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Deutschen Unternehmen fehlt es an wirksamer Führung

Die Mehrheit der befragten deutschen Unternehmen spürt verstärkten Anpassungsdruck wegen zunehmender Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (VUKA), verfügt jedoch nicht über entsprechend qualifizierte Mitarbeiter, um diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Vor allem fehlt es den Führungskräften an Leadership-Kompetenzen, die für eine nachhaltige Gestaltung des Wandels wesentlich sind. Das sind zentrale Ergebnisse des 6. HR-Leadership-Panels von Rochus Mummert, für das die Personalberatung 2018 branchenübergreifend 180 Unternehmen des deutschen Mittelstands befragt hat.

Veränderungsdruck steigt

53 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass sie die Veränderungen der VUKA-Welt „schnell“ zu spüren bekommen, zwölf Prozent sogar „extrem schnell“. Doch die meisten zweifeln daran, die dafür richtigen Mitarbeiter an Bord zu haben. Zwar glauben 57 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihre Führungskräfte dem Wandel motiviert begegnen. Sie bescheinigen aber nur 37 Prozent von ihnen, auch über die notwendigen Qualifikationen zu verfügen – eine deutliche Lücke zwischen Veränderungsbereitschaft  und -fähigkeit.

„Das Tempo der zu erwartenden Veränderungen ist sehr hoch“, sagt Markus Gehrt, Partner bei Rochus Mummert und Co-Autor der Studie. „Die Unternehmen müssen heute die richtigen Weichen stellen, um die Transformation zu gestalten, bevor sie von außen dazu gezwungen werden.“ Ein entscheidender Hebel: die passenden Persönlichkeiten an den richtigen Positionen.

Leadership vs. Management: Es fehlt an notwendigen Kompetenzen

Noch sind 66 Prozent der Unternehmensbereiche auf Exzellenz, Effizienz und Effektivität – klassische Management-Kompetenzen – ausgerichtet, hingegen nur 34 Prozent auf Geschwindigkeit, Agilität und Innovation; Kompetenzen, die zeitgemäßen Leadern zugeschrieben werden. Bis 2025 wird es hier starke Verschiebungen geben, glauben die Befragten: Dann werden 53 Prozent der Unternehmensbereiche vorrangig Führungspersonal brauchen, das Agilität und Innovation vorantreibt.

Doch zwei Drittel der Unternehmen unterscheiden grundsätzlich noch nicht zwischen den Kompetenzprofilen eines Managers und eines Leaders. Während sich Manager eher über logisch-analytische und organisatorisch-prozessuale Qualifikationen definieren, sind Leader visionär, charismatisch und zeichnen sich durch strategisches Gespür aus. Mit dem klassischen Managertyp sind 66 Prozent der deutschen Unternehmen hinreichend bis sehr gut ausgestattet. Doch nur 22 Prozent können derzeit eine hinreichende bis sehr gute Ausstattung mit dem zukünftig immer stärker gebrauchten Leadership-Typus vorweisen, der über die benötigten Kompetenzen für die Transformation verfügt.

Wirksame Führung erhöht Umsatzrendite

„Unsere Studie zeigt, dass die Führungskultur sich deutlich darauf auswirkt, wie erfolgreich Unternehmen mit neuen Bedingungen und Anforderungen zurechtkommen“, sagt Dr. Linus Gemmeke, Partner bei Rochus Mummert und Co-Autor der Studie. „Unternehmen brauchen kompetente Leader, um wirksam zu führen und den Erfolg nachhaltig zu sichern.“ So sehen sich 71 Prozent der Befragten, die ihrem Unternehmen eine wirksame Führung attestieren, gut für anstehende Veränderungen gerüstet, sechs Prozent sogar „mit Sicherheit“. In unwirksam geführten Unternehmen fühlen sich dagegen nur 20 Prozent der Studienteilnehmer ausreichend gewappnet.
Unternehmen mit einer wirksamen Führung sind nicht nur besser für den Wandel vorbereitet, sie stehen heute schon wirtschaftlich besser da: Zwölf Prozent mehr von ihnen liegen in der Renditeklasse über acht Prozent als unwirksam geführte Unternehmen. 

Positiver Einfluss auf Arbeitgeberattraktivität

Schließlich gibt es auch eine klare Wirkung nach innen: Die Ergebnisse der Studie belegen den hohen Einfluss der Führung auf das Arbeitgeberimage. In wirksam geführten Unternehmen sind 67 Prozent der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber zufrieden, in unwirksam geführten nur 37 Prozent. Bei den Weiterempfehlungsquoten wird der Unterschied sogar noch deutlicher: Hier stehen 76 gegen 32 Prozent, was im Hinblick auf den Fachkräftemangel unmittelbare Relevanz bekommt.
„Unsere Studie zeigt, wie groß der positive Einfluss wirksamer Führung auf das Arbeitgeberimage ist“, sagt Markus Gehrt. „Es sind die Leader, die ihre Mitarbeiter für Veränderungsprozesse wie die digitale Transformation motivieren und den Fortschritt ins Unternehmen bringen. Die Qualität und Wirksamkeit der Führung ist einer der wesentlichen Faktoren für den unternehmerischen Erfolg.“

Über das HR-Leadership-Panel

Zum sechsten Mal untersucht das Rochus Mummert HR-Leadership-Panel die Messbarkeit von Personalstrategien auf den Unternehmenserfolg. Zwischen November 2017 und Januar 2018 wurden 180 mittelständische Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen per Online-Fragebogen befragt. Davon zählen 31 Prozent zu den kleinen und mittleren Unternehmen, 28 Prozent haben einen Umsatz zwischen 100 und 500 Millionen Euro, 41 Prozent mehr als 500 Millionen Euro. Das HR-Leadership-Panel wird von Rochus Mummert in Kooperation mit Prof. Dr. Michael Martin durchgeführt.

Quelle: Rochus Mummert
(Foto: leowolfert/Fotalia)