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Deutsche Führungskräfte sind begeisterte Heim-Arbeiter

Große digitalaffine Unternehmen wie Yahoo und IBM haben ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurück in die Büros der Firmenstandorte geholt und damit die Skepsis gegenüber dieser Arbeitsform befeuert. Dennoch ist der Trend zum Arbeiten im heimischen Büro nicht aufzuhalten. Das belegt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung EY, für die 800 Fach- und Führungskräfte befragt wurden. Danach haben 51 Prozent der Leistungsträger in den Unternehmen die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Bei den Mitarbeitern mit Führungsverantwortung sind es sogar 72 Prozent. Von denjenigen Befragten, die derzeit noch nicht im Homeoffice arbeiten können, wünschen sich 70 Prozent diese digitale Freiheit oder sind ihr zumindest zugeneigt. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 90 Prozent.

„Firmen, die ihren Mitarbeitern das Arbeiten von zu Hause nicht zumindest zeitweise anbieten, agieren vollständig an den Bedürfnissen ihrer Belegschaft vorbei“, kommentiert Nelson Taapken, Partner bei EY, die Studienergebnisse. „Wollen sie ihre Leistungsträger halten und junge High Potentials für sich gewinnen, können sie das Rad nicht einfach zurückdrehen.“ Laut dem HR-Experten wird es im Gegenteil in naher Zukunft ganz normal sein, dass Mitarbeiter zumindest teilweise von zu Hause aus arbeiten. Zu dem gängigsten Gegenargument, man wisse durch die physische Abwesenheit nicht mehr genau, was der Mitarbeiter tue, sagt Taapken: „Es ist eine klassische Führungsaufgabe, die Leistung eines Mitarbeiters nachzuhalten. Werden Fristen nicht mehr eingehalten oder häufen sich Beschwerden, muss gemeinsam nach einer individuellen Lösung gesucht werden.“

Vorteil Zeitersparnis – Nachteil mangelnder Austausch

Als größte Vorteile der Arbeit im Homeoffice nennen die befragten Fach- und Führungskräfte die flexiblere Zeiteinteilung (79 %) sowie die Zeitersparnis durch die wegfallenden Fahrten zur Arbeit (71 %). Dass sie zu Hause nicht durch Kollegen abgelenkt werden und konzentrierter arbeiten können, erklären hingegen nur 43 bzw. 39 Prozent. Das deutet zwar tatsächlich darauf hin, dass die Mitarbeiterbeim Thema Homeoffice in erster Linie auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Dennoch profitieren auch die Unternehmen. „Die höhere Motivation zufriedener Mitarbeiter kommt den Firmen zugute“, erklärt Laura Jacob, Senior Managerin und HR-Expertin bei EY. Dasselbe gelte für die gestiegene Flexibilität. So arbeiten aufgrund der neuen digitalen Möglichkeiten insbesondere Führungskräfte, häufig wenn sie geschäftlich unterwegs sind, nach Feierabend und an den Wochenenden – ganz individuell nach persönlicher Präferenz und Erfordernis.

Den größten Nachteil der Arbeit im Homeoffice sehen die Befragten mit 54 Prozent im mangelnden Austausch mit Kollegen. Damit nennen sie einen wichtigen Punkt, der unbedingt bedacht werden sollte – insbesondere auch im Hinblick auf die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens. Denn laut zahlreichen Untersuchungen schafft die unmittelbare Zusammenarbeit Vertrauen, erleichtert den Austausch und ist daher besonders geeignet, um sich gegenseitig zu befruchten und kreative Lösungen zu entwickeln. „Zu empfehlen ist daher eine Strategie, die die Vorteile des Homeoffice nutzt und den potenziellen Nachteilen gezielt entgegenwirkt“, erklärt Personalexpertin Jacob.

Das könne zum Beispiel bedeuten, dass sich das gesamte Team an mindestens einem Tag gemeinsam im Büro einfindet. Einen wichtigen Gegenpol zur drohenden Funkstille zwischen den Mitarbeitern würden jedoch auch gut geplante Workshops und Abteilungsmeetings bilden. Da es insbesondere auch auf den unmittelbaren Austausch in Echtzeit ankomme, könnten auch virtuelle Konferenzen stark an Bedeutung gewinnen.

Zusammenspiel von Homeoffice und Arbeit vor Ort systematisch planen

Was die derzeitige Ausprägung der Heimarbeit betrifft: Von den Befragten, die im Homeoffice arbeiten, tut dies mehr als jeder zweite mehrmals pro Woche. Die Führungskräfte liegen dabei mit 65 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. Und auf die Frage, ob ihr Unternehmen funktionieren würde, wenn alle Mitarbeiter an unterschiedlichen Orten arbeiten würden, antworten 62 Prozent der Befragten zumindest mit "ja, teilweise". Nur eine Minderheit glaubt, dass ihr Unternehmen in diesem Fall nicht mehr erfolgreich wäre. Laut EY-Expertin Jacob bestätigen auch diese Zahlen die positive Einstellung der Mitarbeiter zur Heimarbeit. Berechtigt sei diese, wenn eine Firma den Einsatz ihrer Angestellten im Homeoffice systematisch und zum Vorteil aller Beteiligten plant.

Für die Studie "Digitale Freiheit - Arbeit im Homeoffice" wurden 800 Fach- und Führungskräfte aus verschiedenen Branchen sowie dem öffentlichen Dienst befragt. Die Umfrage erfolgte im Juli 2017.

Quelle: Ernst & Young Global Limited

(Foto: fotolia/Karin & Uwe Annas)