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Auf die Erfahrung kommt es an

„Experience matters“ heißt das neudeutsch bei den Angelsachsen. Und dort erleben diese beiden Wörtchen gerade einen Höhenflug. Wir bewegen uns im HR-Umfeld und sprechen deshalb von „People Experience Matters“. Für die Generationen Y und Z muss ich diese „Eule“ nicht nach Athen tragen. Die Begrifflichkeit spiegelt deren Selbstverständnis wider. Noch herrscht in den oberen Etagen vieler Unternehmen und Institutionen die „Wachstumskultur“ der Babyboomer-Generation. Sie sitzen als Vorstände und Aufsichtsräte am Steuer. Die Babyboomer-Generation sieht das nahezu ungebrochene Wachstum der letzten Jahrzehnte als Zeichen ihrer Leistungsfähigkeit. In dieser Welt des größer, weiter und schneller dominierten ihre Werte und haben bis heute Priorität.

Doch wer so denkt wie diese Generation, versteht nicht, was es heißt „Experience Matters“. Mit den Generationen Z und Y rücken der Mensch und die Frage nach dem Sinn stärker in das Zentrum des Handelns. Damit verschiebt sich die Rolle des Menschen als Mittel zum Zweck. Die Klimaentwicklung und die Ausbeutung der Ressourcen unserer Erde lassen sich nicht mehr mit dem gewohnten Wachstumsmodell vereinbaren. Kein Wunder, dass sich die Generation Babyboomer mit der gegenwärtigen Coronasituation sehr schwertut. Die Wachstumsphilosophie hat ausgedient und einer neuen Philosophie stehen sie misstrauisch gegenüber. Für sie fühlt es sich an, als würden alle Züge an die Wand fahren. Jetzt spüren auch die Letzten, dass es ein Weiter so nicht geben kann. In Zukunft müssen wir andere, neue Wege gehen. Eine Ökonomie, in der „People Experience Matters“ sieht anders aus.

Deutschland feiert die Wiedervereinigung

Am Samstag feiern wir das 30-jährige Jubiläum der Wiedervereinigung. Die Menschen aus Ostdeutschland wissen bereits, was „Experience Matters“ heißt. Die Westdeutschen aber mussten nach 1989 weder umdenken, noch umlernen. Sie konnten weiter in ihrer Welt leben. Heute aber müssen wir alle umdenken und umlernen. Das verbindet uns jetzt und in Zukunft noch mehr. Denn Corona kennt kein Ost oder West. Und wer heute ständig von einem „New Normal“ spricht, sollte die Menschen aus den sogenannten „Neuen Bundesländer“ fragen, wie es sich lebt in einem „New Normal“ seit 30 Jahren.

Nach Corona wäre es Zeit, dass wir uns vom Anachronismus des immer noch etablierten Begriffs der „Neuen Bundesländer“ verabschieden. 30 Jahre sind genug. Die Erfahrungen mit Corona erleben wir heute als gemeinsame Herausforderung. Personalverantwortliche in Nord, Süd, Ost und West bemühen sich, neue Antworten zu suchen und Lösungen zu entwickeln. Die Entschleunigung durch die Epidemie bietet die Chance, den Kurs zu ändern. Sie zeigt auch, dass wir nicht allmächtig sind und alles seinen Preis hat. Corona verändert uns, die Welt und das zukünftige Wirtschaften. Uns wird mehr und mehr bewusst, dass es nicht mehr so weiter gehen kann wie in den letzten Jahrzehnten. Und die Wahlerfolge der Grünen kündigen den Modellwechsel an.

Ein Kurswechsel ist angesagt

Kommen wir zurück zum Einstiegsthema „People Experience Matters“. Die Botschaft, die damit verbunden ist, lautet ganz einfach, dass die Menschen als Kraftfeld in das Zentrum des Unternehmens rücken und ihre Fragen nach dem Sinn ihres Handelns und Tuns entscheidend für die Zukunft des Unternehmens werden. Sie suchen die Augenhöhe mit den Entscheidern, und die Entscheider müssen sich mit ihnen auseinandersetzen, wenn sie erfolgreich sein wollen.

Der Profit, als alleiniges Unternehmensziel, verliert an Bedeutung. Gesundheit, Menschlichkeit, Wohlergehen, Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung, Gleichbehandlung, Ökologie, Klimaschutz u.a.m. gewinnen an Bedeutung. Diese Werte stehen für eine bessere Welt und für die Zukunft. Wer zwischen den Zeilen liest und hinter die Kulissen blickt, sieht, dass der Kurswechsel bereits begonnen hat. Dass er sich schneller vollzieht und gelingt, liegt in unser aller Hand. (Fla.)


Franz Langecker, HR Performance