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Unternehmen sollten sich auf ein modernes ERM konzentrieren

Die Grundlage der Studie bildet eine quantitative Online-Befragung mit 147 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den Bereichen Gastronomie-, Hotellerie- und Catering. Ausgewählt wurden ausschließlich Personen mit einschlägigen und mehrjährigen Erfahrungen im Gastgewerbe auf der Arbeitgeber- und/oder Arbeitnehmerseite. Ergänzt wurden diese empirischen Ergebnisse durch qualitative Leitfaden-Befragungen von Expertinnen und Experten aus der Branche.

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Recruiting
Foto: ©AdobeStock/Smile Studio AP

Wie können ein modernes Employee Relationship Management (ERM) und die Einbeziehung von Personalagenturen die Rekrutierung von Fachkräften verbessern? Die neue Studie der International School of Management (ISM) in Frankfurt/Main liefert dazu wichtige Erkenntnisse.

Die Gastronomie ist in Deutschland ein Vorreiter – zumindest im Hinblick auf den Arbeitsmarkt. Was sich in den Bars und Bistros, den Gaststätten und Restaurants, den Kneipen und Kantinen, aber auch beim Catering schon seit Jahren personaltechnisch abspielte, erreicht nun auch zunehmend andere Branchen: Eine hohe Fluktuation bei den Beschäftigten, eine starke Überlastung bei den verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, eine nachlassende Motivation beim Personal („Dienst nach Vorschrift“) sowie eine fast schon verzweifelte Suche nach Fach- und Nachwuchskräften.

Die Lage im Gastgewerbe ist sicherlich besonders dramatisch: Die Branche verzeichnete in den vergangenen 30 Jahren einen Beschäftigungsrückgang von mehr als 50 Prozent. Mit anderen Worten: Das Personalpotenzial hat sich praktisch halbiert. Viele Betriebe haben trotz bestehender Nachfrage ihr kulinarisches Angebot und/oder ihre Öffnungszeiten eingeschränkt. Zahlreiche
Lokale, Pensionen und ganze Hotels haben aber auch ganz geschlossen – gerade bei den häufig inhabergeführten Kleinbetrieben spielte dabei auch oft die vergebliche Suche nach einer Nachfolgeregelung eine Rolle.

Diese Entwicklung, die sich auch bei vielen anderen Dienstleistungsbranchen und im Handwerk beobachten lässt, hat sich mit der Corona-Pandemie noch einmal beschleunigt, die eigentlichen Ursachen aber liegen tiefer und sind strukturell bedingt. Zu nennen sind die im Gastgewerbe anstrengenden und antizyklischen Arbeitszeiten („Man arbeitet immer dann, wenn andere freihaben.“), die geringe Bezahlung und die meist fehlenden Entwicklungsperspektiven.

Wenn Mitarbeiter zur Mangelware werden

Vor diesem Hintergrund beschäftigte sich eine Studie an der International School of Management in Frankfurt mit der Frage, wie insbesondere die Gastronomie ihre Position am Arbeitsmarkt verbessern kann durch die gezielte Optimierung der Beziehung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern („Employee Relationship Management“). Außerdem sollte untersucht werden, inwieweit spezielle Dienstleister (die sogenannten Personalagenturen) in diesem stark mittelständisch geprägten Gewerbe einen positiven Beitrag bei der Beschaffung von Arbeitskräften leisten können.

Die Grundlage der Studie bildet eine quantitative Online-Befragung mit 147 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den Bereichen Gastronomie-, Hotellerie- und Catering. Ausgewählt wurden ausschließlich Personen mit einschlägigen und mehrjährigen Erfahrungen im Gastgewerbe auf der Arbeitgeber- und/oder Arbeitnehmerseite. Ergänzt wurden diese empirischen Ergebnisse durch qualitative Leitfaden-Befragungen von Expertinnen und Experten aus der Branche. Die wichtigste Erkenntnis gleich vorneweg: Es ist beeindruckend (um nicht zu sagen: erschreckend), wie viele Betriebe auch nach den Verwerfungen der Corona-Zeit große Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal zu finden und zu halten. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass die Unternehmen durchaus Chancen hätten, ihren Ruf als attraktiver Arbeitgeber zu stärken und so potenzielle Bewerber auf sich aufmerksam zu machen. Allerdings müssten sie dabei strategischer vorgehen und verstärkt auf zeitgemäße Maßnahmen zur Imageverbesserung („Employer Branding“) setzen.

Die Befragten wiesen mehrheitlich darauf hin, dass gerade das Gastgewerbe besonders stark abhängig ist von der Qualität des persönlichen Kontakts zwischen Mitarbeitenden und Kunden. Das führt zu der Schlussfolgerung, dass sich die Betriebe im hohen Maße auf ihre Mitarbeiterbeziehungen konzentrieren sollten, um den bereits beschriebenen Problemen besser entgegenwirken zu können. Um es noch deutlicher zu sagen:

Viele Unternehmen sollten dringend eine Vielzahl betriebseigener Personalprozesse überdenken, um ihre Mitarbeiterbeziehungen zu verbessern und damit Qualitäts- wie auch Umsatzeinbußen zu verhindern. Das ist eine Erkenntnis aus der ISM-Studie, die sich vermutlich auch auf andere Dienstleistungsbranchen und generell viele Arbeitgeber übertragen lässt.

Es bleibt viel zu tun

Das Augenmerk der Unternehmen sollte sich nach Ansicht der Befragten vor allem auf das Employee Relationship Management (ERM) richten.

Bei ERM handelt es sich um einen Ansatz, der darauf abzielt, die Beziehung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern systematisch zu verbessern. Denn eine positive und auch in schwierigen Zeiten belastbare Beziehung könne nachhaltig dazu beitragen, die Mitarbeiterbindung zu erhöhen und die Fluktuation zu reduzieren.

Mehrere Befragte legten Wert auf die Feststellung, dass es bei einem modernen ERM längst nicht mehr darum gehe, an den Mitarbeiterbeziehungen erst dann zu arbeiten, wenn Kündigungen drohen, Mitarbeiter Unmut über eine Arbeitsüberlastung äußern oder die Zahl der Krankheitstage übermäßig auffällig ansteigen. Zu einem erfolgreichen ERM gehöre auf jeden Fall eine langfristige und klare Positionierung als Arbeitgebermarke sowie eine gezielte wie auch passende Ansprache potenzieller Bewerber über Social-Media-Kanäle oder Jobportale. Auch das sei eigentlich keine neue Erkenntnis, werde aber gerade in dem sehr traditionellen Gastgewerbe oft sträflich vernachlässigt.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag aus der HR Performance 3/2023.

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