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„Wir werden tatsächliche Arbeitsorte anders betrachten“

Interview mit Tanja Friederichs, Vice President Human Resources, PULS GmbH, über das Meistern der Krise und "New Work nach Corona"

HRP: Was gelingt Ihnen beim Meistern der Corona-Krise schon gut, was noch nicht so gut?

Tanja Friederichs: Dank der Erfahrungswerte aus unserem Produktionswerk in China war klar, dass wir schnell und konsequent handeln müssen, um einen hohen Sicherheitsstandard für unsere Mitarbeiter zu gewährleisten. Maßnahmen dazu waren u.a. Homeoffice, iPhones für alle Mitarbeiter, Nutzung von Poolwagen statt ÖPNV, Maskenpflicht im Büro und verstärkte Hygienemaßnahmen. Für eine effiziente Kommunikation und für die Entwicklung weiterer Maßnahmen haben wir ein Corona-Team etabliert. Unsere stärkste Herausforderung: Die spontane Umstellung auf (fast) ausschließliche Arbeit im Homeoffice, toll unterstützt dank schneller Einführung von MS-Teams und der Nutzung bereits etablierter Online-Tools. Unser Arbeitsstil und Themen wie digitale Führung entwickeln sich dank Austausch und Zusammenhalt enorm weiter.

HRP: Was sind für Sie Faktoren, die einige Unternehmen in dieser Krise besser machen als andere?

Friederichs: In einem mittelständischen, inhabergeführten Unternehmen können wir schnell und flexibel aufgrund unserer kurzen Entscheidungswege reagieren und diese Stärke nutzen. So hatten wir in Verbindung mit dem Homeoffice einen Ausgleich aller entstehenden Minusstunden bis Ende Mai zugesagt. Uns war klar, dass Mitarbeiter mit Familien vor besonderen Herausforderungen stehen, weshalb wir Sicherheit vermitteln: Der Job ist sicher; wir sind finanziell abgesichert. Unser Social-Collaboration-Tool ermöglicht allen Mitarbeitern einen schnellen Austausch zu wichtigen Informationen. Schritte zum Wiederaufleben unseres Büros entscheiden wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern.

Unser Corona-Team hat in kürzester Zeit eigene Stoffmasken fertigen lassen – noch lange bevor die Mund-Nasen-Bedeckung deutschlandweit zur Pflicht wurde. Die ersten selbst genähten Stoffmasken haben wir von unserem Werk in Tschechien geschenkt bekommen.

HRP: Wie gehen Sie mit Berufen und Tätigkeiten in Ihrem Unternehmen um, die nicht im Homeoffice erledigt werden können?

Friederichs: Unsere Entwicklungsabteilung, die auf spezielle Laboraufbauten angewiesen ist, arbeitet im Schichtmodell. Wir haben ermittelt, wer welchen Raum nutzt, Kaffeeküchen inklusive. In HR wechseln wir uns ab, sodass jeder aus dem Team alle zwei Wochen für einen Tag im Büro vor Ort ist. Unser Office Management ist nur mit einer Person besetzt und unterstützt auch andere Abteilungen, die etwas aus dem „Büro“ benötigen oder beim Versand. Wir nutzen individuelle Maßnahmen und behalten dabei auf jeden Fall im Auge, wer an welchem Tag im Unternehmen ist.

HRP: Wie können in bzw. nach dieser Zeit Personalberater und Interimsmanager helfen?

Friederichs: Sicherlich in Projekten, wo spezielle Fachkenntnisse notwendig sind oder auch um fixe Kosten zu reduzieren. Bei unserer SAP-Einführung werden wir auf entsprechendes Know-how zurückgreifen. Auch bei der Wissensvermittlung über Online-Tools benötigen wir darin qualifizierte Trainer. Grundsätzlich erwarte ich aber einen Rückgang bei der Nutzung von externen Anbietern.

HRP: Was sind für Sie die wesentlichen Merkmale von „New Work nach Corona“?

Friederichs: Eine deutliche, andauernde Weiterentwicklung der digitalen Arbeitswelt – dabei ist es für mich völlig unerheblich, ob wir es „New Work“ oder anders nennen. Unterschiedliche Möglichkeiten zur Arbeitserleichterung werden sich etablieren, je nach Unternehmen und Geschäftsmodell. Daher gilt für mich hier ein „sowohl als auch“. Sicherlich werden wir die Flexibilität von mobiler Arbeit stärker nutzen und tatsächliche Arbeitsorte anders betrachten. Geschäftsreisen werden überprüft und in virtuellen, cloudbasierten Workspaces stattfinden können. Die Themen IT-Sicherheit und Schulung der Mitarbeiter darin werden wichtiger denn je, ebenso wie vernetzte Arbeitsweisen stärker in den Mittelpunkt rücken und veraltete Führungsverhalten aufbrechen werden.

HRP: Vielen Dank für das Gespräch.

(erschienen in HR Performance 3/2020)

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