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„Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck“

„Digitale Tools und steigende Bewerberansprüche revolutionieren die Arbeit von Recruitern. Wie die moderne Personalsuche funktionieren kann, erklärt Andreas Bolder von Randstad Deutschland.“

HRP: Wie kann ein Unternehmen am besten sicherstellen, dass es zur richtigen Zeit die passenden Mitarbeiter „zur Verfügung hat“?

Andreas Bolder: Es gibt dafür keine magische Formel. Eine mit den Bereichen abgestimmte quantitative und qualitative Personalplanung ist aber schon mal ein guter Anfang. Um Engpässe zu minimieren oder Bedarfsspitzen abzudecken, können Unternehmen auch auf flexible Beschäftigungsstrategien z.B. Freelancer oder Zeitarbeit setzen. Außerdem zahlt es sich langfristig aus, in die Beschäftigungsfähigkeit der eigenen Mitarbeiter zu investieren, indem man sie mit neuen Technologien vertraut macht und beispielsweise frühzeitig Weiterbildungen anbietet. Darüber hinaus ist es auch sinnvoll, dort wo es möglich ist, die Rotation von Mitarbeitern und Führungskräften zu fördern.

HRP: Welche innovativen/neuen Recruiting-Maßnahmen nutzen Unternehmen bzw. sollten Unternehmen nutzen?

Bolder: Die Ansprache über soziale Netzwerke und mobile Endgeräte sollte inzwischen der Standard für Recruiter sein. Trotzdem bieten laut einer Studie von Monster 53 Prozent der Top-1.000-Unternehmen noch kein Mobile Recruiting an. Da gibt es also noch Luft nach oben. Ein professionelles Empfehlungsmanagement (Mitarbeiter suchen Mitarbeiter) ist ebenfalls ein gutes Mittel, um Aufmerksamkeit und Interesse zu wecken.

Darüber hinaus gibt bei der Auswahl der passenden Kandidaten viel Potenzial für Optimierung. Moderne Softwarelösungen können den Auswahlprozess wirksam unterstützen. Vor allem aber ist es wichtig, alle am Rekrutierungsprozess beteiligten Personen eng miteinander zu verzahnen, sodass der Prozess in einer angemessene Zeit abläuft. Wer Wochen auf einen Interviewtermin warten muss, hat schnell keine Lust mehr, egal wie innovativ der Prozess oder die Tools bis dahin waren.

HRP: Der Recruitingprozess wird zunehmend digitalisiert. Wo bleibt da die persönliche Wertschätzung für den Bewerber?

Bolder: Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Personaler können heute vielfältige digitale Tools nutzen, um operative Aufgaben zu beschleunigen, treffsicher geeignete Kandidaten zu finden, das Datenmanagement zu vereinfachen oder den Auswahlprozess zu objektivieren. Dadurch werden idealerweise Ressourcen für Personaler frei, die sie wiederum in den persönlichen Kontakt mit Bewerbern und Interessenten investieren können und sollten. Dem Kandidaten ein realistisches Bild von der Aufgabe und dem Unternehmen zu vermitteln und damit diese Entscheidung zu erleichtern, das ist Aufgabe des Recruiters. Das kann in Einzelfällen sogar die Form einer persönlichen Beratung annehmen. Bei Randstad steht unser Markenversprechen „human forward“ im Fokus, mit dem wir zum Ziel haben, Bewerber und Kunden mit intelligenter Technologie und gleichzeitig persönlicher Nähe und Beratung weiterzubringen.

HRP: In welchen Bereichen sind moderne Tools dem Menschen noch unterlegen?

Bolder: Die meisten technischen Hilfsmittel sind speziell auf eine bestimmte Aufgabe ausgerichtet, die sie nahezu perfekt beherrschen. Suchmaschinen und entsprechende Plattformen picken z.B. geeignete Kandidaten extrem schnell und zuverlässig aus riesigen Datensätzen heraus. Der ursprüngliche Suchauftrag wurde aber von einem Menschen abgegeben, der an eine neu zu rekrutierenden Person bestimmte Erwartungen und Wünsche hegt, die in keine Profilbeschreibung passen und die kein Tool „matchen“ kann. Ob ein Kandidat in ein bestehendes Team oder zur Unternehmenskultur passt oder ob die Zusammenarbeit in einer Matrixorganisation funktioniert, ist eine zutiefst menschliche Einschätzung.

HRP: Welche Ansprüche von Kandidaten sind die größten Herausforderungen für Unternehmen?

Bolder: So wenig wie es die „Unternehmen“ gibt, so wenig gibt es die „Kandidaten“. Und das ist auch schon eine der größten Herausforderungen. Auf die Ansprüche jedes einzelnen Kandidaten eingehen zu wollen, übersteigt die Möglichkeiten der meisten Unternehmen. Jeder Bewerber hat bestimmte Aspekte, die ihm oder ihr wichtig sind, wie z.B. flexible Arbeitszeiten, Freiraum, Weiterbildungsmöglichkeiten oder eine wertschätzende Atmosphäre am Arbeitsplatz. Wenn Unternehmen herausstechen und begehrte Talente anziehen wollen, müssen sie auf die für ihre Zielgruppe wichtigsten Wünsche eine Antwort haben. Das lässt sich durch Befragungen und Studien gut ermitteln. Wenn ein Unternehmen glaubwürdig „für etwas steht“, dann lassen sich einzelne unerfüllte Ansprüche auf Seiten des Kandidaten besser verkraften. Wichtig ist, sehr offen darzustellen, was machbar ist und was nicht.

HRP: Vielen Dank für das Interview.

Mehr über die moderne Rolle des Recruiters können Sie in Randstads Whitepaper zur Digitalisierung der Arbeitswelt lesen. Hier geht es zum kostenlosen Download.

Andreas Bolder ist seit 2002 bei Randstad Deutschland Director Human Resources und seit 2013 Director Group Human Resources. Bei dem Personaldienstleister mit Zentrale in Eschborn sind durchschnittlich rund 58.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon ca. 2.700 interne in 500 Niederlassungen in rund 300 Städten. Vor seiner beruflichen Laufbahn bei Randstad war der studierte Sozialwissenschaftler in den Bereichen Vertrieb und HR bei internationalen Konzernen tätig.

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