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Hybride Arbeitsmodelle: Wie gelingt der richtige Umgang mit dem „New Normal“?

Viele Unternehmen haben das Homeoffice fest in ihrem Arbeitsalltag integriert, meist in Form von hybriden Arbeitszeitmodellen. Wie gelingt es, die Gesundheit der Mitarbeitenden trotz neuer digitaler Normalität nicht aus den Augen zu verlieren?

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Fotos: AdobeStock/VectorMine

Serie: Gesund am Arbeitsplatz

Die Homeoffice-Pflicht ist im März ausgelaufen. Ein Ende der digitalen Arbeitswelt 4.0 maskiert dieser politische Schritt jedoch nicht. Im Gegenteil: Viele Unternehmen haben das Homeoffice fest in ihrem Arbeitsalltag integriert, meist in Form von hybriden Arbeitszeitmodellen. Webkonferenzen am laufenden Band sind zum „New Normal“ geworden. Wie Unternehmen die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden trotz neuer digitaler Normalität nicht aus den Augen verlieren, verrät Patricia Lück, Diplom-Psychologin und Referentin für Betriebliche Gesundheitsförderung beim AOK-Bundesverband, im Gespräch mit der HRP.

Die Infektionszahlen sinken nur langsam und befinden sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Dennoch hat der Staat entschieden, die Verantwortung in Sachen Corona weitestgehend den Bürger*innen zu überlassen. Das gilt auch beim Homeoffice. Unternehmen entscheiden jetzt selbst, ob sie die Pflicht aufrechterhalten oder Mitarbeitende zurück ins Büro zitieren. „Viele Betriebe nehmen die Sorgen ihrer Angestellten aber weiterhin ernst. So können Mitarbeitende wählen, ob sie derzeit noch von Zuhause aus arbeiten oder wieder vor Ort im Büro tätig seien wollen“, so Lück. Und das ist auch die klare Empfehlung der Expertin: „Mitarbeitenden weiterhin die Entscheidungsfreiheit zu geben.“ Während einige sich nach der Begegnung im Büro sehnen, bevorzugen andere nach wie vor den virusfreien Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden.

Flexibilität bleibt also das Gebot der Stunde. Präsenz ermöglichen: ja. Sie erzwingen: nein. „Voraussetzung hierfür ist die richtige Büroorganisation“, meint Lück. „Wer hier bereits vollständig papierlos arbeitet, ist frei und unabhängig, wenn es darum geht, zu wählen, wo er arbeiten möchte.“

Wie kann die Entgrenzung am häuslichen Arbeitsplatz gelingen?

Das Homeoffice bietet viele Vorteile. Familie und Beruf scheinen besser vereinbar. Und auch aufs Klima hat die Heimarbeit einen positiven Effekt: Der Arbeitsweg entfällt. Dienstreisen verlagern sich durch den Trend zunehmend in die digitale Welt. Für viele Arbeitnehmer*innen bringt das Homeoffice aber auch Schattenseiten mit sich. Sie grenzen sich schwerer von ihrer eigenen Arbeit ab. „Zu Beginn der Pandemie hatten viele ihren Arbeitsplatz provisorisch auf dem Küchentisch eingerichtet“, berichtet Lück. Dass das keine Lösung sein kann, haben die meisten schnell erkannt. „Um sich Zuhause besser abgrenzen zu können, ist ein gut organisiertes Büro wichtig“, erklärt die Expertin. Dabei muss es nicht immer gleich das eigene Arbeitszimmer sein. „Ein entsprechend professionell gestalteter Schreibtisch kann bereits ausreichend sein.“ Ist der PC einmal heruntergefahren, sollte dieser, sowie das Arbeitshandy, auch im Homeoffice bis zum nächsten Morgen Sendepause haben. Ständig erreichbar zu sein, kann auf Dauer krankmachen.

Wie sieht ein ergonomischer Homeoffice-Arbeitsplatz aus?

Apropos krankmachen. Ergonomie ist im Homeoffice genauso wichtig wie im Büro. „Hier können Arbeitgebende einiges tun, um ihre Mitarbeiter*innen bestmöglich zu unterstützen. Einerseits mit der richtigen technischen Ausstattung. Anderseits natürlich mit Informationen, wie Arbeitnehmende ihren Arbeitsplatz Zuhause richtig ergonomisch gestalten“, so die Psychologin.

Ergonomie-Tipps seitens der Redaktion:

Ein ergonomischer Arbeitsplatz sollte beispielsweise das berücksichtigen:

  • die Stuhlhöhe: Ober- und Unterschenkel sollten einen Winkel von mindestens 90 Grad bilden.
  • Die Sitzfläche: Der Rücken sollte leicht gegen die Stuhllehne drücken.
  • Die Tischhöhe: Die Ellenbogen sollten locker auf dem Tisch aufliegen, ohne dass der Mitarbeitende die Schultern dabei anhebt.
  • Der Bildschirm: Der obere Bildschirmrand sollte eine Handbreit unter der Augenhöhe sein. Der Abstand zwischen Augen und Bildschirm sollte mindestens eine Armlänge betragen.
  • Tastatur und Maus: Der Abstand zur Tischkante sollte zehn bis 15 Zentimeter betragen. Die Maus sollte so nahe wie möglich bei der Tastatur sein.
  • Ebenfalls wichtig: genügend Pausen auch im Homeoffice zu machen, vor allem viele bewegte Kurzpausen, um den Folgen des Dauersitzens entgegenzuwirken.
  • Gesund essen und ausreichend trinken.
  • Ausreichend frische Luft.

Wie kann der Arbeitgebende Stress hinsichtlich der Arbeitsverdichtung reduzieren?

Die Arbeit verdichtet sich. Arbeitnehmer*innen klicken sich von einer Webkonferenz in die nächste und nicht immer läuft das störungsfrei. „Hier sollten Unternehmen Unterstützung anbieten, damit der Technikstress nicht zur psychischen Belastung wird“, rät die Psychologin. Das passende Stichwort lautet hier Qualifizierung: „Wenn Mitarbeitende beispielsweise richtig mit der Technik umgehen können, reduziert das den Stress deutlich. Arbeitgeber sollten ihre Angestellten also dementsprechend schulen. Wie funktioniert ein Online-Meeting? Wie präsentiere ich Inhalte digital? Und so weiter.“ Die Devise: Wer digital alles im Griff hat, der meistert seinen Arbeitsalltag deutlich entspannter.

Gesund im Homeoffice: AOK-Online-Programm

In fünf Modulen à 20 Minuten zeigt die AOK Beschäftigten sowie Führungskräften kostenlos, wie gesundes Arbeiten im Homeoffice gelingen kann. Wie funktioniert die Selbstorganisation am häuslichen Arbeitsplatz? Wie bleibt der Austausch mit den Kollegen und das Teamgefühl im Homeoffice gewährleistet? Wie können Angestellte berufliches und privates zuhause weiterhin trennen? Wie richten sich Home-Worker richtig ein? Und wie gelingt Führen auf Distanz?

Mehr zum Programm erfahren Interessierte hier.  

Fotos: Lück

Patricia Lück, Diplom-Psychologin und Referentin für Betriebliche Gesundheitsförderung beim AOK-Bundesverband.

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