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Die Lernwelt steht nicht Kopf

Auf der Learntec konnte man schon immer Zukunft hautnah erleben. Doch es dauert, bis diese Zukunft Einzug in die Unternehmen hält. Den Ausstellern geht das alles zu langsam. Und viele Entscheider in den Unternehmen zweifeln, ob der Nutzen die Investition lohnen wird.

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Foto: ©AdobeStock/olenatur

Auf dem Weg durch die vier Hallen der 30. LEARNTEC im Mai in Karlsruhe hatte ich nicht das Gefühl, dass die Welt plötzlich auf dem Kopf steht. Obwohl Arbeitsminister Hubertus Heil in seiner Videobotschaft zur Eröffnung der Messe angekündigt hatte, dass die KI unseren Arbeitsalltag, die Schule, das Privatleben und den Arbeitsplatz verändern wird.  Als vor circa 30 Jahren die erste LEARNTEC stattfand, sprachen alle noch von computergestütztem Lernen. Im gleichen Jahr startete auch die Fachzeitschrift HR Performance als Infodienst unter dem Titel „Computergestützte Personalarbeit“. Auch wenn diese Beschreibung irgendwann nicht mehr zeitgemäß war, traf sie doch den Nagel auf den Kopf. Die IT begleitete und durchdrang unser Leben seitdem, ohne dass es aus den Fugen geriet. Ähnliches geschieht mit der KI, die seit Jahren in der Technologie Einzug hält.

Die Revolution geht zu Fuß

Vor 30 Jahren dominierte auf der LEARNTEC noch das CBT, das computerbasierte Training. Seither sind viel Geld, Know-how, Erfahrung und Innovation in die Lernwelt geflossen und wir leben in einem anderen Lernökosystem. Damals sprachen alle noch vom Wechsel aus der Industriegesellschaft in die Informationsgesellschaft. Aus den kleinen Anbietern von damals sind weltweit tätige Dienstleister geworden.

Auf der LEARNTEC konnte man schon immer Zukunft hautnah erleben. Doch es dauert, bis diese Zukunft Einzug in die Unternehmen hält. Den Ausstellern geht das alles zu langsam. Und viele Entscheider in den Unternehmen zweifeln, ob der Nutzen die Investition lohnen wird. An der Notwendigkeit, in die Bildung zu investieren, zweifelt heute niemand mehr. Doch wer Schulen besucht, in Betriebe kommt oder beim Öffentlichen Dienst arbeitet, zweifelt an der Ausstrahlung der LEARNTEC und am Entwicklungsstand der Lerntechnologien. Dabei leben wir in grenzenlosen Lernwelten. Lerninhalte sind weltweit verfügbar.

Melanie M. Krüger, Leiterin Strategische Personalentwicklung & Grundsätze Nachwuchskräfte der DB, hat über die Lernwelten der Deutschen Bahn in Karlsruhe referiert und in einem Tweet beschrieben, was in puncto Lernen alles in ihrem Unternehmen passiert. Sie spricht von einem Lernökosystem mit einer klar strukturierten Lerngovernance, einer starken Lern-IT und einer tief verankerten Lernkultur. Dabei liegt der Fokus auf den betrieblichen Kolleginnen und Kollegen. Es gibt Lernräume und Lerngeräte für alle. Dazu gehören Lernzeiten und die unterstützende Lerninfrastruktur. Ziel ist es, digitales Lernen innovativ und wirkungsvoll umzusetzen. Für sie ist die starke Lern-IT das Fundament des Neuen Lernens.

Eintritt in den räumlichen Computer

Anfang Juni hat Apple seinen räumlichen Computer (Apple Vision Pro) vorgestellt. Die neue Brille erlaubt räumliches Computing. In dieser Welt lassen sich nahtlos digitale Inhalte mit der physischen Welt verbinden. Der digitale Raum schafft eine unendliche Arbeitsfläche für Apps, die über die Grenzen eines traditionellen Displays hinaus gehen. Es gibt eine dreidimensionale Benutzeroberfläche, die mit den Händen, den Augen und der Stimme gesteuert werden kann. In dieser dreidimensionalen, räumlichen Welt wirkt jedes Erlebnis, als ob es in Echtzeit vor den Augen der Anwenderinnen und Anwender stattfindet. Noch ist das Equipment für dieses Erlebnis teuer und unhandlich. Aber die Reise in die 3-D-Welt hat schon vor vielen Jahren begonnen. Seit mehr als 20 Jahren arbeiten die Wissenschaftler an der Standford University an der Immersive-Technologie. Und wie der Begriff schon sagt, geht es dabei um das Eintauchen in neue Welten.

Seit Jahren schreibt Torsten Fell regelmäßig in der HR Performance über die Entwicklungen im Bereich von Immersive Learning. Er zählt heute zu den Treibern und Spezialisten in Deutschland, wenn es um Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) oder Mixed Reality im Umfeld von Corporate Learning geht. Torsten Fell hat auch in diesem Jahr wieder das AR/VR-Forum auf der LEARNTEC mitgestaltet und moderiert. Lassen Sie sich von seiner Begeisterung mitreißen. Die immersive Technologie eröffnet uns völlig neue Räume und Möglichkeiten für alle Bereiche unseres Alltags und für die Arbeitswelt.

Seit 30 Jahren lautet die Botschaft der LEARNTEC: Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Technologien und sammeln Sie Erfahrungen. Tarieren Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern aus, was diese brauchen, was ihnen hilft und sie weiterbringt. Dabei geht es längst nicht mehr nur um pauschale Lösungen. Die individuellen Lernräume und -möglichkeiten wachsen stetig. Und selbst wenn Sie nicht auf der Learntec waren, lohnt sich eine Reise durch die Ausstellerliste im Netz, um sich einfach vom neuen Lernökosystem inspirieren zu lassen. Auch wenn Sie danach nicht auf dem Kopf stehen, werden Sie erstaunt sein, was alles schon geht.

Franz Langecker

Franz Langecker

Chefredakteur HR Performance

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