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Künstliche Intelligenz für HR

Letztlich ist das Thema KI ein „alter Hut“. Bereits im Jahr 1950 wurde von Alan Turing die Frage gestellt, ob Maschinen denken können. Turing war Mathematiker und gilt als einer der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung. Im Zweiten Weltkrieg hat er maßgeblich an der Dechiffrierung von Enigma, einem System zur Verschlüsselung deutscher Funksprüche, mitgewirkt.

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Schach
Foto: ©AdobeStock/totojang1977

Spätestens seit ChatGPT im Herbst 2022 in wenigen Tagen weltweit bekannt und millionenfach genutzt wurde, ist „Künstliche Intelligenz“ (KI) zu einem Buzzword geworden. Unser Autor, Prof. Dr. Wilhelm Mülder, erläutert in seinem neuesten Beitrag die Historie, Technik und Meilensteine der KI, die verschiedene Arten von Chatbots sowie die Einsatzmöglichkeiten für HR, aber auch die Risiken von KI beim Einsatz im Personalbereich.

Der Turing-Test

Letztlich ist das Thema KI ein „alter Hut“. Bereits im Jahr 1950 wurde von Alan Turing die Frage gestellt, ob Maschinen denken können. Turing war Mathematiker und gilt als einer der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung. Im Zweiten Weltkrieg hat er maßgeblich an der Dechiffrierung von Enigma, einem System zur Verschlüsselung deutscher Funksprüche, mitgewirkt. Grundlegend für die Beantwortung von Turings zentraler Frage war ein eigens entwickelter Test, der später als Turing-Test bezeichnet wurde. Hierbei soll festgestellt werden, ob ein Computer (oder ein Programm oder eine Maschine) ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen besitzt.

Der Test funktioniert wie folgt: Es gibt drei verschiedene Parteien, einen menschlichen Fragesteller auf der einen Seite und zwei Unbekannte, und zwar ein Mensch und eine Maschine, auf der anderen Seite, welche die Fragen beantworten. Räumlich sind Fragesteller und Antwortende getrennt; es besteht weder Sicht- noch Sprachkontakt.

Die Fragen werden z. B. über eine Tastatur formuliert, die Antworten erscheinen im Display. Der Turing-Test gilt dann als bestanden, wenn nicht mehr erkennbar ist, ob die Antworten von einem Automaten oder von einem menschlichen Experten stammen. Vorsichtig formuliert, könnte einem Computer somit „Intelligenz“ zugesprochen werden, wenn die Maschine die „richtigen“ Antworten gibt.

Meilensteine der „Künstlichen Intelligenz“

Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ wurde erstmals 1956 verwendet. Der Mathematiker und Informatiker John McCarthy organisierte damals eine Konferenz am Dartmouth College (USA), bei der die Bezeichnung „Artificial Intelligence“ das erste Mal offiziell auftauchte. Dort trafen sich einige Wissenschaftler – inspiriert von Turings Frage, ob Maschinen denken können –, um über maschinelle Intelligenz und maschinelles Lernen zu diskutieren.

Ein weiterer Meilenstein war 1966 das von Joseph Weizenbaum, Professor am Massachusettes Institute of Technology (MIT) entwickelte Programm ELIZA, das die Möglichkeiten der Kommunikation zwischen einem Menschen und einem Computer über natürliche Sprachen aufzeigen sollte. Ein Mensch formuliert in Textform Aussagen an das Programm ELIZA, welches Fragen und Kommentare dazu abgibt. Das Programm konnte schon recht gut die Konversation eines menschlichen Psychotherapeuten simulieren, obwohl es hauptsächlich auf Mustererkennung und Textverarbeitung beruhte. Obwohl ELIZA oftmals überraschende, aber meistens passende Kommentare abgab, besaß es keine Intelligenz und sollte auch keinen Psychotherapeuten ersetzen. ELIZA war auf jeden Fall eines der ersten und bekanntesten Beispiele für Chatbots und hat die Forschung im Bereich der natürlichen Sprachverarbeitung maßgeblich beeinflusst.

Schachprogramme zählen zu den ersten kommerziellen Anwendungen der künstlichen Intelligenz. Im Jahr 1996 fand das erste Schachspiel zwischen einem Schachweltmeister und einem Schachcomputer (Deep Blue von IBM) statt. Garri Kasparow siegte mit 4:2. Im darauffolgenden Jahr verlor er gegen dieselbe Maschine. In den Folgejahren entwickelte sich KI rasant weiter.

Möglich wurde dies durch die stark gestiegenen Rechnerleistungen, insbesondere durch leistungsstarke Grafikprozesse und die weltweite Verbreitung des Internets, wodurch viel einfacher auf riesige Datenmengen zugegriffen werden konnte und somit große Fortschritte im Bereich des maschinellen Lernens gemacht wurden.

Ein weiterer Meilenstein war der Sieg des Deep-Mind-Programms „AlphaGo“ gegen den damaligen Go-Weltmeister Lee Sedol. Das asiatische Brettspiel „Go“ gilt als eines der schwersten Spiele überhaupt, da das Spielbrett mit 19×19 Feldern mehr als fünfmal so groß wie ein Schachbrett ist und es zudem keine limitierenden Zugregeln für einzelne Spielsteine gibt. Den letzten, vielleicht spektakulärsten und öffentlichkeitswirksamsten Meilenstein der KI haben wir 2022 mit ChatGPT erlebt.

Übrigens: ELIZA hat den Turing-Test damals fast bestanden, DeepBlue und AlphaGO haben den Turing-Test sicher bestanden, ebenso ChatGPT.

Künstliche Intelligenz und seine Teilgebiete

Weil KI heute als „Allzweckwaffe“ eingesetzt wird und in sehr vielen Programmen und Maschinen enthalten ist, soll jetzt zunächst der Versuch unternommen werden, begriffliche Klarheit und zu erhalten (vgl. Abb. 2). Wenn menschliche (natürliche) Intelligenz die Fähigkeiten umfasst, aus Erfahrungen zu lernen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, Probleme zu lösen und sich an neue Situationen anzupassen, dann müsste die maschinelle (künstliche) Intelligenz in der Lage sein, eine menschenähnliche Intelligenz und kognitive Fähigkeiten nachzuahmen.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag aus der HR Performance 1/2024.

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