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Bedingungsloses Grundeinkommen

Der Verein „Mein Grundeinkommen“ verlost seit Jahren spendenfinanzierte Grundeinkommen von 1.000,– Euro monatlich für den Zeitraum von einem Jahr. Die Erfahrungsberichte, die die Gewinner an das Team von „Mein Grundeinkommen“ senden, zeigen, dass die Menschen keineswegs faul wurden, sondern vielmehr aufblühten. Sie lebten gesünder, bildeten sich weiter oder gründeten sogar eigene Unternehmen.

Die Idee und die Diskussion sind nicht neu. Die Sensation ist jedoch die Zahl der 1,5 Millionen Bewerber, die sich in den ersten 6 Tagen für die Teilnahme am neuen Pilotprojekt registriert haben. In einem umfassenden Studienprojekt möchte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Kooperation mit dem Verein „Mein Grundeinkommen“, dem Max-Planck-Institut und der Universität Köln das Rätsel lüften. Aus der großen Zahl der Bewerber werden im nächsten Schritt 120 Personen ausgewählt, die über einen Zeitraum von drei Jahren ein Grundeinkommen von 1.200,– Euro monatlich erhalten. Details dazu finden Sie auf der Homepage des genannten Instituts.

Was möchten Sie wirklich arbeiten?

Diese Frage hatte der Philosoph Fritjof Bergmann schon vor 45 Jahren den arbeitslos gewordenen Beschäftigten der Automobilindustrie im Raum Detroit immer und immer wieder gestellt. In diesem Zusammenhang schuf er den Begriff „New Work“. Auf YouTube finden Sie dazu übrigens sehr gute Interviews mit ihm.

Die Gewinner des Grundeinkommens haben jetzt die Chance, wirklich das zu machen, was ihr Wunsch ist. Es lohnt sich aber, zu hinterfragen, warum sich 1,5 Millionen Menschen innerhalb weniger Tage für diese Möglichkeit beworben haben. Eine Annahme könnte lauten, das viele Menschen mit ihrer gegenwärtigen Arbeit nicht zufrieden sind, geschweige den glücklich. Noch fehlen die Beweise. Da lohnt es sich, im Bekanntenkreis nachzufragen. Die Begeisterung für abhängige Beschäftigung hält sich in Grenzen und schwindet von Generation zu Generation. Darüber sollten wir alle intensiver nachdenken. Viele nutzen dafür schon die Gelegenheit im Homeoffice.

Es heißt, das Grundeinkommen macht gesünder, gebildeter und mutiger. Vielleicht gilt das eines Tages auch für Mobile Work. Unternehmen stellen bereits fest, dass die Loyalität und die Bindung der Mitarbeiter im Homeoffice zum Unternehmen schwindet. Das verändert mittelfristig die Arbeitslandschaft noch mehr als Corona. Eine Home-Office-Studie der IUBH International Hochschule zeigt:

-        50 Prozent der Deutschen wünschen sich ein Recht auf Homeoffice.

-        Über 70 Prozent arbeiten gern zu Hause.

-        Jeder zweite fühlt sich im Homeoffice energiegeladener und ausgeglichener.

-        60 Prozent vermissen den Austausch mit Kollegen.

 

Die Arbeitswelt der Industriegesellschaft hat in der Wissensgesellschaft ausgedient

Jetzt müssen wir die Arbeitswelt der Zukunft gestalten. Noch lehnt Finanzminister Scholz das Grundeinkommen strikt ab. Jahrelang wurde nur diskutiert. Jetzt wird es jedoch wissenschaftlich angepackt. Auch die Arbeitszeitverkürzung galt jahrelang als Tabuthema. Jetzt finden Unternehmen wie Bosch plötzlich gute Lösungen. Und es geht weiter. Wir brauchen viele Pilotprojekte, um die Veränderungen anzustoßen und umzusetzen. Wir brauchen neue Dienstleistungen und steuerliche Modelle für die Mobile-Worker-Welt. Wir brauchen intelligentere Plattformen zum Informieren, Kommunizieren, Kreativ-sein und für Begegnungen.

Laut ZEW in Mannheim fürchtet ein Drittel der derzeitigen Kurzarbeiter um ihren Arbeitsplatz. Die Ängste sind berechtigt und die Betriebe müssen nach Antworten suchen. Dazu sollten sich Unternehmen vernetzen und gemeinsam mit den Betroffenen Antworten suchen. Was wollen die Menschen wirklich arbeiten? In drei Jahren wissen wir mehr. Bis dahin hat sich hoffentlich auch die Stimmung wieder gedreht.

Franz Langecker
Chefredakteur der HR Performance