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Du kannst nicht gewinnen, wenn Du nicht spielst

Leider hinkt die KI-Entwicklung und Verwendung in der deutschen Wirtschaft hinterher. Trotzdem gibt es auch KI-Leuchttürme bei uns. Wahrscheinlich genauso spektakulär wie ChatGPT. Die deutschen Weltmarktführer waren schon immer marketingscheu.

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Foto: ©AdobeStock/Donald

Seit Wochen sorgt der Chatbot ChatGPT für Furore. Das Programm des US-amerikanischen Unternehmens OpenAI kann Texte schreiben, programmieren, malen, Gedichte schreiben und Witze erzählen. Die Insider der KI-Szene reißt das nicht vom Hocker. Weltweit werden inzwischen mehr als 50 Milliarden Dollar in die Entwicklung und in den Ausbau der Künstlichen Intelligenz investiert. Da darf man, gelinde gesagt, auch Erfolge erwarten.

Die Tatsache, dass Microsoft wohl bis zu 10 Milliarden Dollar in OpenAI stecken will, hat den Markt und die Wettbewerber aufgeschreckt. Google fürchtet einen Angriff auf seine Suchmaschine und Meta sieht einen neuen Konkurrenten auf dem Markt. Das Thema bewegt seit Wochen die Medien. Und die Fantasien, was es bedeuten könnte, wenn eine Intelligenz den Menschen überbietet, sind plötzlich wieder ganz präsent. Dabei sind wir meilenweit von einem „Monster“ entfernt, das uns bedroht. Hier geht es um Technologie, die uns hilft.

KI als natürliche Begleiter in unserem Alltag

Angesichts der großen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, brauchen wir ganz neue Mittel und Wege, um sie zu lösen. Der Ökonom Marcel Fratzscher wies jüngst daraufhin, dass 30 Prozent aller Beschäftigten heute in Deutschland (13 Millionen) in den nächsten 15 Jahren in Rente gehen. Nur knapp die Hälfte werden die nachkommenden jungen Menschen ersetzen können. Damit verschwinden Wissen, Erfahrungen und Ideen.

KI wird uns helfen, die Lücken zu füllen und die Veränderungen zu meistern. Wer durch sein Unternehmen geht und mit den Mitarbeitern spricht, stellt sehr schnell fest, dass es immer noch viele Routinearbeiten gibt, die Systeme übernehmen könnten. Und wir werden noch mehr unattraktive Tätigkeiten finden, wenn wir gemeinsam anfangen, darüber nachzudenken, was wir an ein System (KI) delegieren könnten oder wo eine KI hilfreich wäre. Das setzt aber auch voraus zu wissen, was alles KI meistern kann und können wird.

Vor gut 50 Jahren startete der HR-Softwareboom. In den Personalabteilungen ging die Angst um. Mitarbeiter fürchteten um ihre Arbeitsplätze. Doch rückblickend können wir sagen, dass sich der Wandel weitgehend sozialverträglich vollzog. Mit der Einführung von Softwarelösungen im Personalbereich wuchs die Professionalität der Personalverantwortlichen. Davon profitieren Mitarbeiter und Unternehmen. Die Software hat uns nicht nur Routinetätigkeiten abgenommen, sie hat auch riesige Datenpools geschaffen, die wir händisch gar nicht mehr auswerten könnten.

Das Reporting von einst heißt heute HR Analytics. Es bietet ungeahnte Auswertungsszenarien, die dem Unternehmen und den Beschäftigten zugutekommen können. Es gibt wohl keinen Bereich und keinen Beschäftigten im Personalwesen oder im Unternehmen, dem KI nicht helfen oder ihn unterstützen könnte. Leider hinkt die KI-Entwicklung und Verwendung in der deutschen Wirtschaft hinterher. Trotzdem gibt es auch KI-Leuchttürme bei uns. Wahrscheinlich genauso spektakulär wie ChatGPT. Die deutschen Weltmarktführer waren schon immer marketingscheu.

„Seit November hat Köln sein erstes Einhorn. So heißen junge Unternehmen, deren Marktwert die Milliarden-Dollar Grenze überschreitet. – DeepL hat den Sprung geschafft. Bekannt wurde die Firma mit ihrem Übersetzungsdienst, der so gut ist, dass er auch mit Google Translate konkurrieren kann. Nun hat DeepL sein zweites Projekt veröffentlicht. „Write“ soll so etwas wie ein digitaler Lektor sein. Es soll also selbst geschriebene Texte besser machen. Wie der Übersetzter basiert auch „Write“ auf der KI-Technologie des Unternehmens. DeepL kann auf eine riesige Sprachdatenbank zurückgreifen. Selbstlernende Algorithmen trainieren mit diesen Daten, um immer präzisere Ergebnisse zu liefern.“ (Kölner Stadt-Anzeiger S. 3; 30. 01. 2023)

Entwickeln sich die KI-Leuchtürme zu Gamechangern?

Wer würde sich nicht freuen, wenn seine Schwächen durch eine KI kompensiert würden? Manche Agentur wird sich neue Aufgabenfelder suchen müssen. Und viele Journalisten und Schreiberlinge werden froh sein, wenn ihnen KI-Systeme beim Schreiben helfen. Schulen und Hochschulen kommen ins Schwitzen. Schließlich können jetzt alle gute Texte abliefern, ohne abgeschrieben zu haben. KI hilft heute Ärzten bei den Diagnosen, etwa indem sie Röntgenbilder analysieren und millionenfach anfallende Blutbilder und Krebsdaten auswerten. Wir sind dankbar, dass es diese Hilfen und Möglichkeiten gibt.

Natürlich haben diese Technologien auch Schwachstellen und Schattenseiten. Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Das darf aber kein Grund sein, diese Entwicklungen abzulehnen. Wir brauchen die KI, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (PwC) könnte die deutsche Wirtschaft durch KI-Technologien bis 2030 um mehr als elf Prozent wachsen. Die Einführung der Software in der Arbeits- und Lebenswelt war ein Gamechanger. KI hat das Potenzial der nächste Gamechanger zu werden. Langsam rückt die Generation der Gamer in die Schlüsselpositionen der Wirtschaft. Ihre Devise war schon immer: Du kannst nicht gewinnen, wenn Du nicht spielst. Sie werden souveräner, innovativer und kreativer mit dem Thema KI umgehen. Aber diese KI-Schreibsysteme kommen an ihre Grenzen, wenn der Kunde mit kölschen oder bayerischen Texten Abfragen startet.

Franz Langecker

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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