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Digitalisierung – das Fundament legen die Handwerker

Interview mit Frank Westphal, CEO Omexom Deutschland und Geschäftsführer VINCI Energies Deutschland

HRP: Herr Westphal, wieso sind die handwerklichen und technischen Berufe so wichtig für die Digitalisierung?

Frank Westphal: Entgegen so mancher Expertenmeinung benötigen wir auch im Zeitalter der Digitalisierung nach wie vor Menschen mit handwerklichem Können und speziellen Fertigkeiten. Denn Handwerker und Techniker legen in der Regel das Fundament für das, was IT-Experten wiederum digitalisieren können. Ein anderes Beispiel: Alle fordern eine schnellere Energiewende und mehr Elektromobilität. Aber wie Ladesäulen installiert und wie sie mit Energie versorgt werden – das kommt selten zur Sprache. Mir fehlt die Bereitschaft der Öffentlichkeit, darüber nachzudenken, wer diese grundlegenden Aufgaben eigentlich umsetzt. Letztlich erledigen diese Arbeiten immer noch Menschen, und diese müssen wir gerade angesichts des Fachkräftemangels weiter qualifizieren und motivieren. Wir bei Vinci Energies Deutschland beschäftigen insgesamt rund 12.000 Mitarbeiter. Grob gesagt, die eine Hälfte sind Ingenieure, die andere gewerblich Beschäftigte. Letztere werden aber in der Öffentlichkeit de facto null wahrgenommen. Der Handwerksberuf muss dringend wieder eine stärkere Wertschätzung erfahren!

HRP: Sie unterstützen einen neuen Ausbildungsgang der IHK Erfurt. Warum war es notwendig, einen solchen Ausbildungsgang zu starten?

Westphal: Ganz einfach aufgrund der Marktanforderungen: Ein Freileitungsmonteur installiert Bauteile an Hochspannungsmasten und kümmert sich um die Instandhaltung der Leitungsinfrastruktur. Die Fertigkeiten und Kenntnisse, die dafür gebraucht werden, wurden bisher in keiner Berufsausbildung angeboten – obwohl diese Fachkräfte dringend gebraucht werden. Zusammen mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt wollen wir diese Lücke mit dem Ausbildungsprogramm zur IHK-Fachkraft „Freileitungsmonteur“ schließen und so dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Für uns Grund genug, diese Initiative mit Rat und Tat von Beginn an zu unterstützen. Bei dem Ausbildungsgang handelt es sich um einen achtmonatigen Zertifikatslehrgang. Danach können Teilnehmer Montage, Wartung und Instandhaltung von Hoch- und Höchstspannungsnetzen sicher und qualitativ hochwertig durchführen.

HRP: Was sollte aus Ihrer Sicht bei der Aus- und Weiterbildung mit Blick auf die Digitalisierung in Deutschland besser laufen?

Westphal: Grundsätzlich müssen wir die handwerklichen und technischen Berufe in Deutschland besser würdigen und fördern. Wir lassen momentan an den Universitäten verschiedene Studiengänge zu, bei denen man gar nicht mehr weiß, was die Absolventen eigentlich gelernt haben und was sie wirklich einsetzen können. Die Frage ist, welchen Wert hat ein Bachelor tatsächlich? Manchmal ähnelt ein Bachelor einer guten Ausbildung und manchmal ist ein Lehrling kenntnisreicher als ein Akademiker. Wir müssen das vorbildliche duale Ausbildungswesen wieder stärken. Die aktuelle Tendenz in Europa, alles als akademischen Titel darzustellen, führt in die Irre. Ich möchte mich nicht darauf reduzieren pro gewerblich zu reden, aber das ist ein signifikanter Punkt. Alle wollen Akademiker werden, aber ist das denn überhaupt möglich und nötig? Eine klassische Ausbildung eignet sich oft besser für viele junge Menschen und bietet vielversprechende Zukunftsperspektiven!

HRP: Vielen Dank für das Gespräch.

(Foto: Omexom)