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Was Arbeitnehmer beschäftigt – unbezahlte Überstunden, Gender-Pay Gap und psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

In der Studie „ADP Workforce View in Europe 2019“ wurden über 10.000 Arbeitnehmer in Europa, darunter Deutschland, befragt, wie sie sich zu aktuellen Themen am Arbeitsplatz und zur Zukunft der Arbeit fühlen. Die Ergebnisse geben dabei interessante Einblicke in die Gedankenwelt, Wünsche und Ziele.

Jüngere Generationen sind nicht mehr bereit, den Gender Pay Gap zu akzeptieren

Demnach nimmt die Unterstützung für die Offenlegung des Gender Pay Gap in ganz Europa und auch in Deutschland zu. Die Studie zeigt, dass von den vier europäischen Generationen am Arbeitsplatz die Millennials zum Gender Pay Gap die stärkste Meinung haben. In Deutschland ziehen rund 60 Prozent der jüngsten Mitarbeiter (16 bis 24 Jahre) es in Betracht, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen, wenn diese einen Gender Pay Gap aufweist und ein Viertel (25,5 Prozent) gab an, definitiv das Unternehmen zu verlassen. In Deutschland stimmen einer Offenlegung des Gender Pay Gaps grundlegend rund 29 Prozent aller Arbeitnehmer zu, wobei auch hier die Zustimmung unter den Millennials die höchste ist mit 75,3 Prozent.

In Deutschland gibt es europaweit die meisten unbezahlten Überstunden

Ein weiteres Thema, das stark in der Diskussion steht, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Die Workforce-View-Ergebnisse deuten darauf hin, dass Arbeitgeber auch heute noch unrealistische Erwartungen an die Arbeitnehmer stellen, was dazu führt, dass sie länger arbeiten als vereinbart - und meistens, ohne dafür ordentlich entlohnt zu werden. Dabei ist Deutschland Spitzenreiter bei unbezahlten Überstunden: Rund 71 Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig unbezahlte Überstunden zu leisten. Es folgen Spanien (67 Prozent) und Großbritannien (66 Prozent), wohingegen Polen mit 43 Prozent im Vergleich am wenigsten unbezahlte Überstunden aufweist. In Deutschland gaben rund elf Prozent an, dass sie mehr als zehn Stunden pro Woche ohne finanziellen Ausgleich ableisten. Unbezahlte Überstunden nehmen auch bei den jüngsten Beschäftigten deutlich zu. 10 Prozent der 16- bis 24-Jährigen in Deutschland geben an, mehr als zehn Stunden pro Woche zu leisten.

„Es ist die Aufgabe von Führungskräften, realistische Arbeitsbelastungen und Erwartungen festzulegen, während sichergestellt wird, dass die Mitarbeiter über die Ressourcen und die Unterstützung verfügen, die es ihnen ermöglichen, ihre Ziele innerhalb der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit zu erreichen“, so Steven van Tuijl, Managing Director ADP Germany & Poland. „Es gibt einen Handlungsbedarf, um den Fokus von der Menge der geleisteten Arbeitsstunden auf die Qualität der Produktion zu verlagern. Dies geht zurück auf die übergeordnete Frage, wofür Mitarbeiter arbeiten. Wenn Überstunden wirklich notwendig sind, müssen die Arbeitgeber dafür sorgen, dass die zusätzlichen Stunden belohnt und anerkannt werden.“

Deutsche Arbeitnehmer sprechen ungerne über das Thema psychische Gesundheit

Obwohl zahlreiche Kampagnen das Bewusstsein für psychische Probleme am Arbeitsplatz gestärkt haben, deuten die Studienergebnisse darauf hin, dass dies nicht an allen Arbeitsplätzen zum Ausdruck kommt und Tabus rund um die psychische Gesundheit nach wie vor die Regel sind. In Deutschland würden weniger als die Hälfte der Arbeitnehmer (40 Prozent) über ihre mentalen Probleme mit Kollegen sprechen und nur rund 33 Prozent würden sich befreundeten Kollegen anvertrauen. Dabei würden rund 20 Prozent niemandem von ihren seelischen Problemen an ihrer Arbeitsstelle erzählen.

Die Daten deuten auch darauf hin, dass sich diese Einstellungen bei jüngeren Generationen ändert: Von den Befragten im Alter zwischen 16 und 25 Jahren würden 55 Prozent sich an befreundete Kollegen wenden und nur vier Prozent würden niemandem im Job von ihren mentalen Problemen erzählen. Immerhin würden sich rund 15 Prozent der deutschen Millenials an die HR-Abteilung wenden. Dagegen würden dies bei den über 45-Jährigen nur sechs bis sieben Prozent der Befragten tun. Erschreckend: Nur rund sechs Prozent vertrauen ihrem Chef so sehr, dass sie sich ihm anvertrauen würden. Dies könnte bedeuten, dass viele Mitarbeiter die entscheidende Unterstützung verpassen, die sie zur Bewältigung psychischer Probleme bei der Arbeit benötigen.

