Kundenservice Veranstaltungen: 02234-9894940
Kundenservice Bücher: 089-21837921
Aboservice Zeitschriften: 089-21837110

Jobwechsel: Wie finde ich endlich meinen Traumjob?

Mögen Sie eigentlich Ihren Job? Und wenn ja, wie sehr? Sagen wir auf einer Skala von 1-10 … 10 ist: Top! Alles richtig gemacht. Es könnte gar nicht besser sein! Die Aufgaben machen Spaß, die Firma ist ein Traum und der Chef ein Engel. Natürlich sind auch die Kollegen nur von der besten Sorte. Die Eins stellt das Gegenteil auf der Bewertungsskala dar. Mit anderen Worten: bewundernswert, wenn Sie noch hin gehen. Erfahrungsgemäß bewerten die Menschen, die ihren Job tatsächlich gern machen ihn zwischen 7-9. Menschen die unzufrieden sind, liegen unter 5. In Deutschland wird die 10 eher selten gezogen. Das mag mit unserem Hang zum Perfektionismus zusammenhängen. Und wer tatsächlich die 10 zieht, der macht sich auch schnell verdächtig, nicht mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität unterwegs zu sein.

Aber warum ist das so?

Schließlich hören wir doch landauf, landab aus der Trainer-, Berater- und Speakerbranche, dass wir nur einen Job finden müssten, den wir lieben und schon bräuchten wir keinen Tag mehr zu arbeiten. Ein Zitat, welches übrigens Konfuzius zugeschrieben wird, chinesischer Philosoph und Verwaltungsbeamter. Der gute Mann lehrte allerdings auch „Ein Fürst sei ein Fürst und ein Diener sei ein Diener.“ Das mag in unseren Ohren vielleicht sehr einfühlsam klingen, war aber wohl dazu gedacht, jedem seinen Platz zu zuweisen. Mit anderen Worten: es ging um Gehorsam. Damit wurde es für Diener, Bauern und einfache Arbeiter schon mal nicht mehr ganz so leicht mit der Suche nach dem Traumberuf. Und ein Jobwechsel kam schon gar nicht in Frage. Hinzu kommt noch, als hoher Verwaltungsbeamter am chinesischen Hof, ist es natürlich auch ziemlich leicht, seinen Job zu lieben. Was aber, wenn einem das Glück eben nicht ganz so hold ist?

Schauen wir uns in der Gegenwart den aktuellen Gallup-Engagement Index 2018 an, dann scheint selbst in einer hochentwickelten Industrienation wie Deutschland das Arbeitsglück ein flüchtiges Gut zu sein. Über fünf Millionen Arbeitnehmer – das entspricht immerhin 14 Prozent der gesamten Arbeitnehmerschaft – hat die innere Kündigung schon abgegeben, sie äußerlich nur noch nicht vollzogen. Die Schuldigen sind natürlich auch schnell ausgemacht: Schlechte Chefs. So beziffert die Studie den Schaden, den mangelnde Führungskompetenz verursacht, mit jährlich bis zu 103 Milliarden Euro. Natürlich ist da was dran. Keine Frage. Aber wie so oft bei solchen Studien, bleiben ein paar Aspekte unberücksichtigt. Achtung: Damit werden Führungskräfte nicht vom Haken gelassen! Im Gegenteil, denn auch bei den unberücksichtigten Aspekten, tragen sie einen Teil der Verantwortung. Nämlich den Teil, wie sie ihre Teams zusammen stellen. Währet den Anfängen! Wer am Anfang Fehler vermeidet, der hat am Ende weniger Probleme! Und diesen Teilaspekt des Problems, schauen wir uns hier mal genauer an. An dem Arbeitnehmer genauso beteiligt sind …

Eine Spirale ungünstiger Entscheidungen

Gehen wir hier zunächst einmal vom Arbeitsuchenden aus. Im Prinzip von jedem, der nicht Selbstständig ist. Und auch Selbstständige werde sich in der folgenden Beschreibung in der einen oder anderen Form wieder finden. Schauen wir uns also einmal an, wie wir in der Regel unseren Job wählen … Da geht es oft schon los mit der Spirale ungünstiger Entscheidungen. Und bitte, wir sprechen hier in der Hauptsache nicht über den Rand des Existenzminimums, in dem man jeden Job annehmen muss. Wir sprechen hier über „Was soll ich studieren bzw. Ich bin gut ausgebildet auf geht’s ins Arbeitsleben“ oder „Ich finde meinen Job zum speien, vielleicht könnte ich was Neues ausprobieren“  Worüber denken wir nach? Was sind Auswahlkriterien? Was müsste der Job uns bieten?

Klar: ein gutes Gehalt - um darauf zu kommen braucht diesen Artikel niemand ;) Als nächstes denken wir über den Standort nach! Wir Deutschen sind nicht wirklich so mobil, wie wir gern wären. Tatsächlich ist die durchschnittliche Fahrtzeit die wir gerade noch tolerieren bei 20-30 Minuten pro Tour. Danach wird es schon kritisch und zählt zu den Faktoren, die uns eher das Lächeln aus dem Gesicht treiben … Für einen Studienplatz sind viele Menschen bereit den Standort komplett zu wechseln, das ist aber eine Ausnahme und danach werden wir wieder unflexibler.

