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Vier-Tage-Woche und nur sechs Stunden arbeiten

1918 wurde der Acht-Stunden-Tag eingeführt. 1967 folgte die Fünf-Tage-Woche mit dem freien Samstag. Wieder 50 Jahre später ist die Zeit reif für die Vier-Tage-Woche mit der Sechs-Stunden-Arbeitszeit. Die neue finnische Premierministerin Sanna Marin hat diese Forderung anscheinend bereits fest für Finnland eingeplant. Die finnische Regierung hat dies wieder dementiert. Einen Plan für eine entsprechende Einführung gibt es im Regierungsprogramm derzeit nicht. Die Ideen habe Frau Marin allerdings schon geäußert und damit schlussendlich eine internationale Diskussion angestoßen.

Die Zeit ist reif, die Beschäftigten am Fortschritt der letzten fünfzig Jahre teilhaben zu lassen. Weder durch die Einführung des Acht-Stunden-Tages noch durch die Fünf-Tage-Woche ist die Wirtschaft eingebrochen. Diese Umstellungen haben die Innovationen in der Arbeitswelt sogar noch beschleunigt. Die Digitalisierung hat unsere Welt verändert. Nur in puncto Arbeit kleben wir noch an den alten Strukturen. Dass der Gedanke von Sanna Marin überhaupt nicht utopisch ist, zeigen die vielen Unternehmen, die dieses Modell in Varianten bereits erfolgreich testen und leben. Microsoft führte in Japan im August letzten Jahres die Vier-Tage-Woche testweise ein. Ein neuseeländisches Finanzunternehmen, das 2018 das wöchentliche Arbeitspensum auf 30 Stunden reduzierte, stellte wie Microsoft, ebenfalls eine Steigerung der Produktivität unter den Mitarbeitenden fest.

Rheingans hat den Geist der Zeit getroffen

Lasse Rheingans hat in seiner Bielefelder Agentur Digital Enabler vor zwei Jahren den Fünf-Stunden-Arbeitstag eingeführt. Und zwar ohne Lohnausgleich nach unten. Der Verdienst ist gleich geblieben. Rheingans hat den Geist der Zeit getroffen. Immer mehr Menschen wollen weniger fest arbeiten – am Tag, in der Woche, im Jahr und im Leben. Noch gehen Politik, Gewerkschaften und Unternehmen das Thema sehr zaghaft an. Das Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) und das Karrierenetzwerk XING haben in einer repräsentativen Befragung ermittelt, dass sich knapp die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit wünschen. 39 Prozent würden dafür sogar eine geringere Bezahlung akzeptieren. „Freie Zeit wird zu einem immer wichtigeren Gut. Und das gilt für alle Generationen“, sagte Jutta Allmendinger, Chefin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung in Berlin.

Wir kennen und hören alle hunderte von Gründen, warum das nicht gehen kann. Wer einmal anfängt hunderte von Argumente zu sammeln, warum es geht und weshalb es gut ist, wird erstaunt sein. Fangen wir beim Klima an. Weniger Arbeitstage bedeuten weniger Verkehr. Unser Wirtschaftssystem ächzt unter den steigenden Abgabenlasten für Soziales und für die Bildung. Mehr Freizeit könnte den Druck aus diesen Kesseln nehmen. Wir wissen, dass unser und das globale Wirtschaftssystem vor einem massiven Umbruch stehen. Ein "weiter so!" funktioniert nicht mehr. Unsere Welt ist dafür inzwischen zu klein geworden. Die Produktion ist die eine Seite. Die Bewahrung der Welt und der Menschen ist die andere Seite. Dafür engagieren sich weltweit viele Menschen. Weniger Arbeitszeit und mehr Zeit für uns Menschen kommt der ganzen Welt zugute. Es wäre schön, wenn alle Verantwortlichen, Entscheider und Personaler ihre Energien in die Entwicklung neuer Lösungen stecken würden, statt nur auf der Bremse zu stehen. Wussten Sie, dass die glücklichsten Menschen in Skandinavien leben? Ein Grund mehr, den Ideen von Sanna Marin, der jüngsten Regierungschefin der Welt, mit Leben zu füllen.

Autor: Franz Langecker
(Foto: AdobeStock/tatomm)

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