Steven van Tuijl: „Mit Zahlen, die belegen, dass jeder vierte Mensch in seinem Leben an einer psychischen Erkrankung leidet, ist es besorgniserregend, wie viele Mitarbeiter sich nicht wohl fühlen würden, sich am Arbeitsplatz darüber offen zu äußern. Psychische Gesundheitsprobleme sind häufig für Fehlzeiten am Arbeitsplatz verantwortlich und es gibt keinen Grund, warum sie nicht auf dieselbe Weise behandelt werden sollten wie körperliche Krankheiten und nicht als etwas, für das man sich schämen muss.“

Moderne flexible Arbeitszeitmodelle und die Vier-Tage-Woche werden immer beliebter

Die Idee der viertägigen Arbeitswoche hat sich in den letzten Jahren weiter durchgesetzt. Zahlreiche Quellen prognostizieren, dass sie die Produktivität revolutionieren, die Work-Life-Balance der Mitarbeiter verbessern und den Stress senken kann. Angesichts der steigenden Nachfrage der Mitarbeiter deuten die Zahlen darauf hin, dass Arbeitgeber die Idee ernst nehmen sollten. Laut Workforce View, würde etwa die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer (54 Prozent) sich für eine viertägige Arbeitswoche entscheiden, wenn sie die Wahl hätten. Gründe dafür könnten die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie sowie andere Verantwortlichkeiten sein. Die Befragten teilen sich, hinsichtlich der Auswirkungen auf ihre Gesamtstunden und das Gehalt, in zwei Gruppen auf: Etwa 39 Prozent gaben an, dass sie es vorziehen würden, an vier Tagen länger zu arbeiten, um das gleiche Gehalt zu verdienen, hingegen würden 15 Prozent ein reduziertes Entgelt bevorzugen und dafür pro Tag die gleichen Stunden wie zuvor arbeiten wollen.

Hierzu sagte Steven van Tuijl: „Es gibt auch Anzeichen dafür, dass eine viertägige Woche dazu beitragen kann, die Gendervielfalt am Arbeitsplatz zu verbessern, indem es Paaren erleichtert wird, familiäre Verpflichtungen zu bewältigen und so mehr Frauen die beruflichen Möglichkeiten voll ausschöpfen können. Dies ermöglicht jedem, die eigene Leidenschaft bei der Arbeit zu verfolgen und gleichzeitig ein erfülltes Zuhause zu schaffen, während dem Büro eine größere Vielfalt verliehen wird. Letztendlich ist es ein Gewinn für das Wohlbefinden und das Engagement der Mitarbeiter - zwei zunehmend wichtige Faktoren für den Erfolg moderner Unternehmen."

Freiberufliche Tätigkeiten werden unbeliebter

Die Idealisierung von freiberuflicher Tätigkeit und der Selbstständigkeit schwindet in Europa. Laut Workforce-View-Studie ist die Anzahl der Erwerbstätigen, die den unabhängigen Lebensstil seit 2017 in Erwägung zogen, um 11 Prozentpunkte gesunken auf nur 15 Prozent in diesem Jahr. Mehr Arbeitnehmer sagen auch, dass sie kein Interesse daran haben, sich selbstständig zu machen - fast die Hälfte (47 Prozent), gegenüber einem Drittel (32 Prozent) im Jahr 2017. Die Daten zeigen darüber hinaus einen leichten Anstieg der lebenslangen Beschäftigung von Arbeitnehmern in einem Unternehmen. Etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent) der Befragten rechnen damit, für den Rest ihrer Karriere in ihrem aktuellen Unternehmen zu bleiben; ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

In Deutschland glauben unter zehn Prozent, dass sie kürzer als zwölf Monate bei ihrem aktuellen Arbeitgeber bleiben werden. Interessanterweise zeigt sich bei diesen knapp zehn Prozent im Gendervergleich, dass fast doppelt so viele Frauen (12,30 Prozent) nur maximal ein Jahr im aktuellen Unternehmen bleiben wollen, im Vergleich zu Männern (6,53 Prozent). Ein Drittel der deutschen Befragten (29,90 Prozent) hat vor, den Rest ihres Arbeitslebens in dem Unternehmen zu bleiben, bei dem sie jetzt arbeiten. Weitere bemerkenswerte Zahlen der deutschen Befragten zeigen sich im Generationenvergleich: Ein Drittel der Millennials (16-34 Jahre) glauben in ihrem Unternehmen maximal ein Jahr zu bleiben, während bei den 45- bis 55+-Jährigen sich die Zahl auf rund die Hälfte davon (15 Prozent) beläuft. Zuvor wuchs in Europa die Beliebtheit von Selbstständigkeit und Freelance-Aktivitäten, die durch den Wunsch nach flexibleren Arbeitsweisen angetrieben und unterstützt durch neue Technologien, die das selbständige Arbeiten wesentlich einfacher machten als in der Vergangenheit. Diese Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass sich die Wende jetzt ändert, da politische und wirtschaftliche Unsicherheiten dazu führen, dass Mitarbeiter die Sicherheit von unbefristeten Verträgen bevorzugen.

Quelle: ADP

(Fotos: Automatic Data Processing)

 

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