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Wie Unternehmen ihre HR-Prozesse mit Low-Code selbstständig automatisieren

Um wettbewerbsfähig im War for Talents zu bleiben, ist vor allem ein zügiger Recruiting-Prozess notwendig. Noch immer erhalten Personaler viele Bewerbungen per E-Mail, die sie intern weiterleiten – ein unübersichtlicher und zeitraubender Prozess.

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Mehr als eine halbe Million Fachkräfte fehlen in Deutschland – bis 2030 könnten es sogar fünf Millionen werden. Auch in Personalabteilungen sind personelle Ressourcen eng. Aufwendige Routinearbeiten nehmen einen Großteil der Arbeitszeit in Anspruch. Die Automatisierung solcher zeitraubenden Prozesse kann zusätzliche Kapazitäten freisetzen und Mitarbeiter entlasten. Doch häufig mangelt es in der HR an der nötigen Expertise, digitale Lösungen zu implementieren. Überforderte IT-Abteilungen priorisieren zudem Digitalisierungsprojekte in anderen Abteilungen. Mit Low-Code umgehen Personaler diese Probleme und können eigenständig agieren.

Prozessautomatisierung leicht gemacht

Low-Code ist eine visuelle, modellbasierte Methode für die Software-Entwicklung und Prozessautomatisierung. Die Besonderheit: Auch Anwender ohne Programmierkenntnisse können damit individuelle Geschäftsprozesse und Applikationen erstellen. So entwickeln Unternehmen bedarfsgerechte Lösungen für ihre individuellen Anforderungen – und das bis zu zehnmal schneller als mit klassischer Software-Entwicklung. Als Komplettlösung ermöglichen Low-Code-Digitalisierungsplattformen medienbruchfreies Arbeiten, indem sie Workflows mit den zugehörigen Daten und Dokumenten verknüpfen.

Bewerbermanagement effizient gestalten

Um wettbewerbsfähig im War for Talents zu bleiben, ist vor allem ein zügiger Recruiting-Prozess notwendig. Noch immer erhalten Personaler viele Bewerbungen per E-Mail, die sie intern weiterleiten – ein unübersichtlicher und zeitraubender Prozess. Die zu besetzende Stelle bleibt länger vakant und Verantwortliche beklagen fehlende Transparenz. Durch Low-Code lassen sich die Abläufe automatisieren und die Auswahl beschleunigen: Alle eingehenden Bewerbungen werden zentral gesammelt. Ein Workflow-Management-System wandelt jede Mail in einen Vorgang um und gibt diesen an die HR-Abteilung weiter. Diese sendet passende Kandidaten an die jeweiligen Fachabteilungen. Verantwortliche geben daraufhin Rückmeldung, ob eine Einladung zum Bewerbungsgespräch oder eine Absage versendet werden soll.

Mitarbeiter mit modernem Onboarding binden

Nach der Auswahl eines neuen Mitarbeiters ist ein erfolgreiches Onboarding wichtig. Gelingt dies, fühlen sich die Nachwuchskräfte direkt integriert und bekommen früh Einblick in alle nötigen Prozesse, um motiviert zu arbeiten.

Wie ein digitaler Workflow im Onboarding aussehen kann:

  1. Daten erfassen: In einer Low-Code-Digitalisierungsplattform lassen sich alle relevanten Daten erfassen, wie zum Beispiel Geburtsort, Ausbildungsgrad und Vertragsinformation.
  2. Aufgaben verteilen: Personaler legen fest, welche Aufgaben Mitarbeiter bei der Einarbeitung übernehmen. Dazu gehört auch, dass der Neueinsteiger wichtige Dokumente und Arbeitsgeräte wie Laptop, Firmenhandy oder Kreditkarte pünktlich zum Arbeitsantritt bekommt.
  3. Onboarding ausführen: Sind alle Daten und Aufgaben angelegt, beginnt das eigentliche Onboarding. Das System benachrichtigt automatisch Angestellte, die ein To-do bei der Einarbeitung haben. Beteiligte können den Fortschritt jederzeit nachverfolgen.

 

Elektronische Personalakte: alle Daten zentral

Ein schneller Zugriff auf alle Mitarbeiterdaten wie Gehaltsabrechnungen, Urlaubsanträge und persönliche Daten ist im Tagesgeschäft zeitsparend. Digitale Personalakten machen das möglich. Da sie vergangene, derzeitige und künftige Aktivitäten (Tätigkeitsberichte, Dienstreiseanträge oder Krankmeldungen) umfassen, sind sie für HR-Abteilungen ein wichtiger Datenpool. So gebündelt können HR-Verantwortliche strategische Entscheidungen ableiten und Mitarbeitende beispielsweise gezielt weiterbilden.

Die HR-Abteilung profitiert durch Low-Code von Prozessen, die direkt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Der hohe Automatisierungsgrad sorgt für ein schnelles, digitales und modernes Onboarding neuer Mitarbeitender. Die zentral hinterlegten Daten können das Management außerdem bei strategischen Entscheidungen unterstützen.

Axel Ensinger, Co-CEO der JobRouter AG

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