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T-shaped-Professionals: Generalist und Spezialist in einem

Unternehmen suchen in ihren Stellenausschreibungen häufig die “eierlegende Wollmilchsau” für ihre Führungspositionen. Flexibel, teamfähig und kommunikationsstark sollte die Führungskraft sein, aber gleichzeitig auch über den Tellerrand hinausblicken können sowie ein tiefes Branchen- und Expertenwissen besitzen. Der Traum-Manager ist Generalist und Spezialist in einem.

Das Profil, das Unternehmen suchen, nennt sich auch T-shaped-Persönlichkeit. Die ersehnten Mitarbeiter besitzen zum einen fundiertes Expertenwissen aber auch allgemeines Breitenwissen, das es ihnen erleichtert, Probleme aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten. Warum aber sind T-shaped-Persönlichkeiten geeigneter für Führungspositionen und wie gelingt die Entwicklung dorthin?

Profile: Generalist, Spezialist, T-shaped-Professional

Spezialisten zeichnen sich durch ein Expertenwissen in einem bestimmten Bereich aus, welches stark in die Tiefe geht. Oft als Fachidioten bezeichnet, besitzen sie häufig einen hohen Marktwert – zumindest wenn ihr Spezialgebiet gleichzeitig gefragt und aktuell ist, wie beispielsweise in der IT-Branche. Dies erklärt die derzeitig sehr hohe Nachfrage nach Data Scientists auf dem Markt. Aber auch SEO-Spezialisten stehen hoch im Kurs. Spezialisten fällt es allerdings häufig schwer, ihren Fokus zu verändern, sollten sich die Anforderungen an ihr Fachwissen mit der Zeit wandeln.

Der klassische Generalist hingegen verfügt über ein breites Wissen in verschiedenen Bereichen. So fühlt sich dieser nicht nur in einem Themengebiet zu Hause, sondern zeichnet sich durch eine breite Wissenspalette aus – wie der klassische Berater beispielsweise. Aufgrund des hohen Interesses an allen möglichen Fragestellungen, legen sie sich ungern auf ein Themen- oder Fachgebiet im Unternehmen fest. Auf diese Weise gelingt es ihnen, den Blick für das große Ganze zu bewahren, der es ihnen ermöglicht, Gesamtzusammenhänge besser zu erkennen.

Einer T-shaped-Persönlichkeit gelingt es, beide Welten miteinander zu verbinden. Sie hat sowohl Spezial- als  auch Breitenwissen aus benachbarten Gebieten. Inwiefern und in welchem Umfang das Expertenwissen einer T-shaped-Persönlichkeit ergänzt wird und welcher Bereich vertieft wird, hängt dabei stark von der eigenen Persönlichkeit ab.                                                                 

Der Weg zur T-shaped-Persönlichkeit                 

Dabei gilt: Sowohl Generalisten als auch Spezialisten können sich mit ein wenig Ehrgeiz und Willen zur T-shaped-Persönlichkeit entwickeln. Der Weg dorthin verläuft jedoch für beide Profile unterschiedlich. Auch das Ergebnis ist etwas anders. So werden Spezialisten, die sich weiterentwickeln, immer über etwas mehr Spezial- als Breitenwissen verfügen. Generalisten hingegen, werden nicht denselben Spezialisierungsgrad erreichen, wie ehemalige Spezialisten. Trotzdem sind beide gleichwertige T-shaped-Persönlichkeiten.

Der Generalist begibt sich auf die Suche nach einem Herzensthema, in dem er Wissen vertiefen möchte. Idealerweise ist dies ein Bereich, für den die Person bereits ein hohes Interesse mitbringt und das zeitgleich im Unternehmen stark nachgefragt wird. Dabei sollte der Generalist beobachten, wie er auf einzelne Themen reagiert. Wenn die Person in den frühmorgendlichen Newslettern oder anderen Informationsquellen immer wieder über ein gewisses Gebiet stolpert und sich darin verliert, dann ist dies genau das Richtige. Über dieses Thema sollte der Generalist mehr Wissen erlangen. Dies muss nicht einmal systematisch passieren, sondern kann ganz nach den Vorzügen der eigenen Persönlichkeit stattfinden.

