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Deutsche Unternehmen: Geschäftserfolg basiert immer stärker auf Daten

Der Geschäftserfolg wird zukünftig immer stärker auf Daten basieren: Davon gehen deutsche Unternehmen fest aus, wie eine aktuelle bitkom-Umfrage zeigt. Demnach sagen 7 Prozent, dass ihr Business ausschließlich oder sehr stark von datengetriebenen Geschäftsmodellen abhängt. Doppelt so viele Unternehmen erwarten, dass dies in zwei Jahren der Fall sein wird. Damit würde jedes siebte deutsche Unternehmen sein Kerngeschäft auf Daten aufbauen.

Zugleich sieht die deutsche Wirtschaft großen Nachholbedarf bei der Entwicklung datengetriebener Geschäftsmodelle. Nur jedes hundertste deutsche Unternehmen (1 Prozent) sieht sich als Vorreiter in der Datenökonomie, 16 Prozent verorten sich im Mittelfeld. Aber 35 Prozent bezeichnen sich als Nachzügler, 19 Prozent haben nach eigenem Dafürhalten den Anschluss verpasst und 24 Prozent haben sich noch überhaupt nicht mit dem Thema beschäftigt. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 604 Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Daten und ihrer verantwortungsvollen Nutzung kommt in der globalen Wirtschaft eine immer größere Bedeutung zu. Das reicht von der Analyse von Mobilitätsdaten im Verkehrssektor über die vorausschauende Wartung in Industrieunternehmen und Smart Farming in der Landwirtschaft bis hin zur bedarfsabhängigen Steuerung von Energiespeichern für eine nachhaltige Stromversorgung“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Wir können es uns als rohstoffarme Nation nicht leisten, Daten in Silos wegzuschließen und auf ihre verantwortungsvolle Nutzung zu verzichten. Deutschland kann mit einem konsequenten Schritt in die Datenökonomie wettbewerbsfähiger werden, das Risiko von Krisen verringern, Ressourcen schonen und zugleich die Lebensqualität erhöhen.“

6 von 10 Unternehmen teilen keine Daten mit anderen

Damit dies gelingt, müssen die Unternehmen aber auch konkrete Schritte unternehmen. So verzichtet derzeit die große Mehrheit (63 Prozent) noch darauf, Daten mit anderen Unternehmen zu teilen. Jeweils ein Fünftel bietet eigene Daten anderen zur Nutzung an (21 Prozent) oder nutzt selbst Daten Dritter (22 Prozent). Aber nur 8 Prozent teilen Daten mit anderen und setzen umgekehrt auch geteilte Daten anderer ein. Bei 4 von 10 Unternehmen (43 Prozent), die derzeit Daten austauschen, trägt dies stark zum eigenen Geschäftserfolg bei. In den kommenden Jahren dürfte die Bedeutung dieses sogenannten B2B-Data-Sharing deutlich zunehmen. So wollen in zwei Jahren bereits 51 Prozent Daten anderer Unternehmen einsetzen, das sind mehr als doppelt so viele wie heute. Und 30 Prozent wollen bis dahin selbst zum Daten-Anbieter geworden sein. Immerhin jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) will in zwei Jahren sowohl Daten weitergeben als auch fremde Daten nutzen.

Als größte Hürden für den Datenaustausch empfinden die Unternehmen, dass Daten miteinander nicht kompatibel sind (50 Prozent) und dass es keinen passenden Partner für das Datenteilen gibt (45 Prozent). Jeweils rund ein Drittel der Unternehmen beklagt rechtliche Unsicherheiten (38 Prozent), Schwierigkeiten bei der Einigung mit Partnern (37 Prozent), die fehlende wirtschaftliche Attraktivität als Daten-Anbieter (36 Prozent) sowie Datenschutzvorgaben, die einen Datenaustausch nicht erlauben (35 Prozent). 29 Prozent erscheint die Nutzung von Daten anderer wirtschaftlich nicht attraktiv. „Fehlende Kompatibilität, die schwierige Partnersuche sowie Rechtsunsicherheiten sind die größten Hürden auf dem Weg in die Data-Sharing-Economy. Die Entwicklung von Datenräumen, wie derzeit etwa im Mobilitätsbereich, können hier Abhilfe schaffen“, sagt Rohleder.

