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Wie Sie Mitarbeiter mit ausgeprägter Egozentrik integrieren

Zum Umgang mit Diven

„Diven sofort entlassen“. So lautet eine prägnante Empfehlung unter Beratern. In der Tat: Die Diva ist ein extrem schwieriger KollegInnen-Typ. Mangelnde Kritikfähigkeit verbunden mit extremer Sensibilität, die in Empfindlichkeit umschlägt, machen die Zusammenarbeit mit ihr ausgesprochen anspruchsvoll. In der Praxis ist eine Entlassung der Diva jedoch oft schwer umsetzbar. Und schließlich verfügen Diven auch über Qualitäten, die einen bedeutenden Beitrag zum Teamerfolg darstellen.

Die Typologie

Die Diva – es gibt sie natürlich auch in der männlichen Variante – liebt es, wenn sich alles um sie dreht und ihr die Aufmerksamkeit aller anderen sicher ist. Mit diesem Egozentrismus geht eine Tendenz zur Selbstdarstellung einher, wobei hinzukommt, dass es aus Sicht der Diva nur eine/n geben kann. Dies führt dazu, dass sich andere Mitarbeitende von ihr eher distanzieren und das Verhalten der Diva oft als unangenehm empfinden. Zugleich handelt es sich bei ihr um einen ausgesprochen sensiblen und emotionalen KollegInnen-Typus, den man – will man emotionale Dynamiken vermeiden – am besten mit Samthandschuhen anfasst. Kritik ist von Seiten der Diva unerwünscht. Ebenso können  Rahmenbedingungen, wie eine aus ihrer Sicht unpassende Büroausstattung, der Stau, das schlechte Essen oder unangenehme Kunden etc. ihre Laune schnell verderben. Eine starke Emotionalität schlägt immer wieder in übersteigerte Empfindlichkeit um.

Das extreme Bedürfnis nach Anerkennung und der hohe Anspruch an sich selbst befeuern die Einstellung der Diva, selbst unfehlbar und stets besser als andere sein zu wollen. Wenn es nach ihr ginge, wäre sie längst in einer viel höheren Position. Eine verzerrte Selbsteinschätzung gehört zu ihrer Charakteristik. Es wird deutlich, dass in der Zusammenarbeit viel Konfliktpotenzial entsteht und Teamkooperation ausgesprochen schwer herzustellen ist. Besonders explosiv ist die Konstellation, wenn eine Diva auf die andere trifft – hier fliegen oftmals die Fetzen. Aufgrund dieses Zusammentreffens fühlt sich die Diva in ihrer Dominanz beschränkt, was sofort ein starkes Konkurrenzdenken in ihr erzeugt.

Auf den Punkt gebracht zeichnet sich die Diva aus durch: Egozentrik, Dominanz, Emotionale Instabilität, ein großes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Gier nach Anerkennung, Sensibilität, mangelnde Kritikfähigkeit und eine geringe Bereitschaft, sich unterzuordnen und im Team zu arbeiten.

Und die Stärken? Natürlich kann die Diva über viel Fachkompetenz verfügen und ausgesprochen charmant sein. Insbesondere in neuen Kontexten gelingt es ihr häufig, Sympathien zu erwerben. Wenn die Rahmenbedingungen für sie stimmen und insbesondere ein extrem hohes Maß an Anerkennung vorherrscht, ist mit ihr durchaus gut Kirschen essen. Es bleibt jedoch anstrengend – der andere hat in ihrem Bewusstsein nicht wirklich Platz.

Vier Führungsansätze:

1. Kritik klar aussprechen: Diven erzeugen häufig Beißhemmung. Ein falsches Wort und die Diva verliert ihre Fassung. Gilt es Kritik zu üben, so muss sich das Gegenüber bewusst sein, das Nehmerqualitäten und ein dickes Fell gefragt sind. Wichtig ist es jedoch, erforderliche Kritik auch klar auszusprechen, vor allem mit Blick auf die anderen Teammitglieder. Die Diva sollte mit ihrer Verhaltenstendenz keinen Erfolg (z.B. im Sinne von Schonung) haben, was letztere noch verstärken würde. Auch wäre die Auswirkung auf die anderen Teammitglieder fatal, die das Durchgehenlassen von Regelverstößen oder Minderleistung als ungerecht erleben.

2. Status zugestehen: Bedienen Sie das Anerkennungsmotiv, indem Sie ihr eine adäquat zentrale Rolle geben, in der sie unabhängig agieren kann. Teamarbeit wird niemals zu ihren Stärken zählen. Deshalb ist es empfehlenswert, der Diva eine Rolle zu geben, in der sie einerseits ihre Stärken zur Geltung bringen, andererseits nicht zu viel emotionalen und sozialen Schaden anrichten kann. Es geht also darum, anspruchsvolle Aufgaben zu delegieren, die Diva kontinuierlich beschäftigt zu halten und ihr – sehr dosiert allerdings – zeitlich und räumlich begrenzte Bühnen und Plattformen zur Darstellung der Ergebnisse (und damit auch ihrer selbst) einzuräumen.

3. Distanz halten: Gehen Sie als Führungskraft mit der Diva aber keine Kumpanei ein. Im Gegenteil – halten Sie Distanz und verstricken Sie sich nicht. Dies zeigt ihr, dass sie sich schon anstrengen muss, um Ihre Anerkennung zu erhalten und diese vor allem aus guten Ergebnissen und fachlicher Leistung resultiert.

4. Stabilisieren Sie das Team: Das Wichtigste – vergessen Sie das Team nicht. Investieren Sie insbesondere in diejenigen KollegInnen viel Zeit, deren Mindset passt. Stabilisieren Sie diese im Umgang mit der Diva, indem Sie die übrigen Teammitglieder ermutigen und ihnen den Rücken stärken. Achten Sie darauf, dass Sie selbst ein kooperatives, empathisches und zugleich leistungsorientiertes Mindset verkörpern. Auf diese Weise stützen Sie die Werteebene im Team und verhindern, dass die Teamkultur erodiert. Die Diva darf nicht zum Paradigma werden. Ebenso wenig darf sie zu viel Raum einnehmen. Formulieren Sie dafür sehr deutlich und häufig Ihre Erwartung, dass Kooperation, gegenseitige Unterstützung und das Lernen aus Fehlern gefragt sind. Zeigen Sie sich selbstkritisch, lernbereit und im Auftritt eher weich.

Natürlich handelt es sich mit dieser Beschreibung um eine Typologie, die in ihrer Vollausprägung nur selten vorkommt. Stecken Sie die Diva nicht in eine Schublade und geben Sie ihr bei größeren Konflikten nach einiger Zeit eine echte Chance. Auf diese Weise wird es Ihnen nicht nur gelingen, den Umgang mit der Diva zu meistern, sondern sie als Ressource für die Gruppe, die wie jeder Mensch ihre Ecken und Kanten hat, zu nutzen.

Die Autoren: Dr. Tobias Heisig (rechts im Bild) und Dr. Alexander Wittwer (links im Bild) (beide CEVEYCONSULTING GmbH und SMARTinSALES GmbH) beraten Unternehmen darin, Veränderungsprozesse erfolgreich zu gestalten und gehören seit über 15 Jahren zu den gefragtesten Trainern für Führung und Vertrieb.

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