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Nach Corona: Hybride Arbeitswelten werden sich etablieren

Interview mit Guido Zander, geschäftsführender Partner, SSZ Beratung, Dr. Scherf Schütt & Zander GmbH zur Personaleinsatzplanung in Pandemie-Zeiten und wie die Arbeitswelt der Zukunft aussehen könnte.

 

HRP: Corona stellt gewohnte Abläufe, Strukturen und Denkschablonen zur Disposition. Wir erleben eine Disruption in vielen Bereichen. Wie sehen Ihre Erfahrungen bis heute aus?

Guido Zander: Bei allen negativen Auswirkungen von Corona gibt es meiner Ansicht nach zumindest einen positiven Effekt: Corona macht die verschleppten Investitionen in die Digitalisierung und anderen Themen wie z.B. Unternehmenskultur extrem sichtbar und hat einen riesigen Nachholeffekt ausgelöst. Klar ist, Unternehmen, die digital gut aufgestellt, dezentral und flexibel organisiert sind und eine vertrauensbasierte Unternehmenskultur haben, kommen besser durch die Krise.

HRP: Die Berücksichtigung individueller Wünsche der Mitarbeiter wird noch wichtiger. Sprengt das die klassischen Systeme?

Zander: Als klassisches System würde ich aktuell einen Schichtplan und eine traditionell definierte Gleitzeit verstehen. In beiden Fällen sprengen die aktuellen Entwicklungen die Möglichkeiten dieser Systeme. Denn in normalen Schichtplänen sind reduzierte Arbeitszeiten, wie z.B. kürzere Schichten oder eine Reduktion der Arbeitstage pro Woche oder generell Flexibilität für die Mitarbeitenden, nicht oder nur sehr eingeschränkt umsetzbar. Wer das möchte, muss auf geeignete Personaleinsatzplanungsprozesse umsteigen. Die klassisch definierte Gleitzeit, die aus einer Rahmen- und Kernzeit besteht und mit der die Erwartungshaltung verbunden ist, dass alle Mitarbeitenden innerhalb der Kernzeit im Unternehmen physisch anwesend sind, funktioniert in hybriden Arbeitswelten nicht mehr. Anstelle der Kernzeit benötigt man die Definition von bereichsspezifischen Servicezeiten. Und bei der Definition der Servicezeit muss man auch noch differenzieren, inwieweit die Funktionsfähigkeit eines Bereiches physische Präsenz im Unternehmen oder digitale Erreichbarkeit bedeutet.

HRP: Für die Reorganisation der Arbeit braucht es neue Qualifikationen. Kennen Sie interessante Beispiele?

Zander: So wirklich neue Qualifikationen fallen mir spontan nicht ein. Grundsätzlich merkt man, dass sich eigentlich niemand mehr – egal wie alt er oder sie ist – den technologischen und digitalen Basisqualifikationen entziehen kann. Früher einfach qualifizierte Anlagenbediener müssen mittlerweile hochkomplexe technische Anlagen bedienen, und selbst Mitarbeitende aus der Produktion müssen Tools wie Teams oder Zoom bedienen können. Wir führen z.B. in unseren Projekten Mitarbeiterinterviews durch, was wir früher immer in Präsenz gemacht haben. In den letzten Monaten haben wir das aber auch mit Mitarbeitenden aus Produktionsbereichen per Video-Meeting abgehalten. Für manche der Mitarbeitenden war das eine Premiere. Und auf LinkedIn nimmt die Zahl der Coaches zu, die Unternehmen bei der Etablierung und Führung von Remote-Teams unterstützen.

HRP: Könnte man, Ihrer Meinung nach, vom Entstehen einer Post-Corona-Arbeitskultur sprechen? Was wird anders sein und werden?

Zander: Ja, da bin ich fest von überzeugt. Ich glaube, dass sich da, wo möglich, hybride Arbeitswelten etablieren werden, also eine Mischung aus Homeoffice bzw. Mobile Work und Präsenz im Unternehmen. Und hier muss jedes Unternehmen je nach Geschäftsmodell und Kultur den eigenen Weg finden und diese Welt ausgestalten. Ich glaube, dass die Büros mit Einzelzimmern und festen Arbeitsplätzen nach und nach verschwinden werden und dass die Unternehmenssitze eher zu sozialen Begegnungsstätten werden, die mit einer Mischung aus mobilen Arbeitsplätzen, sozialen Gemeinschaftsräumen und Funktionsräumen für kreative Zusammenarbeit ausgestattet werden. Hybride Meetings werden zum neuen Standard, es sei denn, die Präsenz ist inhaltlich notwendig. Mit der Zunahme des Homeoffice wird das Thema Vertrauen einen neuen Stellenwert erhalten, denn ohne Vertrauen funktioniert das nicht. Aber auch das Thema Führung wird noch wichtiger, weil ein autoritärer Führungsstil, der nur auf der Macht der Hierarchie beruht, so nicht mehr funktionieren wird.

Das vollständige Interview „Hybridisierung verändert die gesamte Arbeitswelt“ lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 1/2021 der HR Performance.

>> Lesen Sie hier den Artikel

 

Guido-Zander

Foto: Guido Zander

 

Hier erfahren Sie unter anderem:

  • Wie Unternehmen die Personaleinsatzplanung unter geltenden Corona-AHA-Regeln organisieren.
  • Wie die Zusammenarbeit zwischen internen und externen Mitarbeitern aktuell funktioniert.
  • Welchen Stellenwert Mensch-Maschine-Schnittstellen bei fast allen Tätigkeiten inzwischen haben.

 

 

 

 

Teaserbild: © Adobe Stock/AWD

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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