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Leidenschaft für HR erleben

Fast konnte man ein kollektives Aufatmen in den beiden Messehallen spüren. Die Besucher schienen sich gut vorbereitet zu haben. Ein Nachbericht unseres Chefredakteurs zur Zukunft Personal Europe 2022.

5 Min. Lesezeit

Der Besuch auf der Messe Zukunft Personal Europe in Köln erwies sich als Highlight für Besucher und Aussteller. Nach dem „Geisterspiel“ in den Messehallen 2020 wollten einige der Stammaussteller kein Risiko eingehen und blieben zu Hause. Trotzdem präsentierten sich mehr als 500 Aussteller. Und die Besucher strömten 3 Tage in die Hallen. Selten zuvor waren die die Vortrags- und Kommunikationsangebote so intensiv und durchgängig genutzt worden, wie in diesem Jahr.

Auf 17 Bühnen pulsierte das Leben.  Und die 550 Präsentationen waren durchgängig gefüllt. Selbst am Donnerstagnachmittag nutzten nach 15:00 Uhr viele Besucher noch die Möglichkeiten sich beispielsweise über den „Recruiter 2030“ zu informieren. Wolfgang Brickwedde, Director – ICR Institute for Competitive Recruiting, fasste seine Erfahrungen und Projektionen für einen Blick in die Zukunft zusammen. Der Recruiter 1.0, den wir heute noch weitgehend als Administrator erleben, wandelt sich zum Berater und Verkäufer 2.0. Er berät HR und wirkt aktiv mit bei der Gestaltung des Jobprofils. Er erstellt eine performance-orientierte Stellenausschreibung und sucht aktiv in allen zielgruppenadäquaten Kanälen. Dank seiner tiefen Erkenntnis der zu besetzenden Positionen kann er mitgestalten. Die Nutzung eignungsdiagnostischer Kenntnisse beim Abgleich der Erfordernisse und Qualifikationen gehört zukünftig zum Alltag. Er pflegt den Dialog mit den Bewerbern und kann überzeugen. Kein Wunder, dass der Recruiter 2030 als Experte anerkannt und als Berater bei HR geschätzt sein wird.

Messe als Informations-, Kommunikations- und Lernplattformen

Fast konnte man ein kollektives Aufatmen in den beiden Messehallen spüren. Die Besucher schienen sich gut vorbereitet zu haben. Schon frühmorgens steuerten sie zielstrebig die Vortragsbühnen und Foren an. Bei allen möglichen Themen herrschte Nachholbedarf. Selbst die Aussteller waren erstaunt, wie konkret vorbereitet die Besucher an den Ständen nachfassten. Nach zwei Jahren Pandemie wissen viele HR-Verantwortliche sehr genau, was ihnen fehlt. Als DATAKONTEXT vor fast 25 Jahren die erste Messe Personal mit ins Leben rief, kamen die etwa 70 Aussteller komplett aus der Szene Hard- und Software. Damals war die Digitalisierung für HR noch weitgehend Neuland. Heute kennt man sich aus. Die Digital Natives sind im Unternehmen angekommen. HR weiß vermutlich, was der Markt bietet und was gut für das Unternehmen sein könnte. Während damals die Digitalisierung das vorherrschende Thema war, gab es dieses Jahr 500 Aussteller und 550 gefühlte Themen. Es wäre zweifellos interessant, einmal die Aussteller, die Besucher und die Vorträge von einer KI auswerten zu lassen. Was bewegte die Menschen? War es das Thema Recruiting? Aus dem Fachkräftemangel von Gestern ist ein Arbeitskräftemangel geworden. Und die Welt des Recruitings umfasst heute Themen wie Talent-, Bindungs- und Gesundheitsmanagement. Dabei geht es um Nachhaltigkeit, Werte und um die Klimadiskussion. Im Recruiting fokussiert sich heute die Kultur des Unternehmens. Falsche Versprechen können teuer werden. Deshalb sind Glaubwürdigkeit und ein transparentes Employer Branding gefragt. Die Welt des Recruitings ist in den letzten 15 Jahren kontinuierlich gewachsen. Wer will, kann inzwischen viel von den Profis der Szene lernen. Und diese Spezialisten nutzten die Messe als Plattform für ihre Karrieren und Botschaften. Die Zukunft Personal sorgt so für die Connectivity. Längst haben die Recruiter ihre eigenen Events und Plattformen geschaffen. Dort tauschen sie sich aus. Dort kennt man sich. Aber die ZPE in Köln ist und bleibt ihre größte Bühne.

