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Studie: Ist Chancengleichheit eine Frage der Herkunft?

Schlechte Chancen aufgrund der Herkunft und Corona-Schutzmaßnahmen im Niedriglohnsektor: Die in Zusammenarbeit mit YouGov entstandene, repräsentative Studie der Personalberatung SThree zeigt deutlich die Auswirkungen einer sich ausweitenden sozialen Schere auf die Arbeitswelt.

Für die nunmehr achte „So arbeitet Deutschland-Studie“ befragte die Personalberatung mehr als 2.000 in Deutschland lebende Personen ab 18 Jahren. Dabei zeichnet sich ein klares Bild der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gemüter ab: Ein Viertel (23 Prozent) der Befragten sagt, die Pandemie habe ihnen klargemacht, dass Arbeit vorrangig der Existenzsicherung dient. Dennoch können sich zwanzig Prozent trotz potentiell besserer Gehaltsaussichten nicht vorstellen, in eine andere Branche zu wechseln.

Nationalität und soziale Herkunft spielen immer noch eine Rolle

Aspekte, die sich am stärksten negativ auf dem Stellenmarkt auswirken können, haben Arbeitnehmer aus ihrer Sicht nicht selbst in der Hand: Jeweils ein Viertel der Befragten sagt, die Nationalität (28 Prozent) und die soziale Herkunft (24 Prozent) hemmen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland. Hierbei sehen fast die Hälfte der Befragten mit Migrationshintergrund (42 Prozent) die Nationalität als besondere Hürde, aber nur 26 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund. Dass allein der Bildungsabschluss über die Jobaussichten entscheidet, glaubt ein Viertel (26 Prozent), darunter doppelt so viele über-55-Jährige (30 Prozent) wie 18- bis 24-Jährige (15 Prozent). Es handelt sich folglich auch um einen Generationenkonflikt. „Die Jugend scheint den Glauben an den Weg zum sozialen Aufstieg z.B. in den Mittelstand nicht zu haben“, so Timo Lehne, Geschäftsführer von SThree. „Dabei ist der deutsche Ausbildungs- und Stellenmarkt keinesfalls gesättigt und bietet viel Ein- und Aufstiegspotential, auch für Quereinsteiger - insbesondere bei dem vorherrschenden Fachkräftemangel in Deutschland.“

Was muss also geschehen, damit es Chancengleichheit tatsächlich gibt?

Eine Ein-Drittel-Mehrheit (34 Prozent) sieht den Staat in der Bringschuld und fordert als wichtigsten Ansatzpunkt eine verstärkte Unterstützung von Kindern aus sozial schwachen Familien (31 Prozent). Eine altersunabhängige Förderung oder mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern wünschen sich 14 Prozent. Dabei sehen in puncto Gleichberechtigung doppelt so viele Frauen (18 Prozent) wie Männer (9 Prozent) Handlungsbedarf.

Erschreckend: Corona-Schutz ist eine Frage des Gehalts

Die vorherrschende, soziale Kluft überschattet auch das Angebot von Corona-Schutzmaßnahmen: Während der Pandemie hatte bei einer Mehrheit der Befragten (45 Prozent) der Schutz der Mitarbeiter im Unternehmen oberste Priorität. Dennoch gab jeder Vierte (26 Prozent) an, die Corona-Schutzmaßnahmen wurden teilweise, schleppend oder gar nicht umgesetzt. Angebote wie Homeoffice, Corona-Tests oder individuelle Regelungen für Eltern zeigen sich klar als ein Privileg der Besserverdienenden: 20 Prozent der Arbeitnehmer mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.000 bis 1.500 Euro pro Haushalt gaben an, ihnen wurden keine besonderen Schutzmaßnahmen bewilligt; unter den Geringverdienern bis zu 500 Euro netto waren es mit 43 Prozent sogar fast die Hälfte. Im Gegensatz dazu gab es für lediglich vier Prozent der 4.000 bis 4.500 Euro Netto-Verdienenden keinerlei Sonderregelungen.

Für 61 Prozent der Befragten, die studieren, ist das Gehalt für eine langfristige Unternehmensbindung ausschlaggebend. Des Weiteren zeigt die Studie, dass die Wertschätzung gegenüber dem Einzelnen (42 Prozent) sowie die Vereinbarkeit des Privaten mit dem Beruf (45 Prozent) entscheidend für die Arbeitgeberwahl ist. Dies scheinen die Vorgesetzten bereits erkannt zu haben und kümmern sich laut 35 Prozent der Befragten um eine angemessene Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben, zeigen Wertschätzung gegenüber dem Einzelnen (29 Prozent) und ermöglichen agile Arbeitsstrukturen durch Flexibilität von Arbeitszeit und -ort (26 Prozent). Trotzdem sagt ein Viertel der Befragten (25 Prozent), ihr Arbeitgeber führe keine Maßnahmen zur Personalbindung durch.

Quelle: SThree

 

Teaserfoto: © AdobeStock/Rawpixel.com

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