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In unsicheren Zeiten: Wohin mit den Sorgen am Arbeitsplatz? (Folge 2)

Serie: Gesund am Arbeitsplatz

Erst die Corona-Pandemie, jetzt der Krieg gegen die Ukraine: Viele Arbeitnehmende machen sich seit 2020 durchgehend Sorgen. Zunächst um ihre Gesundheit, dann um ihren Arbeitsplatz und jetzt um die globale Sicherheit. Die wenigsten dieser Ängste bleiben in den eigenen vier Wänden. Schließlich verbringen die meisten Menschen den Großteil ihrer Zeit an ihrem Arbeitsplatz. Wie also mit diesen Sorgen adäquat umgehen? Die HRP sprach dazu mit Patricia Lück, Diplom-Psychologin und Referentin für Betriebliche Gesundheitsförderung beim AOK-Bundesverband.

„Wichtig ist am Arbeitsplatz eine Kultur des Vertrauens“, sagt Patricia Lück. Ängste sollten im Arbeitsalltag durchaus Raum finden dürfen. Die Voraussetzung dafür: eine gewisse Team-Resilienz. „Ein gutes Team sorgt dafür, dass ich mich als Arbeitnehmer durch den persönlichen Kontakt und die gute Kommunikationskultur an meinem Arbeitsplatz wohlfühle.“ Ein respektvoller Umgang untereinander, Empathie und ein offenes Ohr einer Vertrauensperson, sind in den Augen der Expertin die beste Prävention. „Gerade die Führungskraft kann dazu beitragen. Zum Beispiel, indem sie bei einem wöchentlichen Meeting erfragt, wie es dem Einzelnen im Team geht. Ob da etwas ist, bei dem Unterstützung gewünscht wird“, meint die Psychologin.

Statt sich ohnmächtig zu fühlen: als Unternehmen aktiv werden

Nicht in der Schockstarre verharren, sondern in Krisenzeiten aktiv werden, lautet der Tipp der Expertin: „Viele Unternehmen haben gerade jetzt bei dem Krieg gegen die Ukraine reagiert. Sie haben ihren Mitarbeitenden beispielsweise einen Tag frei gegeben, um sich zu engagieren. Oder gemeinsam Spenden gesammelt.“ Wer das Gefühl hat, selbst etwas bewirken zu können, fühle sich weniger ohnmächtig, so die Erfahrung der Psychologin. „Und dabei können Unternehmen ja auch durchaus kreativ werden. Manchmal eignet sich sogar das eigene Produktportfolio, um Geflüchteten zu helfen.“

Positive Emotionen am Arbeitsplatz pflegen

Nicht nur in Krisen sei es wichtig, positive Emotionen zu pflegen. „Dazu zählt, sich gegenseitig zu fragen, worüber man sich gerade freut.“ Dankbar zu sein. Sich beispielsweise bewusst zu machen, wie die eigenen Stärken täglich zum Erfolg des Unternehmens beitragen. „Wichtig ist, dass wir nicht in einer Jammerkultur verharren“, rät Lück. Zu viele negative Nachrichten zu konsumieren, führt auch zu Trauer und anderen unangenehmen Emotionen. „Hier empfehle ich jedem einzelnen, sich zwar gezielt zu informieren aber nicht ständig von schlechten Nachrichten in den Medien fluten zu lassen“, so die AOK-Expertin. 

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Hier geht's zu Folge 1 der Artikelreihe.

 

Fotos: Lück; AdobeStock/ViDi Studio