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Best Practice für lebenslanges Lernen: Mit den Neugierigen vorangehen

Dekarbonisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen. „Eine Kultur des lebenslangen Lernens trägt dazu bei, sie zu meistern“, davon ist Martina Waldner überzeugt. Als Senior Program Consultant der HECTOR School of Engineering & Management, der Technology Business School des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), ist sie Teil des Teams, das den Online-Kongress „Lifelong Learning Summit“ am 20. Mai 2022 organisiert.

Unternehmen wie etwa Rolls-Royce Power Systems berichten dort von ihren Erfahrungen mit maßgeschneiderten Weiterqualifizierungen ihrer Fachkräfte in Kooperation mit der HECTOR School. „Unsere ingenieurswissenschaftliche Expertise in den Bereichen E-Mobilität, erneuerbare Energien und Digitalisierung unterstützt Unternehmen und Mitarbeitende dabei, die Transformation zu gestalten und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, sagt Waldner.

Eine Bewegung kreieren und konkrete Stellen anbieten

Als Leuchtturmprojekt betrachtet Rolls-Royce Power Systems die im Frühjahr 2019 begonnene Transferqualifizierung von Maschinenbau-Ingenieurinnen und Ingenieuren. Mit der strategischen Neuausrichtung des Motorenherstellers zum Systemanbieter werden neue Kompetenzen vor allem in den Bereichen Systems Engineering sowie Elektronik und Elektrotechnik benötigt. „Wir haben uns entschieden, die Potenziale unserer hochqualifizierten Fachkräfte zu nutzen und sie zusammen mit der HECTOR School passgenau für die neuen Aufgaben weiterzuentwickeln“, berichtet Martin Urban, Executive Vice President Engineering bei Rolls-Royce Power Systems. Damit entstehen Zukunftsperspektiven sowohl fürs Unternehmen als auch für die Mitarbeitenden. Wie gut das gelingt, hängt nach Urbans Erfahrungen von einigen Faktoren ab: „Man muss eine Vision haben, die Weiterbildung in eine Gesamtstrategie einbetten und eine Bewegung kreieren. Wir setzen zudem auf Freiwilligkeit – das lockt die Neugierigen und intrinsisch Motivierten an. Und ganz wichtig: Wir bieten den Interessenten ganz konkrete Stellen an. Denn sie treten eine Reise an und wollen wissen, wohin es geht. Das gibt Sicherheit und stärkt das Vertrauen.“

Inzwischen haben rund 100 Mitarbeitende das Angebot genutzt und in ihre neuen Rollen gefunden. Beispielweise entwickeln Ingenieure, die zuvor klassische Motoren gebaut haben, jetzt im Bereich Systems Engineering lokale Energienetze, sogenannte Microgrids. Oder Komponentenentwickler für Dieselmotoren arbeiten nun an hybriden Antrieben für den Schienenverkehr. Kürzlich fiel der Startschuss für die dritte Qualifizierungsrunde. „Wieder zu lernen ist zwar anstrengend, aber es macht viel Spaß – das hören wir quasi unisono von unseren Teilnehmenden“, berichtet Urban. „Sie wollen Teil der Transformation sein. Und wer im lebenslangen Lernen verankert ist, kann mit Veränderungen umgehen.“ Auch der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen in der Weiterbildung sowie der Blick über den Tellerrand werde sehr geschätzt, ergänzt Nico Jäckel, Head of Marketing & Sales an der HECTOR School.

Weiße Felder auf der Wissenslandkarte besetzen

Die HECTOR School hat einen Drei-Phasen-Ansatz entwickelt. Nach der Basisqualifizierung absolvieren einige Teilnehmende eine Vertiefung mit weiterer Spezialisierung. Daran kann sich noch ein Master-Studium anschließen. „Wir stärken interdisziplinäres Denken und Arbeiten und verknüpfen die Wissensvermittlung eng mit der praktischen Anwendung“, erläutert Jäckel. Daher geht es auch in die Labore des KIT und es werden Case Studies durchgeführt. Bei der Verankerung der erworbenen Kompetenzen im Unternehmen sind die Fachbereiche und HR-Abteilungen stark gefragt. Ebenso zu Beginn eines Qualifizierungsprogramms: Die Bedarfe im Unternehmen – häufig in den Bereichen Elektrifizierung und Digitalisierung – sollten genau identifiziert werden. „Diese weißen Felder auf der Wissenslandkarte werden dann mit den passenden Lehreinheiten besetzt“, erläutert Nico Jäckel. Wichtig für den Erfolg ist aus seiner Erfahrung auch, den Mitarbeitenden gut zu erklären, wie die Qualifizierung genau abläuft und was man damit erreichen will. Außerdem sollte das Management ein solches Qualifizierungsprogramm sichtbar unterstützen und begleiten – das zeigt die Relevanz der Qualifizierung für die Mitarbeitenden sowie das Unternehmen und ermöglicht die strategische Einordnung.   

Wie Rolls-Royce Power Systems das erfolgreich umgesetzt hat, zeigt Martin Urban beim Lifelong Learning Summit am 20. Mai 2022. Der Kongress richtet sich an Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen und Institutionen, die ihr Unternehmen und ihre Mitarbeitenden zukunftsfest aufstellen wollen. Von 9:15 bis 12:30 Uhr stellen Experten aus Industrie und Universität praktikable Konzepte für eine Kultur des lebenslangen Lernens vor. Die Teilnahme ist kostenfrei. Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.hectorschool.kit.edu/anmeldung-2022.php

Quelle: HECTOR School of Engineering & Management

Foto: AdobeStock/tomertu