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"Umsonst ist wenig, oft bezahlt man mit seinen Daten"

Interview mit Thomas Jenewein, Training & Enablement, Business Development & Digital Sales Europe, SAP Deutschland SE & Co. KG

HRP: Wieso muss sich Ihrer Meinung nach der Ansatz im Lernen vom Reporting zu Analytics entwickeln?

Thomas Jenewein: Reporting blickt meist rückwärts und bezieht sich auf einfache Kennzahlen. Dies kann inzwischen automatisiert werden und als Self-Service über APPs oder einfach online zur Verfügung gestellt werden. Analytics geht zudem einen Schritt weiter als nur Zahlen zur Verfügung zu stellen – es geht um die Analyse, Interpretation von Daten sowie auch die Betrachtung des Einflusses oder Outputs. Ein Beispiel ist die Anzahl von Buchungen versus Einfluss einer Lernmaßnahme auf eine Kennzahl wie Fluktuation, Anzahl der Kundenbeschwerden etc.

Es gibt zudem neue Möglichkeiten wie Vorhersagen, Empfehlungen, Chatbots und Assistenten. Daten und deren Analyse sind dabei stets unersetzlich.

Lernen in Unternehmen ist nicht mehr das einmal durchgeführte Seminar oder eine kurze Intervention. Es ist in einer sich ständig ändernden Umwelt ein permanenter Prozess (mit den damit verbundenen Kosten). Die entsprechenden Ressourcen effizient einzusetzen, ist ein legitimes Interesse eines Unternehmens. Die Steuerung des Ressourceneinsatzes durch Prüfung der Wirksamkeit von Lernangeboten ist ein wichtiges Ziel von Learning Analytics.

HRP: Welche noch nicht ausgeschöpften Potenziale sehen Sie für Analytics im Bereich Lernen?

Jenewein: Früher wurden Reportings oft zur Rechtfertigung von Lernmaßnahmen benutzt. Die Nutzung von Daten und ihre Analyse kann jedoch auch den Lernern helfen, was ich als Potenzial sehe – sei es für eine bessere Personalisierung oder für Empfehlungen, was andere ähnliche Lerner gut finden. So kann man Mitarbeitern zum Beispiel beim Umgang mit der Wissensflut helfen.

Ein weiterer Punkt ist die sogenannte Augmentierung: Wissen, wo und wann man es benötigt, zur Verfügung zu stellen. Auch hier sind Daten notwendig. Auch kann man inzwischen regelmäßiger Analysen fahren, um eine Baseline zu bekommen: So kann man beispielsweise im Rahmen von Transformationen sehen, wie sich bestimmte Meinungen ändern.

HRP: Wo liegen noch versteckte Daten mit wichtigen Infos?

Jenewein: Das sind sicher erfahrungsbasierte Daten – und das „in Bezug setzen“ mit anderen, eher transaktionalen Daten. Natürlich ist viel korrelativ – und eine Interpretation ist daher immer wichtig, sowie eine Prüfung der Muster in Datensätzen, damit sich keine Verzerrungen ergeben (beispielsweise weil zu viele Männer/Junge/Alte Teil einer Stichprobe sind).

HRP: Was sind für Sie wichtige Lern-Trends 2020?

Jenewein: Sicherlich Learning Experience Design & Management (dazu habe ich bereits einen umfassenden Artikel veröffentlicht: https://www.linkedin.com/pulse/learning-experience-management-design-ein-neues-thomas-jenewein/). Zudem sehen wir, dass die Annahme einiger Trends weiter vorangeht, wie Mobile & Blended Learning, AR & VR, Machine Learning & Chatbots. Bei Social Learning sind zudem nicht-digitale Ansäte wie Mentoring, WOL, Coaching etc zu nennen.

Ein Trend ist sicher auch, dass in vielen Berufen eine Umschulung nötig sein wird – also Lernen wird allgemein wichtiger. Inwieweit sich jedoch der Megatrend Nachhaltigkeit auf das Lernen auswirkt, ist noch unklar – kommt aber sicher auch.

HRP: Welche Rolle spielt das Thema Weiterbildung Ihrer Erfahrung nach im „War of talents“?

Jenewein: Schon immer zentral, oft aber nicht entsprechend gewürdigt. Einmal sind Perspektive und Entwicklungsmöglichkeiten wichtig für den Employer Brand sowie die Attraktivität für Bewerber. Auch kann ich mir inzwischen gar nicht mehr jeden Skill auf dem Arbeitsmarkt holen, sondern ich muss Menschen entsprechend (intern/extern) weiterentwickeln.

HRP: Kein Weiterbildungstool funktioniert ohne die Verarbeitung personenbezogener Daten. Wie müssen sich Arbeitnehmer und -geber hier hinsichtlich der DS-GVO und dem Datenschutz noch umstellen?

Jenewein: Ich glaube, dass die Firmen in Deutschland gut aufgestellt sind mit ihrem Fokus auf Datenschutz und Mitbestimmung. Ein Problem können höchstens externe Lernquellen werden, die Mitarbeiter selbst einkaufen, wenn hier Daten ungeklärt genutzt werden – besonders in den USA oder Asien wird ja mit personenbezogenen Daten anders umgegangen. Allen sollte klar sein: Umsonst ist wenig, oft bezahlt man mit seinen Daten. Ein Spezialfall sind kostenfreie Inhalte im Sinne von openEducational Ressources – hier gilt es eher inhaltich zu prüfen, was relevant für welche Zielgruppe ist im Sinne einer Kuratierung.

HRP: Vielen Dank für das Interview.

Weitere Infos:

Auf der Learntec 2020 zeigt SAP nicht nur Software, sondern veranstaltet verschiedene Vorträge in der Learning Lounge: Learning Analytics bis Learning Experience und viele mehr. Hier finden sich die Info zum Stand und der Link zur Agenda:  https://www.sap.com/germany/about/events/2020-01-28-de-pe-learntec.html

Blog zum Thema Learning Analytics inklusive Folien & Videoaufnahme einer Veranstaltung: https://www.linkedin.com/pulse/learning-analytics-virtueller-roundtable-mit-theorie-praxis-jenewein/

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