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"Außen Weltkonzern - Innen Würstlbude“ geht nicht mehr

Interview mit Lisa Mellinghoff und Viktor Gilz von Suite&Co

HRP: Was sind aus Ihrer Sicht die Recruiting- und Employer-Branding-Trends 2018?
Wenn man über (Recruiting- und Employer-Branding-) Trends spricht, muss man erstmal festhalten, dass man dann darüber spricht, was sich gerade so tut oder abzeichnet in diesem Bereich.

Dann scheint einerseits klar definiert: Daten, Tech und Digitalisierung. Für uns und immer mehr Experten ist das aber weniger relevant. Wir glauben nicht an den Tech-Hype als General-Lösung für alles.

Wir beschäftigen uns vor allem mit dem Menschen und ihm als Teil von Institutionen und den Implikationen, die diese Trends auf ihn haben. Für uns stehen der Menschen und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt. Und die Frage, was für ihn getan werden kann.

Der Markt hat sich gedreht. Wir haben keinen Arbeitgebermarkt mehr, sondern einen Arbeitnehmermarkt. Das heißt auch, dass kein Branding gebraucht wird, sondern ein Bonding. Wir sprechen deshalb von Employer Bonding. Es reicht nicht mehr etwas darzustellen, man muss sich verbinden, echt sein. Mehr Sein als Schein ist das Motto. "Außen Weltkonzern - Innen Würstlbude“ geht nicht mehr.

HRP: Welche Leistungen und Services erwarten Bewerber von einem potenziellen Arbeitgeber? Gibt es hier aktuelle Trends?

Generell wird immer mehr erwartet und das ist der heutigen Transparenz geschuldet. Die großen Transparenzmacher Google, Facebook & Co zeigen aber auch, wie ein absolutes Denken "pro Mitarbeiter" erfolgreich sein kann. Sie sind Pioniere, was Unternehmenskultur und Angebote angeht, die dem Mitarbeiter das Leben leichter machen.

Sie tun alles, damit die Menschen einen freien Kopf haben, dass die Arbeit Spaß macht und sie sich konzentrieren und freuen können. Speziell Deutschland hält da noch Dornröschenschlaf. Deutsche Arbeitskultur, die von Disziplin getrieben ist, hat es da natürlich auch schwer. Aber es tut sich langsam was, die ersten Unternehmen sind aufgewacht.

HRP: Wie können Unternehmen sicherstellen, dass der Arbeitsplatz bestmöglich zum neuen Mitarbeiter passt?

Klingt vielleicht abwegig, aber zuallererst erst muss man sich mit der eigenen Führung und Führungsriege beschäftigen. Wenn die nicht menschlich auf Augenhöhe agiert, wird kein Arbeitsplatz je zu einem Mitarbeiter passen. Der Fisch stinkt vom Kopf her.

Dies hat viel mit Persönlichkeit und Individualität zu tun. Die muss sowohl in der Führung als auch in jedem potentiellen Mitarbeiter geachtet werden. Der Mensch dahinter ist der Maßstab. Es geht also nicht prinzipiell um die Arbeitskraft. Wenn man das in die Firmenkultur einbindet, kann man nur gewinnen. Wir sagen unseren Kunden immer: Good people attract good people and good people are good business. Good business is success.

HRP: Wie wichtig ist dem neuen Mitarbeiter sein neues Umfeld nach einem Wohnortwechsel?

Sehr wichtig, auch wenn vielleicht erst unbewusst. Machen wir kurz einen Streifzug in die Anthropologie: In unserem tiefsten Inneren wirkt immer noch der Höhlenmensch. Als solcher suchen wir permanent nach Schutz, Geborgenheit und Gesellschaft.

Auch Topmanager sehnen sich danach. Wir Menschen sind soziale Wesen. Es ist Teil unserer DNA.

Daher gilt das gleiche am Arbeitsplatz als auch im Privatleben: Die Umgebung muss langfristig stimmen, ohne nachteilig auf uns zu wirken. Diesen Ansatz verfolgen wir bei Suite&Co, indem wir Unternehmen entsprechend beraten und ihnen beispielsweise dabei helfen, Topkräfte für ihr Unternehmen über das Thema Wohnung und Leben zu finden und zu binden.

HRP: Was können auch ungewohnte Wege sein, neue Mitarbeiter zu finden?

Das Wort „ungewohnt“ sagt eigentlich schon alles. Unternehmen müssen (für sie) ungewohnte Situationen suchen. Ihr unternehmerischeres Terrain verlassen. Über den eigenen Tellerrand schauen. Hin zum Mitarbeiter bzw Mensch.

Es ist wie beim Kunden – lösen Sie Probleme und geben Sie ihm etwas, das er nirgendwo anders bekommt! Angebote wie Fitnesstrainer etc. sind nur der Anfang, da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Andersartigkeit bringt Aufmerksamkeit. Ungezwungenheit, Offenheit und Lockerheit sind für uns weitere Schlagwörter.Die jungen Generationen wollen einen anderen Zugang zu Firmen. Es muss menschlicher werden. Formloses Kennenlernen im Café oder Netzwerken auf firmenfernen Veranstaltungen. Firmen müssen auch in HR wieder das „Humane“ installieren. Letztlich wird ein Geschäft immer von Mensch zu Mensch gemacht. Da helfen Videobewerbungen und Chatbots nur bedingt.

HRP: Vielen Dank für das Gespräch.

 

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