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Equal Pay Day: Lohnlücke zwischen Männern und Frauen klafft weiterhin

Heute, Montag, ist Equal Pay Day. Bis zu diesem Datum arbeiten Frauen quasi „kostenlos“, während Männer bereits ab dem ersten Tag im Jahr Geld verdienen. Der Equal Pay Day macht auf die geschlechterspezifische Lohnlücke, die es in Deutschland nach wie vor gibt, aufmerksam. Im Vergleich zum vergangenen Jahr gibt es bereits kleine Fortschritte: 2021 war der Tag am 10. März. Doch bis Frauen und Männer gleich entlohnt werden und der Equal Pay Day damit auf den 1. Januar rutscht, ist es noch ein weiter Weg. Anders bei Studierenden: Hier liegt der Equal Pay Day bereits auf dem 02. Januar.

Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frau im Durchschnitt deutschlandweit 18 Prozent weniger als Männer. Die Gründe für die Lohnlücke sind vielschichtig: Frauen wählen andere Berufe als Männer. Sie arbeiten häufiger in sozialen oder personennahen Dienstleistungen, die schlechter bezahlt werden als beispielsweise technische Berufe. Insbesondere die (längere) familienbedingte Erwerbsunterbrechung und der anschließende Wiedereinstieg in Teilzeit und Minijobs sind ein Grund: 47 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen arbeiten in Teilzeit. Knapp 62 Prozent aller sogenannten Minijobs werden von Frauen ausgeübt.

Zudem haben Frauen noch immer schlechtere Karrierechancen: Frauen sind in Führungspositionen, besonders in Spitzenpositionen, unterrepräsentiert. Führungspositionen werden kaum in Teilzeit besetzt. Auch Rollenstereotype und geschlechtsspezifische Zuschreibungen wirken bei der Arbeitsbewertung, Leistungsfeststellung oder Stellenbesetzung noch immer nach und können zu zumeist indirekter Benachteiligung und mittelbarer Diskriminierung führen.

Kaum eine Lohnlücke bei Studierenden – das ändert sich beim Berufseinstieg

Anders ist das bei Studierenden. Studentinnen und Studenten verdienen im Schnitt in ihren Jobs nahezu gleich viel (0,6 Prozent Unterschied). Diese Ergebnisse gehen aus der Fachkraft 2030 Studienreihe hervor, die die digitale Plattform jobvalley gemeinsam mit dem Department of Labour Economics der Maastricht University seit zehn Jahren gemeinsam erarbeitet. Bis heute haben deutschlandweit über 360.000 Studierende und Absolventen an den Befragungen teilgenommen.

Studentinnen erwarten häufiger weniger Gehalt als Studenten

Gibt es im Studium kaum ein Lohngefälle, ändert sich das beim Übergang in den Beruf. Nach dem Studium klafft plötzlich eine reale Lohnlücke. Hinzu kommt, dass Studentinnen weniger Gehalt als Studenten erwarten – obwohl sie das gleiche Studienfach belegt haben und in derselben Zielbranche arbeiten wollen. Es geht hier also nicht um Lohnunterschiede wegen schlechter bezahlten Arbeitsbereichen oder Branchen.

„Diese Zahlen unterstreichen meine Empfehlung: Frauen sollten bei der eigenen Gehaltserwartung generell etwas höher ansetzen und damit den Männern gleichziehen. Den eigenen Wert nicht unterschätzen, selbstbewusst in Verhandlungen gehen – ein wichtiger Tipp für Frauen, egal ob zum Berufseinstieg oder mit 20 Jahren Berufserfahrung“, meint Petra Ehrhard, VP Marketing jobvalley.

Schaden Frauen ihre Eigenschaften wie Selbstreflexion und Zurückhaltung?

Das Problem dabei in Ehrhards Augen: „Diese Tipps kaschieren die systemische Komponente der geschlechtsspezifischen Diskriminierung. Es liegt eben nicht allein in der Hand der Frauen, die Welt zu ändern. Meine Erfahrung zeigt mir: Frauen sind im Berufsleben selbstkritischer, legen mehr überlegte Zurückhaltung und Reflexion an den Tag – Eigenschaften, die tatsächlich oft von Vorteil sind, die aber im übersteigertem Maß schaden. Diese Übersteigerung ist anerzogen, findet den Ursprung in gesellschaftlichen Erwartungen und falschen Rollenbildern – es gilt also das Problem an der Wurzel zu packen, statt Symptome zu bekämpfen und alleinig Frauen eine Verhaltensänderung zu verschreiben.”

Quelle: BMFSFJ, Jobvalley

Teaserfoto: © Adobe Stock/Nito