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Auswählen statt konzipieren

Wie Bildungsverantwortliche Content beschaffen und bewerten

Selbst entwickeln oder zukaufen? Diese Frage stellen sich viele Weiterbildungsverantwortliche zu Recht, denn häufig sind freie oder lizenzierte Inhalte aus fremden Quellen nicht nur aktuell, sondern auch ansprechend aufbereitet und gut recherchiert. Gerade für Basiswissen zu allgemeingültigen Themen stellen solche Inhalte eine sinnvolle Alternative zu den aufwändigeren und damit teureren Eigenproduktionen dar.

Mit einer steigenden Anzahl bereitgestellter Lerneinheiten sieht sich Manuel Schmidt konfrontiert. Immer häufiger sind es die Abteilungen seines Arbeitgebers Festo, die beispielsweise Videos zur Produktschulung selbst erstellen. „Diese werden identifiziert und uns zugespielt“, erläutert der E-Learning Experte. Der 36-Jährige macht den internen Content dann für alle Mitarbeiter verfügbar. „Wir legen Wert darauf, dass unsere Kollegen auf eine Vielzahl von Lerninhalten Zugriff haben, um die Schwelle, sich zu informieren und weiterzubilden möglichst gering zu halten.“ Sogar die Mitarbeiter in der Produktion sind über Schulungen mit Virtual-Reality-Brillen in digitale Lernprozesse eingebunden. Die Anlernzeit an einzelnen Maschinen wurde damit um bis zu 80 Prozent verringert.

„In der Vergangenheit haben Unternehmen die benötigten Trainingsinhalte inhaltlich selbst verantwortet, das heißt selbst erstellt oder erstellen lassen. Bei Fachthemen, für die kein eigenes Know-How vorhanden war, wurden Seminare oder Veranstaltungen bei externen Veranstaltern auf den eigenen Bedarf zugeschnitten eingekauft“, blickt Uwe Hofschröer, Digital Learning Consultant beim Experten für digitale Bildung, IMC, zurück. Heute geht der Trend weg davon, die Vielfalt der Themen komplett inhouse mit eigenen Ressourcen zu produzieren. „Externe Seminaranbieter waren immer schon ein wichtiger Baustein im Portfolio der meisten Unternehmen. Der Unterschied besteht darin, dass externer Content heute meistens Standard-Content ist, auf den das Unternehmen Inhaltlich keinen Einfluss nimmt – der dafür aber viel schneller verfügbar gemacht werden kann“, schränkt Hofschröer ein.

„Schließlich ändern sich Themen und Inhalte in vielen Branchen wie bei Versicherungen oder dem Handel rasend schnell und gewinnen gleichzeitig an Breite und Tiefe. Da gilt es neue Wege zu erschließen, um den Trainingsbedarf abzudecken“, weiß Hofschröer.

Bei Festo setzt man auf eine gesunde Mischung aus speziell fürs Unternehmen produzierten Trainings, zugekauftem Standard-Content sowie aus den eigenen Reihen stammenden Inhalten. „Aktuelle Themenbeispiele für Kurztrainings, mit denen Mitarbeiter idealerweise möglichst schnell versorgt werden müssen, sind zum Beispiel die Potenziale von Design Thinking oder Big Data. Zu solchen Themen gibt es eine Fülle erstklassiger Inhalte im Netz“, rät Hofschröer. Zu diesen Megatrends, die eine breite Masse an Menschen betreffen, sei es schneller und oft kostengünstiger, Fertiges einzukaufen. Schmidt sieht das genauso: Standard-Content wie Office-Trainings kauft er ein, für Sicherheit und Compliance lässt er produzieren. „Wenn eine größere Anzahl Mitarbeiter betroffen ist, lohnen sich die Produktionskosten für individuelle Trainings“, fasst Schmidt zusammen. Immer wiederkehrende Themenfelder seien laut IMC-Experten beispielsweise Management-Themen, Kommunikation oder allgemeines technisches Grundlagenwissen. „Nur bei solchen Informationen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie offen und frei verfügbar sind. Kritischer wird es, wenn spezielles Wissen extern beschafft werden soll.“

Essentiell sind in diesem Zusammenhang Vorauswahl und Qualitätskontrolle, denn schließlich geht es beim Kuratieren, so der Fachbegriff für das Auswählen und Zusammenstellen von Bildungsinhalten, nicht darum, den erstbesten Inhalt aus dem Netz zu fischen, sondern die besten und sachdienlichsten Quellen für das Unternehmen zu finden. Besonders wichtig ist, dass die Inhalte von den Mitarbeitern, bei Festo sind das weltweit rund 20.000 Nutzer, ohne Weiteres verstanden und genutzt werden können. Kuratierte Inhalte brauchen also einen Qualitätscheck, damit keine falschen Inhalte geteilt werden und die Tonalität stimmt. „Häufig nutzen Unternehmen eine Bewertungsfunktion, um die Qualität und Benutzerfreundlichkeit zu messen. Die veröffentlichten Inhalte werden im Anschluss bewertet - entweder von einem Fachexperten im eigenen Haus oder einem Mitarbeiter, der sie nutzt und anschließend Feedback gibt“, erklärt Hofschröer. Schmidt bindet die Kollegen mit ein: Die Videos, die auf seinem Tisch landen, sind bereits von Fachexperten geprüft und daher inhaltlich freigegeben. Bei freiem Content, den er zum Beispiel aus dem Netz beziehen würde, wäre das nicht der Fall.

Je größer und fachbezogener die Menge der kuratierten Inhalte ist, desto entscheidender ist es, ein dezentrales System zur Unterstützung aufzubauen. Manuel Schmidt setzt dabei auf die Unterstützung seiner Kollegen: Die Fachexperten der jeweiligen Abteilungen beurteilen externe Lerneinheiten inhaltlich, Nutzerfreundlichkeit und Qualität prüft er selbst. „Leider ist es mit einmal prüfen nicht getan. Kuratieren ist ein sich stetig wiederholender Prozess aus Suchen, Dokumentieren und Überprüfen, bei dem die Herausforderung vor allem darin besteht, den Überblick zu behalten“, weiß Hofschröer.

Noch nicht häufig in der Praxis eingesetzt, aber mehr und mehr im Kommen sind IT-Lösungen, die beim Kuratieren von Lerninhalten helfen. Mithilfe digitaler Lösungen zur Inhaltsaufbereitung lassen sich heute Schnittstellen zu externen Quellen (zum Beispiel YouTube) schaffen oder Daten zum Content für die Suche nach Inhalten bündeln. Außerdem helfen moderne Lernplattformen mit ihren Algorithmen beim Kuratieren selbst, beispielsweise beim Sammeln, Kommentieren oder Bewerten von Contents. Es existieren inzwischen sogar Lösungen, die auf künstlicher Intelligenz beruhen. Sie können als Unterstützung bei der automatisierten Prüfung von Inhalten, der Klassifizierung von Content oder der automatischen Anzeige von Verbindungen zu bereits erfasstem Content genutzt werden.

 

Uwe Hofschröer, E-Learning Experte bei IMC beobachtet, dass Bildungsverantwortliche heute vor einer immer größeren Menge an Content stehen, die sie bewerten und verfügbar machen müssen.

Quelle: www.IM-C.com
Foto: IMC

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