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Extreme Verhältnisse im deutschen Mittelstand

All die Ereignisse und Paradigmenwechsel der letzten Jahre erhöhen den Druck auf deutsche Arbeitgeber – die wiederum ihr Arbeitstempo erhöhen und den Druck im schlimmsten Fall an ihre Mitarbeitenden weitergeben. Die meisten dieser Firmen drohen in eine Beschleunigungsfalle zu geraten.

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Mittelstand
Foto: ©AdobeStock/Ingo Bartussek

Die neue zeag-Trendstudie 2023 zeigt die kleinen und mittleren Unternehmen zwischen Limit und Hochleistung.

Jährlich veröffentlicht das Zentrum für Arbeitgeberattraktivität, zeag GmbH, in enger Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen eine repräsentative Trendstudie zum Status quo im Mittelstand und darüber hinaus. Die aktuellen Ergebnisse zeigen die radikalen Auswirkungen von Digitalisierung, Pandemie und Fachkräftemangel auf Arbeitgeber sowie Mitarbeitende – und bieten Ansatzpunkte, wie Unternehmen ihre Situation verbessern können.

All die Ereignisse und Paradigmenwechsel der letzten Jahre erhöhen den Druck auf deutsche Arbeitgeber – die wiederum ihr Arbeitstempo erhöhen und den Druck im schlimmsten Fall an ihre Mitarbeitenden weitergeben. Die meisten dieser Firmen drohen in eine Beschleunigungsfalle zu geraten: Anzeichen von Erschöpfung in der Belegschaft werden oft als mangelnde Arbeitsmotivation interpretiert und folglich wird der Druck weiter erhöht – was die Situation noch einmal verschlimmert.

In der Konsequenz zeigt sich eine ausgeprägte kollektive Erschöpfung in der Belegschaft: 25 Prozent, der an der Studie teilnehmenden Unternehmen, arbeiteten in dieser Form 2022 am Limit.

Die Studie vergleicht in besonderem Maße die gesündesten und produktivsten Firmen – im Folgenden Hochleistungsunternehmen genannt – mit den aktuell am schwächsten aufgestellten Organisationen – Unternehmen am Limit betitelt.

Daraus lassen sich Eigenschaften ableiten, die zu einem modernen und leistungsstarken Unternehmen führen. Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Über 80 Prozent der Mitarbeitenden in Organisationen am Limit fühlen sich in keinem guten Gesundheitszustand. Diese Unternehmen verzeichnen elf Prozent mehr Abwesenheitstage als gesunde Hochleistungsunternehmen.
  • Die Unternehmensleistung erschöpfter Unternehmen ist knapp ein Viertel geringer als die von gesunden Hochleistungsorganisationen. Außerdem sind sie 18 Prozent weniger produktiv und wachsen 13 Prozent geringer.
  • Lediglich ein Drittel der Mitarbeitenden in Limit-Unternehmen sind zufrieden mit ihrem Arbeitgeber. Auch die Arbeitgeberattraktivität bricht um mehr als zwölf Prozent ein.

Zwei Extreme

Rund 15 Prozent der Unternehmen schafften es, diese disruptiven Zeiten besonders erfolgreich zu meistern. Diese Firmen zeichnet ihre Haltung aus, die Herausforderungen als Chance für einen Wandel zu begreifen und ihr Unternehmen entsprechend auszurichten. Im Resultat profitieren sie von starkem Zusammenhalt, positivem Engagement und einer hohen Sinnerfüllung in der Belegschaft und im Unternehmen.

Die Studiendaten bestätigen, dass 75 Prozent der gesunden Hochleistungsunternehmen von ihren Mitarbeitenden als überaus attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden. Gleichzeitig leiden nur rund 10 Prozent dieser Unternehmen unter einem Arbeitskräftemangel.

Ihnen gegenüber stehen Unternehmen am Limit. Ihr Arbeitsalltag prägt kollektive Erschöpfung und gleichzeitig hohe Resignation bei großen Teilen der Mitarbeitenden. Den erhöhten Anforderungen begegnen sie häufig mit Mehrarbeit und Druck. Gleichzeitig verharren diese Unternehmen in alten Mustern. Notwendige Änderungen wie etwa eine veränderte, digitalisierte Zusammenarbeit setzen sie zwar um, allerdings scheitern sie an veralteter Führung und Kultur.

62 Prozent der Unternehmen am Limit leiden an einem starken Arbeitskräftemangel. Gleichzeitig nehmen rund 90 Prozent der Mitarbeitenden dieser Unternehmen ihren Arbeitgeber als wenig attraktiv wahr.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag aus dem Special Best of.

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