besser um als Nicht-Führungskräfte. Das bestätigt: Verantwortung ist bei der Auswahl und Entwicklung von Führungskräften zu wenig Thema. Unternehmen müssen sich mehr Gedanken machen, was Verantwortung für sie bedeutet und für was ihre Führungskräfte und Mitarbeiter überhaupt verantwortlich sind. Klare Abgrenzung und Definition können hilfreich sein – untereinander und im Unterschied zu den Mitarbeitern.

 

Sorgen Sie dafür, dass Verantwortung das Kernthema Ihrer Weiterbildung und in Ihrem Einstellungsverfahren wird. Gehen Sie differenzierter und bewusster mit Verantwortung um.

 

Sinnvoll Verantwortung übernehmen lohnt sich

In vielen Organisationen passt die Verantwortungsqualität. In vielen aber auch nicht. Es wird Zeit, Verantwortung nicht dem Zufall zu überlassen und zu einem festen Bestandteil bei der Auswahl und Weiterentwicklung von Führungsposten zu machen. Verantwortungsvolle Mitarbeiter stärken Unternehmen, Wirtschaft und Gesellschaft. Wer die passende Verantwortungsqualität sucht und klug übernimmt – nicht zu viel und nicht zu wenig – erhält Rückmeldungen vom Leben. Mit jeder Anstrengung wird ihm klarer, wo er hingehört. Das Lernen aus Fehlern und Erfolgen stärkt das Ich, und dient dem Wir. Man nähert sich seinem wahren Kern und wird der Beste, der man sein kann.

Interessiert Sie die Verantwortungsqualität in Ihrem Unternehmen? Möchten Sie diese zuverlässig messen und abbilden? Wünschen Sie sich Ideen und Maßnahmen, wie Sie die Qualität erhöhen können? Unter www.verantwortungsindex.de finden Sie einen kostenfreien Selbsttest mit Schnellauswertung, der Ihre Verantwortungsqualität mit dem deutschen Durchschnitt vergleicht. 

Boris-GrundlÜber den Autor: Boris Grundl ist ist Management-Trainer, Unternehmer, Autor sowie Gründer des Grundl Leadership Instituts und erforscht das Thema Verantwortung (www.verantwortungsindex.de). 

 

 

(Foto: enotmaks/Fotalia)

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