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Warum Arbeitgeber besonderen Wert auf die mentale Gesundheit legen sollten

Die Corona-Krise und der Fachkräftemangel: Für Arbeitgeber ist es in den vergangenen Monaten je nach Branche nicht leichter geworden, qualifizierte Mitarbeiter*innen zu finden. Im Gegenteil. Immer mehr Unternehmen versuchen deshalb mit attraktiven Corporate Benefits bei potenziellen Kandidaten – aber auch bei bestehenden Angestellten – zu punkten. Welche hier seit der Pandemie hoch im Kurs liegen und was vor allem der jungen Generation wichtig ist, weiß Dr. Anika Jansen vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA).

Zur Person:

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Dr. Anika Jansen ist Volkswirtin. Sie hat in Köln und Maastricht studiert und zum Thema duale Ausbildung promoviert - genauer gesagt zum Thema „betriebliche Anreize Ausbildungsplätze anzubieten“. Sie ist seit drei Jahren Economist beim Institut der deutschen Wirtschaft und betreut dort das Projekt „Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung“. Sie führt empirische Studien durch und entwickelt entsprechende Empfehlungen für die Personalarbeit von kleinen und mittleren Unternehmen auf wissenschaftlicher Basis.

HRP: Die Corona-Pandemie hat auch beim Thema Compensation and Benefits den Fokus verrückt. Welche Trends gibt es hier? Was ist vor allem der jungen Generation wichtig?

Anika Jansen: Nicht erst seit der Corona Pandemie wird die Welt, zumindest gefühlt, immer schnelllebiger und unsicherer. Die Sehnsucht nach Sicherheit wird größer. Gleichzeitig lassen sozialen Medien und die Transparenz im Internet Ansprüche an das eigene Leben und den Job steigen. Von dieser Ambivalenz ist vor allem die Generation Z geprägt.

Bei der jungen Generation Z, also diejenigen, die zwischen 1995 und 2010 geboren sind, stehen daher drei Werte ganz oben auf der Liste: Sicherheit, Selbstverwirklichung und Sinn. Die aktuelle Shell Jugendstudie, aber auch viele weitere Befragungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigen: Sicherheit ist für Jugendliche und junge Fachkräfte der wichtigste Wert, und das auch bei der Berufswahl. Sie suchen aber auch immer mehr den Sinn, in dem was sie tun. So sieht man bei der Shell-Jugendstudie den stärksten Werteanstieg zum Beispiel beim Thema Umweltbewusstsein (um 11 Prozentpunkte). Aber auch die Bereiche soziales und politisches Engagement sind im Vergleich zu den vorherigen Wellen gestiegen. Um auch außerhalb des Berufs genug Zeit zu haben, sich selbst verwirklichen zu können, ist darüber hinaus für die meisten jungen Fachkräfte eine gute Work-Life Balance relevant.

HRP: Was unterscheidet denn heutzutage einen attraktiven von einem unattraktiven Arbeitgeber?

Jansen: Junge Fachkräfte sind heute sehr selbstbewusst bei der Jobwahl und können dies auch zunehmend sein. Zwei von drei Fachkräften mit Berufsbildung gehen davon aus, dass sie sich ihre Stelle aussuchen können. Die Gratwanderung für Unternehmen bei der Ansprache von jungen Fachkräften besteht darin, ein spannender und moderner Arbeitgeber zu sein, der gleichzeitig Konstanz und Sicherheit verspricht und eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglicht.

Arbeitgeber, die diese Trends berücksichtigen und nach außen kommunizieren, können bei den Jugendlichen punkten. Dabei ist es wichtig für Unternehmen, authentisch und ehrlich zu bleiben. Außerdem bedeutet gute Personalarbeit nicht nur Personal zu finden, sondern es auch zu binden. Dabei ist es wichtig, den Mitarbeitern sinnhafte Aufgaben zu geben und Entwicklungsperspektiven, z.B. durch Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten. Auch eine vertrauensvolle Unternehmenskultur ist essenziell.

HRP: Haben sich hier durch die Pandemie die Wünsche von Arbeitnehmer*innen noch einmal prekär verändert? Welche Benefits stehen ganz oben auf der Wunschliste?

Jansen: Viele Werte, die zuletzt gerade jungen Fachkräften wichtig waren, sind durch die Corona-Pandemie für alle Altersgruppen in den Vordergrund gerückt, wie zum Beispiel der Fokus auf Freunde und Familie. Dazu gekommen ist vor allem der Bereich (mentale) Gesundheit. Das zeigen sowohl der deutsche Werte Index als auch eine Studie der Ad Alliance. Gerade bei jüngeren Menschen ist laut der vierten Wertestudie im Zuge der Corona-Krise der Wert "Freundschaft" noch mal wichtiger geworden.

Arbeitgeber, die eine gute Work-Life-Balance ermöglichen, zum Beispiel durch das Anbieten von Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten, und für ein gutes Gesundheitsmanagement sorgen, zum Beispiel durch das Anbieten von Fitnesskursen, können jetzt in der Pandemie besonders punkten. Nach der neuesten KOFA Studie zum Thema der strategischen Personalarbeit bieten bereits zwei von drei Arbeitgeber flexible Arbeitszeitmodelle an. Laut einer Befragung von Kienbaum und Kununu sind flexible Arbeitszeiten und Gesundheitsmaßnahmen für 90 bzw. 80 Prozent aller ArbeitnehmerInnen heute unerlässlich.

HRP: Frau Jansen, vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

Teaserfoto: © Adobe Stock/impro-studio

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