Es wird wieder mehr über den Menschen gesprochen

Auf den Messen vor der Pandemie bildeten die Aussteller und Besucher rund um die Themen Gesundheit und Wohlbefinden weitgehend eigenständige Einheiten. Dieses Mal spielte das ganze Thema Gesundheitsmanagement in Köln keine Sonderrolle mehr. Es zog sich durch die Hallen und durch viele Vorträge. Health Management ist in den Unternehmen angekommen und wird ernst genommen. Ein erfolgreicher langjähriger SAP/HR-Berater erzählte mir, dass er vor kurzem das Beratungsunternehmen gewechselt hat. Er hatte gerade begonnen, sich in die neuen Projekte einzuarbeiten, da musste er wegen eines Wasserrohrbruchs 9 Monate aus seiner Wohnung ausziehen. Als alles fertig war, streckte ihn Corona nieder. Danach konnte er nicht mehr an seine alte Leistungsfähigkeit anknüpfen. Nach Rücksprache mit dem Chef hat dieser ihn sofort 4 Wochen in den Erholungsurlaub gesandt. Mit der Pandemie hat eine neue Sensibilität für Gesundheit Einzug gehalten in den Unternehmen. Corona trifft den Chef genauso wie die Aushilfskraft. Was vor Jahren mit Sport und Fitness im Unternehmen begann, hat das Thema Gesundheit salonfähig gemacht. Doch der körperlichen Fitness kommt inzwischen eher eine Nebenrolle zu. Das Thema Mental Health holt stark auf. Niemand wünscht sich einen Burn-Out. Trotzdem spüren viele, dass sie nicht weit davon entfernt sind. Die Erschöpfungssyndrome sind vielfältig und wir beginnen gerade die die nötige Awareness dafür aufzubauen. Die privaten und betrieblichen Belastungen fordern ihren Preis. Das wollen viele nicht wahrhaben. Vielleicht gönnen wir uns zu wenig Schlaf? Ein „Schlafforscher“ verkündete auf der Messe, dass wir zu viel schlafen, aber zu wenig Tiefschlaf haben. Neue Fragen und neue Antworten, die Zweifel erlauben, aber zum Denken anregen.

Die Moderatoren und Betreuer der Bühnen und Foren erlebten eine bisher nie gekannte Diskussionsintensität. Viele Gespräche mit den Referenten endeten im kleinen Kreis danach. So gingen ihrer Meinung nach viele interessante Erfahrungen und Botschaften für die „Zukunft“ verloren. „Hey Siri – wie sieht die Personalarbeit im Jahre 2035 aus?“: Diese Frage stand im Mittelpunkt einer erlebenswerten Präsentation von Dirk Linn (p-manent consulting GmbH) und Lars Börgeling (CEGID – Talentsoft). Dirk Linn erzählte aus seinem Leben im Personalmanagement des Jahres 2035. Viele Ideen und Visionen von heute sind morgen schon Wirklichkeit. Systeme nehmen uns viel Arbeit ab. Wir bewegen uns in Metaräumen. Dort arbeiten wir über Grenzen hinweg an gemeinsamen Projekten, lernen in virtuellen Situationen und nutzen überall im Alltag auch KI. Mit dem Chip im Auge sind die früheren Geräte um uns herum zu einem Teil von uns selbst geworden.

Die Messemacher, die Aussteller, die Vortragenden und die Besucher strahlten eine unglaubliche HR-Leidenschaft aus. Alle wollten etwas nachholen. HR steckt in einer tiefen Transformation. Da lohnt es sich, dabei zu bleiben. Und wer jetzt glaubt, etwas versäumt zu haben, kann vieles auf dem Portal der Messe, bei den Referenten und Ausstellern nachholen.

Mit den besten Wünschen

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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