Was noch? Die Reputation des Unternehmens, Urlaubstage, Kantine, Zuschüsse für Sport oder für die öffentlichen Verkehrsmittel … Und natürlich unsere Vorstellungen darüber, wie der Job so ungefähr ablaufen soll – zumindest, wenn wir frisch von der Schule, der Uni oder aus der Ausbildung kommen. Und auch bei einem Jobwechsel lesen wir uns die Jobbeschreibungen genau durch und denken, „Das klingt gut. Das könnte mir Spaß machen.“ Wenn all diese Punkte mit einer für uns zufriedenstellenden Antwort versehen sind, dann glauben wir, wir würden in unserem Job glücklich und entscheiden uns dafür … Naja … Ziemlich unwahrscheinlich, denn dass sind die nicht die Parameter, die uns laut wissenschaftlicher Studien zufrieden machen. Im Grunde haben wir keinen blassen Schimmer, wie wir unseren Traumjob finden sollen, denn wir stellen die falschen Fragen!

Was glauben sie ist der Nummer 1 Glücksbringer im Job? Sinn! Laut einer Studie der Harvard Business Review sind Menschen die einen Sinn in ihrem Tun sehen zufriedener, engagierter und bleiben mit einer dreimal höheren Wahrscheinlichkeit ihrem Unternehmen treu und werden seltener krank. Achtung: dabei sind Sinn und Tätigkeit die einem Spaß macht nicht zwingend das Selbe! Wenn Ihnen Beispielsweise das lesen von Kriminalromanen Spaß macht, dann muss dass nicht zwingend eine sinnvolle Tätigkeit sein. Es sei denn, der Sinn ihres Tuns besteht darin, Sprache und Logik des Romans zu überprüfen. Also als Lektor zu arbeiten. Dann müssten Sie allerdings mehrere Bücher pro Woche lesen und das nicht bloß zur eigenen Unterhaltung …

Stellenbeschreibung: Nette Kollegen, eine gute Führungskraft und Sinn?

Glauben wir der Wissenschaft dann ist die Antwort auf die Frage: Was macht uns im Job glücklich und zufrieden, ganz banal: nette Kollegen, eine gute Führungskraft und eine Beziehung zu dem was man tut. Eben Sinn. All das findet sich in keiner Stellenbeschreibung! Und kaum jemand kommt auf die Idee sich seinen Job nach den Kollegen oder nach dem Chef auszusuchen, obwohl Chef und Kollegen die Rangliste der Kündigungsgründe unangefochten anführen! Mit anderen Worten, wir suchen uns unseren Job nach der Aufgabe aus, kündigen dann aber wegen ganz anderer Faktoren … Ein guter Chef und nette Kollegen machen häufig zufriedener, als alles andere … Der Sinn kommt nachgelagert und manchmal ganz von selbst … Der sinnvollste Job macht keinen Spaß, wenn der Chef blöd und die Kollegen dämlich sind.

Arbeitnehmer mit netten Kollegen, guten Chefs und sinnvollen Aufgaben sind leistungsfähig und seltener krank … Also, worauf sollten Arbeitgeber in Zukunft mehr Wert bei der Einstellung legen? Darauf, ob der Kandidat zum Team passt. Wenn sie die Wahl zwischen einem 1A mit Sternchen qualifizierten Kandidaten und einem nicht ganz so qualifizierten Kandidaten haben, schauen sie, wer besser ins Team passt. Und entscheiden sie das nicht selbst, lassen sie das Team mitentscheiden! Angenommen der weniger qualifizierte Kandidat passt perfekt ins Team und ist motiviert, dann werden alle Beteiligten am Ende mit ihm glücklicher, als mit einem Highpotential, den die Wenigsten leiden können.  Als Arbeitnehmer macht es Sinn, sich das Team in dem sie arbeiten sollen, genau anzuschauen. Probearbeiten ist eine tolle Sache, um schon mal grundsätzliche Sympathien abzuklopfen. Und fragen sie ihre zukünftigen Kollegen ruhig nach dem Chef. Wenn Sie sich nicht trauen: spitzen sie die Ohren! Hören sie in der Kaffeeküche und beim Mittagessen ganz genau zu!

Hier also der Appell an Arbeitnehmer und Arbeitgeber: Achten Sie darauf, dass es menschlich für sie passt. Am Ende des Tages sind wir soziale Wesen und unser Wohlbefinden hängt zu einem beträchtlichen Teil von unserem sozialen Umfeld ab. Auch das ist wissenschaftlich gesehen inzwischen ein No-Brainer. Trotzdem vergessen wir vor lauter Professionalität gern, dass unser Arbeitsumfeld eben auch zu unserem sozialen Umfeld gehört. Egal wie gut wir Emotions- und Sachebene voneinander trennen können, unsere grundsätzliche Natur als Homo Sapiens ist wie sie ist. Da wäre es doch auf der Sachebene extrem klug, den sozialen Aspekt bei der Wahl des Arbeitsplatzes einfach mit einzubeziehen.

Autorin: Anja Niekerken

Nierkerken-Buch

Passende Artikel
Zeitschrift HR Performance
149,00 €

Preis für Jahresabonnement Inland