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Serie: Geschlechtergerechtes Recruiting. Folge 3: Gendern: Mehr als nur eine Endung – wohin geht der Trend?

Gendern spaltet die Gesellschaft. Die einen befürworten das Suffix :innen, die anderen finden es übertrieben. Für Unternehmen stellt sich im Zuge der Debatte die Frage, wie sie mit dem Thema bei der Rekrutierung neuer Fachkräfte umgehen. Die HRP sprach mit Valeska Martin, Referentin beim Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), über geschlechtergerechtes Recruiting.

Folge 3: Gendern: Mehr als nur eine Endung – wohin geht der Trend?

 

HRP: Abgesehen von einer geschlechtergerechten Sprache – was ist Frauen darüber hinaus in Stellenanzeigen wichtig?

Valeska Martin: Viele Bewerberinnen interessiert es auf den ersten Blick nicht, wie viele Standorte oder Mitarbeitende ein Betrieb hat. Wichtig sind beispielsweise Dinge wie: Unternehmenskultur, Work-Life-Balance oder die Zusammenarbeit im Team. Wenn Stellen in Teilzeit oder im Job-Sharing angeboten werden, dann sollten diese Informationen ganz oben und gut sichtbar bei der Stellenanzeige vermerkt werden. Flexible Arbeitszeitmodelle, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern, sind besonders für Frauen ein wichtiger Entscheidungsgrund. Vor allem das familiäre Verhältnis ist ein absoluter Plus-Punkt des Mittelstands – das sollten KMU in den Vordergrund rücken.

 

HRP: Gibt es auch in der visuellen Bildsprache Aspekte, die Unternehmen beachten sollten?

Martin: Ja, auch die Bildsprache ist in Stellenanzeigen wichtig. Fotos, die Frauen nur im Hintergrund oder als stille Zuhörerinnen zeigen, sind nicht geeignet. Unternehmen sollten am besten Bilder der eigenen Mitarbeitenden in aktiven Arbeitssituationen zeigen. Vielleicht gibt es auch bereits erfolgreiche Frauen im ausgeschriebenen Bereich. Unternehmen können diese als Testimonials auf den Stellenanzeigen zu Wort kommen lassen.

 

HRP: Wie wichtig ist die Debatte allgemein – auch um diverse Personen anzusprechen?

Martin: Die Debatte um gendergerechte Sprache ist sehr wichtig. Fachkräftemangel ist vor allem in den Berufen deutlich zu sehen, die von klassischen und klischeehaften Bildern geprägt sind. Viele KMU wünschen sich mehr Bewerbungen von Frauen oder Personen mit Migrationsgeschichte. Dies zeigt sich auch in unserer KOFA-Studie zur kulturellen Vielfalt in Unternehmen. Um diese zu erhalten, sollte man auch alle Zielgruppen ansprechen. Wichtig ist, dass Unternehmen wegkommen von starren Anforderungsprofilen und in ihren Formulierungen weicher und breiter werden.

 

HRP: Und wie sollten sich Unternehmen selbst in Stellenanzeigen „verkaufen“?

Martin: Hier ist es wichtig, dass die Unternehmen in Stellenanzeigen ihre Stärken als Arbeitgeber in den Vordergrund rücken. Wer seine Belegschaft vielfältig gestalten will, muss auch zeigen, wie Vielfalt im Unternehmen gelebt und wie das Unternehmen dabei unterstützt. So ist ein Hinweis der Unternehmens-Benefits wichtig, der zeigt, dass beispielsweise Deutschkurse oder flexible Arbeitszeitmodelle zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie angeboten werden.

 

HRP: Wohin geht der Trend im Mittelstand? Ist Gendern hier schon Alltag oder eher die Ausnahme?

Martin: Der Mittelstand ist gut darin, einfach intuitiv zu machen. Im Arbeitsalltag wird Gleichberechtigung dort gelebt, wird mit flexiblen Lösungen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht und ist ein wertschätzender Umgang selbstverständlich. Dies wird jedoch oft nicht in dem Maße nach außen getragen und schlägt sich nach unseren Erfahrungen im Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (noch) nicht unbedingt in gegenderten Stellenanzeigen nieder.

Wir erleben aber gerade in unserer Gesellschaft, dass die Debatte um gendergerechte Sprache Fahrt aufnimmt und die Bedeutung wird sicherlich zunehmend einen noch größeren Stellenwert einnehmen.

 

HRP: Das ganz bestimmt. Seit der Duden das generische Maskulinum abgeschafft hat, ist Gendern ja quasi in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Spätestens seit Nachrichtensprecher konsequent gendern.

Martin: Frauen sind ein wichtiges Potenzial, um Fachkräftemangel zu begegnen, da sie sehr gut qualifiziert sind. Unternehmen sollten diese Zielgruppe deshalb genau in den Blick nehmen. Es geht nicht nur um das „Feigenblatt“ gendern. Wenn jemand nur dem AGG gerecht werden will, fällt das auf. Es geht um eine Haltung. Und die ist wichtig.

 

HRP: Frau Martin, vielen Dank für das Gespräch!

 

 

>> Folge 1: Gendern in Stellenanzeigen

>> Folge 2: Geschlechtergerechtes Wording in Stellenbeschreibungen

>> Folge 3: Gendern: Mehr als nur eine Endung – wohin geht der Trend?

 

Valeska_Martin_Kofa 

 Foto: Valeska Martin, KOFA

 

Teaserfoto: © AdobeStock/Frank Lambert

 

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