Datenräume: Sicheres Teilen möglich

Allerdings ist das Konzept von Datenräumen noch nicht bei allen Unternehmen bekannt. In einem Datenraum verständigen sich Unternehmen auf gemeinsame Regeln und Verfahren, die den dezentralen Zugriff auf Daten ermöglichen oder vereinfachen. Ein Viertel (26 Prozent) der Unternehmen hat davon noch nie gehört, etwa ebenso viele (28 Prozent) haben zwar davon gehört, wissen aber nicht, um was es geht. 27 Prozent wissen in etwa, worum es sich handelt und gerade einmal 16 Prozent können nach eigener Angabe erklären, was ein Datenraum ist. Gleichzeitig erwarten 56 Prozent, dass Datenräume zu mehr Datenteilen führen würden, 54 Prozent, dass so ein sichererer Datenaustausch möglich wäre. Rund die Hälfte (49 Prozent) würde Datenräumen als Ergänzung zu bisherigen Angeboten nutzen. Und 45 Prozent wünschen sich von der Politik, dass Datenräume stärker gefördert werden.

Derzeit sind lediglich 3 Prozent der Unternehmen in Datenräumen aktiv, weitere 15 Prozent planen dies. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei die verbesserte Steuerung von Lieferketten, die Verringerung von Abhängigkeiten (78 Prozent) und die Erhöhung der Leistung von Produkten und Dienstleistungen (67 Prozent). Erst mit deutlichem Abstand folgen die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen (47 Prozent), die Erfüllung von Transparenzpflichten (32 Prozent), die Messung des ökologischen Fußabdrucks (23 Prozent) und allgemein der Verbesserung des Herstellungsprozesses (19 Prozent).

Allerdings gibt es rund um Datenräume auch Sorgen in der Wirtschaft. So gehen zwar 35 Prozent der Unternehmen davon aus, dass Datenräume dem eigenen Unternehmen ganz neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen würden. Umgekehrt sehen aber 44 Prozent das eigene Geschäftsmodell durch Datenräume potenziell bedroht. Rohleder: „Die richtigen Anreize sind für den Erfolg der Datenökonomie unverzichtbar. Investitionen in datengetriebene Geschäftsmodelle müssen sich für Unternehmen immer auch lohnen. Deshalb sollten wir mit Datenteilungspflichten sehr vorsichtig sein und stattdessen faire Kompensationsmechanismen weiterentwickeln. Wirtschaftlichkeit und Datenteilen dürfen kein Widerspruch sein. Und selbstverständlich darf niemand gezwungen werden Geschäftsgeheimnisse zu teilen.“

Innovationen durch Datenschutz ausgebremst

Größte Hürde bei der Entwicklung datengetriebener Geschäftsmodelle ist für die Unternehmen der Datenschutz. Zwei Drittel (64 Prozent) erleben, dass durch den Datenschutz die Umsetzung datengetriebener Geschäftsmodelle gehemmt wird – bei 42 Prozent ein wenig, bei 22 Prozent sehr. Fragt man diese Unternehmen, auf welche Weise dies geschieht, so nennen 62 Prozent die datenkritische Grundstimmung in Politik und Gesellschaft, 53 Prozent die Kosten für den Datenschutz, 52 Prozent Rechtsunsicherheit bei der Auslegung des Datenschutzes, 51 Prozent die Strafen bei möglichen Verstößen, 49 Prozent die schnelle Änderung der Datenschutzgesetze und 48 Prozent die insgesamt sehr strengen Regelungen. Jeweils 4 von 10 Unternehmen beklagen die uneinheitliche Auslegung (38 Prozent) und mögliche Reputationsverluste bei Verstößen (37 Prozent). „In der digitalen Welt brauchen wir ein hohes Datenschutzniveau, das persönliche Daten sicher und umfassend schützt. Aber wir dürfen nicht alle Daten über einen Kamm scheren“, so Rohleder. „Wir brauchen in Europa und auch innerhalb Deutschlands vor allem einen einheitlichen Datenschutz mit einheitlichen Auslegungen. Dabei sollte auch stärker berücksichtigt werden, dass ein Verbot der Datennutzung immer häufiger bedeutet, dass wertvolle und sinnvolle Angebote in Deutschland nicht entwickelt und nicht vermarktet werden können.“

Unternehmen sehen Deutschland bei der Datenökonomie international abgeschlagen

Derzeit sieht die Hälfte der Unternehmen Deutschland bei datengetriebenen Geschäftsmodellen im internationalen Vergleich entweder abgeschlagen (29 Prozent) oder unter den Nachzüglern (20 Prozent). Weitere 31 Prozent verorten Deutschland im Mittelfeld. Aber nur 13 Prozent sehen Deutschland unter den Vorreitern und gerade einmal 4 Prozent als weltweit führend. „Damit Deutschland in der Datenökonomie tatsächlich eine Führungsrolle einnehmen kann, müssen wir umdenken: Viele Daten entfalten ihren Wert erst, wenn man sie teilt“, sagt Rohleder. „Wir sind in einer Phase, wo weltweit neue, datengetriebene Geschäftsmodelle entstehen. Die Politik muss den Freiraum geben, damit sich solche Innovationen auch in Deutschland entwickeln können.“

Quelle: bitkom

Foto: AdobeStock/NicoElNino