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Die Roboter kommen! Die künstliche Angst vor künstlicher Intelligenz

Es ist Zeit, einige gängige Mythen zur künstlichen Intelligenz und der Zukunft der Arbeit zu widerlegen.Als Spezies sind wir der Evolution viel schuldig. Und vielleicht ist es auch die Evolution, mit der sich die Rastlosigkeit des menschlichen Geistes erklären lässt, das Streben nach etwas Besserem und das ständige Hinterfragen des Wertes von dem, was wir haben, und dem, was wir zukünftig haben könnten.

Aber wenn man aktuelle Schlagzeilen zu neuen Technologien wie künstliche Intelligenz und Automatisierung liest, kann man sich des Gedankens nicht erwehren, dass unser unablässiger Wunsch nach etwas noch Neuerem und noch Besserem unserer eigenen Spezies die Daseinsberechtigung absprechen könnte. „Die Roboter kommen und werden uns unsere Arbeit wegnehmen”, heißt es.

Vieles davon ist natürlich bloße Angstmacherei. Aktuelle Umfragen zeigen, dass dadurch die öffentliche Meinung zur künstlichen Intelligenz und Automatisierung stark beeinflusst wird. Tatsächlich befinden wir uns irgendwo in der Mitte der Entwicklung. Derartige Technologien spielen eine immer größere Rolle in der Arbeitswelt und bringen viele Vorteile mit sich. Welche Auswirkungen sie auf die Menschen haben, darf aber nicht egal sein.

Zumindest zurzeit ersetzen Roboter einzelne Aufgaben, keine kompletten Arbeitsstellen. Diese Unterscheidung ist wichtig, schließlich bestehen die meisten Jobs aus unterschiedlichen und immer wieder anderen Aufgaben, von denen sich nur ein Teil automatisieren lässt. Dies ist natürlich abhängig von der Branche – die Arbeit eines Fabrikarbeiters umfasst in der Regel weniger Aufgaben als die eines Restaurantmanagers. Doch auch auf absehbare Zeit wird sich der Einsatzbereich von künstlicher Intelligenz und Robotern auf einfache, sich wiederholende Arbeiten beschränken.

Nichtsdestotrotz müssen wir uns auf Veränderungen einstellen. Diese Technologien werden sich immer weiter entwickeln und immer mehr Aufgaben übernehmen können. Wir müssen ihren Einsatz kontrollieren, damit nicht die nächste Generation der Erwerbstätigen darunter leidet. Ein 50-jähriger Taxifahrer wird schließlich nicht über Nacht zu einem Datenexperten.

Als Arbeitgeber, als Arbeitnehmer, als Ausbilder und als Gesellschaft müssen wir uns mit diesen Fragen auseinandersetzen und sicherstellen, dass unsere Kinder und Kindeskinder noch die Chance haben, sich an ihrem Arbeitsplatz zu verwirklichen. Aber Verwirklichen ist nun auch wahrlich das Gegenteil von der Ausübung simpler repetitiver Tätigkeiten.

Unternehmen müssen eine Automatisierungsstrategie entwickeln, die geschäftliche Vorteile mit sich bringt und gleichzeitig gewährleistet, dass die Mitarbeiter neben und mit den neuen Technologien arbeiten können. Ziel muss es sein, dass unsere Arbeitsweise erweitert und optimiert wird. Menschen besitzen Erfindungsgeist und Urteilsvermögen. Maschinen können das menschliche Denken nur kodieren und nachahmen.

Personalleiter sind das Sprachrohr bzw. der Katalysator der Mitarbeiter vor der Führungsetage und spielen damit eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Kompetenzstruktur des modernen Unternehmens. Ob zusammen mit den Leitern der einzelnen Geschäftsbereiche die Automatisierungsstrategien ausgearbeitet oder Beratungs- und Schulungsprogramme für Mitarbeiter entwickelt werden: Das Personalwesen muss Unternehmen dabei unterstützen, den goldenen Mittelweg zwischen höherer Effizienz dank Technologie und menschlichem Denkvermögen zu finden – eine Wahl, die fälschlicherweise häufig als Entweder-oder-Frage erachtet wird.

Außerdem sollten Unternehmen gemeinsam mit Ausbildern eine zukunftssichere Lernstruktur ausarbeiten. Es ist kein Geheimnis, dass das Bildungssystem völlig überholt ist. Oft sind die Kenntnisse, die in Schulzeiten erworben werden, längst nicht mehr relevant, wenn die jungen Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten. Viel wichtiger ist es, die Schüler dabei zu unterstützen, Probleme zu lösen, frei zu denken und über ausbaubare Kenntnisse zu verfügen, damit sie vielseitige Rollen erfüllen und das Potenzial neuer Technologien ausschöpfen können.

Unser unablässiges Streben nach Weiterentwicklung scheint nicht stillzustehen. Wir sind es uns selbst aber schuldig sicherzustellen, dass bei den schnellen Veränderungen niemand zurückgelassen wird. In der Gemeinschaft – mit Unternehmen, Lehrern/Ausbildern und der Gesellschaft – können wir gewährleisten, dass unsere Fähigkeiten und unser Verständnis von Technologie mit unseren Wünschen für die Zukunft übereinstimmen.

Autor: Joachim Skura, HCM Thought Leader, Oracle