Für Spezialisten bedarf es einer gewissen Neugierde und Offenheit gegenüber neuen Themen, um sich zur T-shaped-Persönlichkeit entwickeln zu können. Das erfordert Mut, da sie ihre Komfortzone verlassen werden. Dabei müssen die Themen nicht immer komplett fachfremd sein – sich mit an das eigene Spezialgebiet angrenzenden Fragestellungen zu beschäftigen, ist oft ein erster guter Schritt. Die neuen Themen können innerhalb, aber auch außerhalb des beruflichen Umfelds liegen. Generell sollten sich Spezialisten aber auch mit Kommunikation, Projektleitung und Führungsverhalten auseinandersetzen. Diese Fähigkeiten sind gerade für Führungspositionen essentiell. Neben branchenspezifischen Publikationen, Blogs und Newslettern bieten sich insbesondere Seminare und Trainings für die Weiterbildung an.

Die Bedeutung von T-shaped-Professionals für Unternehmen

Die richtige Mischung aus Generalist und Spezialist ist vor allem für Führungspositionen in Unternehmen, die auf agiles Arbeiten setzen oder sich in einer Transformation befinden, wichtig. Schon dem Teamleiter – auch wenn er nur wenige Mitarbeiter führt – hilft es, seinen Job in einem dynamischen, sich wandelnden Umfeld gut auszuführen, wenn er seinen Horizont erweitert und fähig ist, das große Ganze im Blick zu behalten. Gerade Kommunikationsfähigkeit, Kreativität und eine gewisse Hartnäckigkeit, mit der Ziele verfolgt werden, helfen, insbesondere kritische Situationen zu meistern. In Zeiten des Wandels dienen sie ihren Teammitgliedern sehr häufig auch als Vorbild, die mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Kollegen/innen motivieren, den Change mitzugestalten.

Personen mit solchen Qualifikationen sind für Unternehmen essentiell. Sie sollten die Entwicklung deshalb selbst aktiv fördern und Mitarbeiter auf diesem Weg unterstützen.

Die Arbeitsumgebung als stiller Entwicklungs-Support

Allgemein sollten sich Generalisten und Spezialisten von der eigenen Neugier treiben und begeistern lassen. Weder ist man zu alt für ein neues Thema, noch sollte einen Zeitmangel davon abhalten, sich weiterzuentwickeln. Doch auch das Arbeitsumfeld innerhalb des Unternehmens kann dazu beitragen, für die Entwicklung die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Das A und O ist eine Unternehmenskultur, die Platz für Weiterbildung bietet und die individuelle Entwicklung fördert. Ebenfalls hilft es, wenn das Unternehmen ein starkes Miteinander begünstigt und auch weitläufig akzeptiert, dass nicht jeder Mitarbeiter in jedem Themengebiet Wissen vorzuweisen hat und Schwerpunkte deshalb verteilt sind. Auch Quereinsteiger wirken ermutigend auf Kollegen/Innen, sich selbst weiterzuentwickeln und neue – auf den ersten Blick auch unkonventionelle – Wege zu gehen.

Nicht nur im beruflichen Umfeld ein Gewinn

Mitarbeiter mit dem Blick einer T-shaped-Persönlichkeit bieten Unternehmen aufgrund des permanenten Interesses an Weiterbildung einen hohen Mehrwert. Aber nicht nur im beruflichen Umfeld ist die Entwicklung zur T-shaped-Persönlichkeit ein Plus. Die Entwicklung neuer Interessensgebiete, Fähigkeiten und dadurch auch Möglichkeiten führt genauso im privaten Umfeld zu einer höheren Zufriedenheit.

                                                                 

Über die Autorin

Helga Trölenberg ist Vertriebsspezialistin im Team von enable2grow, der führenden Wachstumsberatung für Unternehmen, die bereit sind, ihr Business rundum neu zu denken, um zukunftsfähig zu bleiben

Foto: Heiko Preller

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