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Studie: Diese Berufe profitieren am meisten von einem 12-Euro-Mindestlohn

Ein Mindestlohn von zwölf Euro würde nicht nur die Beschäftigten in Branchen wie dem Gastgewerbe oder dem Einzelhandel erfreuen. Mehr Geld für ihre Arbeit könnten etwa auch Beschäftigte in Arztpraxen, Anwalts­kanzleien und den Büroetagen deutscher Unternehmen erwarten. Frauen würden von einem höheren Mindestlohn überdurchschnittlich profitieren, insbesondere wenn sie in Teilzeit arbeiten oder einen befristeten Arbeitsvertrag haben. Beschäftigte in kleineren Betrieben ohne Tarifbindung zählen ebenfalls zu den Hauptbegünstigten.

Regional würde ein höherer Mindestlohn vor allem Beschäftigte im Osten und Norden der Republik erreichen. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Für die Untersuchung wurden Gehaltsangaben von annähernd 200.000 Beschäftigten aus dem Gehaltsportal Lohnspiegel.de ausgewertet. Lohnspiegel.de wird vom WSI wissenschaftlich betreut.

Weiblich, in Teilzeit, befristet, beschäftigt in Unternehmen mit unter 100 Mitarbeitenden

„Niemand ist ganz davor gefeit, im Laufe seines Berufslebens für kurze oder längere Zeit für einen niedrigen Lohn zu arbeiten“, sagt Studienautor Dr. Malte Lübker, Experte für Tarif- und Einkommensanalysen am WSI. „Trotzdem gibt es eine Reihe von Faktoren, die das Risiko für einen Lohn unter zwölf Euro deutlich erhöhen.“ Nach den Studienergebnissen sind dies das Geschlecht „weiblich“, eine Tätigkeit in Teilzeit, ein befristeter Arbeitsvertrag, ein Arbeitgeber ohne Tarifbindung, eine Betriebsgröße unter 100 Beschäftigen sowie Helfer- und Anlerntätigkeiten. Nach Bundesland ist das Risiko für niedrige Löhne in Sachsen-Anhalt besonders hoch, gefolgt von den anderen ostdeutschen Flächenländern sowie Niedersachsen und Schleswig-Holstein im Westen. „Wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen, nimmt das Risiko für einen Niedriglohn-Job weiter zu“, so Lübker.

Welche Berufe überwiegend vom Niedriglohn betroffen sind 

„Leider schützt auch eine abgeschlossene, mehrjährige Berufsausbildung nicht zuverlässig vor einer Niedriglohnbeschäftigung“, so Gehaltsexperte Lübker. Unter den 50 Berufen, die am häufigsten von einer Mindestlohn­erhöhung auf zwölf Euro profitieren würden, finden sich auf den vordersten Plätzen Berufe wie Friseur/in, Bäckereifachverkäufer/in und Florist/in (Ausbildungsdauer: jeweils drei Jahre). Auch in beliebten Ausbildungs­berufen wie Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Rechtsanwalts­fach­angestellte/r, Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r und Kfz‑Mechatroniker/in besteht ein erhöhtes Risiko für Löhne unter zwölf Euro. Laut Studie ist hierfür eine wichtige Erklärung, dass die Tarifbindung in Deutschland von 68 Prozent zur Jahrtausendwende auf 51 Prozent im Jahr 2020 gesunken ist. „Deshalb würden heute auch viele Menschen von einem höheren Mindestlohn profitieren, die früher aufgrund ihrer soliden Ausbildung wie selbstverständlich zur Mittelschicht gezählt hätten“, sagt Lübker. „Langfristig muss das Ziel sein, dass diese Beschäftigten wieder nach Tarifverträgen bezahlt werden, die oberhalb des geltenden Mindestlohns qualifikationsadäquate Löhne garantieren.“

Erst kürzlich hatte eine vom Institut für Makroökonomie und Konjunktur­forschung (IMK) geförderte Studie gezeigt, dass eine schrittweise Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro auch gesamtwirtschaftlich sinnvoll wäre. Langfristig würde die Wirtschaftsleistung um etwa 50 Milliarden Euro im Jahr steigen. Die Staatseinnahmen erhöhen sich um rund 20 Milliarden Euro jährlich. Die Gesamtbeschäftigung würde hingegen langfristig nicht negativ beeinflusst, zeigen die Modell­rechnungen, die Prof. Dr. Tom Krebs und Dr. Moritz Drechsel-Grau von der Universität Mannheim durchgeführt haben.

 

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

 

 

 

 


Teaserfoto: © Adobe Stock/Stockfotos-MG

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