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Betriebliche Altersvorsorge: ein Gewinn für alle Beteiligten?

Eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) - ja oder nein? Mitarbeiter*innen haben zu dem Thema oftmals viele Fragen, bevor sie eine etwaige Versicherung abschließen. Erster Adressat ist in der Regel die Personalabteilung. Allen voran der oder die Entgeltabrechner*in.

Alessandro Di Filippo ist Versicherungsfachwirt. Er weiß, worauf es bei der Wahl der richtigen Police ankommt.  

 

HRP: Herr Di Filippo, welchen Nutzen können Unternehmen aus der bAV ziehen und warum lohnt sie sich aus Arbeitgebersicht?

Alessandro Di Filippo: Die bAV bringt definitiv einiges mit, was sie für Betriebe interessant macht. Neben der grundsätzlichen Erfüllung gesetzlicher Vorschriften spielen meiner Meinung nach der Imagegewinn sowie das Übernehmen sozialer Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeitern eine zentrale Rolle. Das Thema Rente und die daraus resultierende zusätzlich notwendige Vorsorge für später ist ein Thema, das jeden betrifft. Hier können Arbeitgeber also vieles richtigmachen.

 

HRP: Richtigmachen ist ein gutes Stichwort. Dabei kommt es ja auch auf die Wahl des richtigen Versicherungsanbieters, sprich Kooperationspartner an. Worauf sollten Betriebe hier achten? 

Di Filippo: Grundsätzlich gibt es nicht diesen einen wichtigen Punkt. Das Gesamtpaket entscheidet. Ein Versicherungsunternehmen an sich sollte eine sehr gute Substanzkraft besitzen, um langfristige Versprechen im Rahmen der bAV erfüllen zu können. Für kleinere und mittelständische Betriebe spielt zudem auch der Ansprechpartner eine wichtige Rolle. Ob dieser vor Ort oder digital ist dabei nicht kriegsentscheidend. Wichtig ist, dass er gut erreichbar ist, um das komplexe Thema in allen Punkten richtig in den betrieblichen Ablauf integrieren zu können.

 

HRP: Mitarbeiter*innen haben vor dem Abschluss einer bAV in der Regel viele Fragen. Vorweg: Lohnt sich eine bAV überhaupt aus Mitarbeiter*innen-Sicht?  Wie lautet hier Ihre Einschätzung?

Di Filippo: Defintiv! Sich selbst um seine Altersvorsorge zu kümmern, war noch nie wichtiger.

 

HRP: Können Sie das konkretisieren?

Di Filippo: Die Altersrente - sprich die gesetzliche Rente - entspricht nicht dem Niveau des derzeitigen Einkommens. Ein Blick in die eigene Renteninformation gibt hier ja jedem Aufschluss, wie es aktuell bei ihm oder ihr aussieht. Diese Lücke gehört bestmöglich geschlossen. Und die bAV per se bietet hierfür vielfältigste Möglichkeiten an.

 

HRP: Welche Vorteile gibt es also? 

Di Filippo: Der größte Vorteil ist sicher das Umwandeln von Gehaltsanteilen, die direkt vom Bruttolohn abgezogen werden. Zusammen mit den verpflichtenden - sowie oftmals zusätzlich freiwilligen - Zuschüssen der Arbeitgeber kann bereits mit minimalen Aufwand ein ordentlicher Beitrag für die eigene Altersvorsorge entstehen. Der Vorteil: Die Mitarbeiter*innen bekommen davon auf ihrer monatlichen Nettolohnabrechnung in der Regel wenig zu spüren bzw. viel weniger zu spüren, als tatsächlich umgewandelt wird.
Neben dem Kapitalaufbau fürs Alter kann beispielsweise die Berufsunfähigkeit in der bAV mitversichert werden. Ab einer gewissen Mitarbeiterzahl bieten Versicherer auch oftmals Lösungen mit sehr einfachen Gesundheitsfragen an. Hier finden sich dann auch Absicherungsmöglichkeiten für Mitarbeiter, die außerhalb solcher Konzepte keinen vollwertigen oder überhaupt Schutz erhalten können.

 

HRP: Gibt es in Ihren Augen auch Nachteile?

Di Filippo: Durch die Umwandlung von Gehaltsanteilen aus dem Bruttolohn werden weniger Beiträge in die gesetzliche Rente einbezahlt. Das hat zur Folge, dass diese etwas sinkt. Dieser Nachteil sollte aber durch die bAV sehr gut ausgleichbar sein. Die bAV unterliegt in der Auszahlungsphase der Steuerpflicht. Und für Gesetzlich Krankenversicherte werden noch zusätzlich die Sozialabgaben fällig.

 

HRP: Worauf sollten Mitarbeiter*innen beim Abschluss einer bAV unbedingt achten? 

Di Filippo: Mitarbeiter*innen haben meist ja relativ wenig Einfluss auf die Ausgestaltung der bAV an sich. Jeder Mitarbeitende sollte sich aber auf jeden Fall individuell beraten lassen, um sich alle wichtigen Infos zur bAV einzuholen. Nur so können die Auswirkungen in der Gegenwart und der Zukunft richtig verstanden werden. Klärungsbedarf gibt es beispielsweise bei diesen Sachverhalten: Wie viel kann maximal umgewandelt werden? Wie sieht es mit der späteren Auszahlung bzgl. Besteuerung und Krankenversicherungsabgaben aus? Gibt es die Auszahlung als Rente oder als Einmalauszahlung? Und so weiter. Oftmals sind es genau diese Themen, die später zu Ärger führen, da eine solide Beratung nicht stattgefunden hat.

 

HRP: Wie viel sollten Arbeitnehmer mindestens einzahlen monatlich? Gibt es hier eine Faustregel? 

Di Filippo: Die gibt es leider nicht. Die bAV ist eine sehr individuelle Sache. Es gilt verschiedenste Parameter zu klären und zu beachten. Beispielsweise: Auf wie viel des Gehalts kann verzichtet werden? Wie viel legt ggf. der Arbeitgeber neben gesetzlicher Bestimmungen oben drauf? Und so weiter.

 

HRP: Lassen sich bei einem Unternehmenswechsel Verträge in der Regel leicht mitnehmen? 

Di Filippo: Natürlich können bei einem Arbeitgeberwechsel die Verträge grundsätzlich mitgenommen werden. Hier gilt es aber unterschiedliches zu beachten. Denn letztlich entscheidet der neue Betrieb, mit wem er zusammenarbeitet.

 

HRP: Ihr Fazit?

Di Filippo: Schlussendlich bleibt zu sagen, dass die bAV definitiv für alle Seiten große Vorteile bietet. Wer sich vernünftig mit dem Thema beschäftigt, wird auch die Stärken der staatlich geförderten Altersvorsorge sehr schnell erkennen und für sich nutzen, egal auf welcher Seite.

 

HRP: Herr Di Filippo, vielen Dank für das Gespräch.

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Foto: © Alessandro Di Filippo 

 

Das Interview führte Philipp R. Kinzel.

 

 

Teaserfoto: © Adobe Stock/MH