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Wie hat die Corona-Pandemie die Rolle des Ausbilders verändert?

Viele Ausbildungen haben gerade erst begonnen. Für Betriebe stellt sich die Frage: Wie haben sich die Erwartungen an einen Ausbildungsbetrieb im Zuge der Corona-Pandemie verändert? Worauf sollten Unternehmen jetzt achten, damit ihre Auszubildenden das Maximum aus der Lehre mitnehmen können? Die HRP fragte Florian Kaiser, Leiter des Referats Bildungsberatung bei der IHK für München und Oberbayern, wie er die veränderte Rolle des Ausbilders und der Ausbilderin wahrnimmt. 

HRP: Mal im Büro, mal im Homeoffice: Nicht jeder ist immer vor Ort. Welchen Einfluss hat die Digitalisierung des Arbeitsplatzes auf Ausbilder und ihr Aufgabenprofil?

Florian Kaiser: Die betrieblichen Ausbilderinnen und Ausbilder spielen auch in einer zunehmend digitalisierten Welt eine zentrale Rolle für den Erfolg der Ausbildung. Die Nutzung der teilweise ungewohnten, neuen digitalen Tools und Medien führt allerdings bei manchen zu Unsicherheiten. Teilweise ändert die zunehmende Digitalisierung die Arbeitsabläufe in den Betrieben und damit auch bislang gewohnte Abläufe in der Ausbildung. Insofern haben auch viele Ausbilderinnen und Ausbilder aktuell eine Lernkurve zu bewältigen. Viele Azubis sind dagegen als „digital natives“ ohne Berührungsängste mit Videochats und ähnlichen Dingen aufgewachsen. Die bayerischen IHKs starten daher ab Ende des Jahres 2021 eine Qualifizierungsoffensive für betriebliche Ausbilderinnen und Ausbilder. Dabei geht es vor allem darum, das Ausbildungspersonal zu mehr digitaler Mediennutzung in der Ausbildung zu motivieren. Ein kostenloses, eintägiges Training sensibilisiert im Hinblick auf neue Begriffe, die aktuelle Situation und die nötige Veränderungsbereitschaft. Außerdem erhalten die Ausbilderinnen und Ausbilder eine "digitale Werkzeugbox" und man erlernt erste methodische Schritte für die digitale Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten. 

HRP: Spannend. Und was würden Sie sagen: Welche Kompetenzen sind jetzt besonders gefragt?

Kaiser: Für eine erfolgreiche Ausbildung im Betrieb sind nach wie vor das pädagogische Geschick und die fachliche Kompetenz entscheidend. Eine große Rolle spielen nun aber auch Veränderungsbereitschaft und Innovationsfähigkeit. Im Rahmen der derzeitigen Transformationen hin zu digitalem Arbeiten ist es wichtig, den sich daraus ergebenden Handlungsbedarf präzise zu erkennen, sich auf diese neue Form der Wissensvermittlung einzulassen um dann die richtigen Werkzeuge im richtigen Maß einzusetzen.

HRP: Wie gelingt eine "digitale Ausbildung"  – worauf müssen Unternehmen / Ausbilder*innen jetzt achten?

Kaiser: Eine Ausbildung in ausschließlich digitaler Form oder ausschließlich als „remote learning“ wird und kann es in absehbarer Zeit nicht geben. Aber sicher werden die digitalen Anteile, sowohl bei den Inhalten als auch bei den Lerninstrumenten, eine deutlich größere Rolle spielen. Eine Ausbildung zu machen bedeutet ja mehr als nur Fachwissen zu erlangen, um dann eine Prüfung zu bestehen. Mindestens genauso wichtig sind die vielen praktischen Skills und auch die Soft Skills, die während einer Ausbildung vermittelt werden. Viele Ausbildungsberufe, etwa mit Kundenkontakt oder in der Produktion, lassen sich ohnehin nicht vollständig digitalisieren.

HRP: Das stimmt. Und hoffentlich werden reale Begegnungen auch bald wieder zur Normalität.

Kaiser: Im Grundsatz müssen sich die Unternehmen auf die zunehmende Digitalisierung der Ausbildung einlassen und natürlich auch die Potenziale darin erkennen. Spannend wird auch, dass sie unter Umständen in diesen neuen Themenfeldern sogar das ein oder andere von ihren Auszubildenden lernen können.

Mit welchen digitalen Tools haben sie in den letzten Monaten gute Erfahrungen gemacht. Genauer gesagt: Welche Medien sind für Ausbilder wichtig geworden und weshalb? Generell ist die digitale Erreichbarkeit und Kommunikation deutlich wichtiger geworden: Also vor allem Videokonferenz-Tools, aber auch einfaches Telefonieren. Wir gehen deswegen davon aus, dass in Zukunft deutlich mehr Auszubildende als bisher von ihrem Ausbildungsbetrieb mit digitalen Endgeräten wie Smartphones, Tablets und/oder Laptops ausgestattet werden. 

HRP: Herr Kaiser, vielen Dank für das Gespräch!

 

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Florian Kaiser, Leiter des Referats Bildungsberatung bei der IHK für München und Oberbayern (Bildquelle: IHK)  

 

 

Teaserfoto: © AdobeStock/goodluz

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