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Freiberufliche Tätigkeiten werden in ganz Europa unbeliebter

Die Idealisierung von freiberuflicher Tätigkeit und Selbstständigkeit schwindet in Europa. Dies geht aus einer neuen Studie von ADP hervor, in der die Anzahl der Erwerbstätigen, die den unabhängigen Lebensstil seit 2017 in Erwägung zogen, um 11 Prozentpunkte gesunken ist – auf nur 15% in diesem Jahr. Mehr Arbeitnehmer sagen auch, dass sie kein Interesse daran haben, sich selbstständig zu machen - fast die Hälfte (47%), gegenüber einem Drittel (32%) im Jahr 2017.

Die ADP Workforce View Europe 2019, an der mehr als 10.000 befragte Beschäftigte teilgenommen haben, zeigt darüber hinaus einen leichten Anstieg der lebenslangen Beschäftigung in einem Unternehmen. Etwas mehr als ein Viertel (27%) der Befragten rechnen damit, für den Rest ihrer Karriere in ihrem aktuellen Unternehmen zu bleiben; ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Die Beschäftigten in Europa glauben im Durchschnitt, dass sie bei ihrem jetzigen Arbeitgeber knapp viereinhalb Jahre bleiben werden, ein leichter Anstieg gegenüber 2018.

In Deutschland glauben weniger als 10%, dass sie weniger als ein Jahr bei ihrem aktuellen Arbeitgeber bleiben werden. Interessanterweise zeigt sich bei diesen knapp 10% im Gendervergleich, dass fast doppelt so viele Frauen (12,30%) nur maximal ein Jahr im aktuellen Unternehmen bleiben wollen, im Vergleich zu Männern (6,53%). Ein Drittel der deutschen Befragten (29,90%) hat vor, den Rest ihres Arbeitslebens in dem Unternehmen zu bleiben, bei dem sie jetzt arbeiten.

Ein Drittel der Millennials glauben, maximal ein Jahr in ihrem Unternehmen zu bleiben

Weitere bemerkenswerte Zahlen der deutschen Befragten zeigen sich im Generationenvergleich: Ein Drittel der Millennials (16-34 Jahre) glauben in ihrem Unternehmen maximal ein Jahr zu bleiben (31,20%), bei den 45 bis 55+ Jährigen beläuft sich die Zahl dagegen nur auf rund 15%. Auch unter den Branchen gibt es deutliche Unterschiede. Im Bereich Kunst und Kultur sind alle Befragten der Meinung, dass sie länger als ein Jahr bei dem aktuellen Arbeitgeber bleiben werden, im Gegensatz zu dem Bereich Sales, Medien und Marketing, wo rund 11% sogar davon ausgehen, weniger als sechs Monate zu bleiben. Die Anzahl derjenigen, die glauben maximal ein Jahr in der Branche zu bleiben, verdoppelt sich auf 23,10%. Aus den Bereichen Finanzdienstleistungen, Travel & Transport, Erziehung und Gesundheitswesen sind gut ein Drittel der Befragten überzeugt den Rest ihres Lebens bei der aktuellen Firma zu bleiben (zwischen 31 und 38%). Regional betrachtet sind die Bremer ihrem aktuellen Arbeitgeber gegenüber am loyalsten: Keiner würde unter einem Jahr bleiben, dagegen würde die Hälfte (46,20%) den Rest ihres Lebens am aktuellen Arbeitsplatz bleiben. In Berlin arbeiten die meisten Befragten, die glauben spätestens nach einem Jahr den Job zu wechseln (14,50%). Im Bundesvergleich sind dort auch die wenigsten Arbeitnehmer dazu bereit, ihr komplettes Arbeitsleben beim aktuellen Arbeitgeber zu verbringen (21,10%).

Zuvor wuchs in Europa die Beliebtheit von Selbstständigkeit und Freelance-Aktivitäten, die durch den Wunsch nach flexibleren Arbeitsweisen angetrieben und unterstützt durch neue Technologien, die das selbständige Arbeiten wesentlich einfacher machten als in der Vergangenheit. Diese Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass sich die Wende jetzt ändert, da politische und wirtschaftliche Unsicherheiten dazu führen, dass Mitarbeiter die Sicherheit von unbefristeten Verträgen bevorzugen.

Selbstständigkeit: beliebt in Italien, Großbritannien und Polen

Selbstständigkeit ist in einigen Ländern Europas nach wie vor beliebter als in anderen, wobei mehr als zwei Drittel der italienischen Arbeitnehmer (68%) entweder ein Interesse an freiberuflicher Tätigkeit zeigen oder bereits unabhängig arbeiten, dicht gefolgt von denen in Großbritannien und Polen (62%). Im Gegensatz dazu teilen nur 44% der deutschen und 41% der niederländischen Arbeitnehmer dieses Interesse an der Selbstständigkeit.

Die 44% bilden den Durchschnitt aller Branchen und Generationen. Betrachtet man diese gesondert, ergibt sich, dass jüngere Mitarbeiter einer Selbstständigkeit weniger ablehnend gegenüberstehen als ihre älteren Kollegen. Weniger als die Hälfte der 16 bis 44-Jährigen würden keine Selbstständigkeit in Betracht ziehen (zwischen 42 und 49%). Dahingegen lehnen rund 64% der 45 bis 54-Jährigen und über 70% der Befragten in der Altersgruppe 55+ eine Selbstständigkeit ab. Dies zeigt, dass die Hälfte aller Mitarbeiter im frühen und mittleren Arbeitsleben die Selbstständigkeit in Betracht ziehen würden. Da eine Selbstständigkeit mit viel initialem Aufwand und Risiko verbunden ist, erscheint es nahe liegend, dass Mitarbeiter ab einem gewissen Arbeitsalter eher in einem Angestelltenverhältnis bleiben möchten.

Die Mitarbeiter aus dem Bereich Gesundheitswesen lehnen die Selbstständigkeit überwiegend ab (63,80%). Anders bei den Mitarbeitern aus dem Bereich Sales, Medien und Marketing: Nur 39,50% dieser Gruppe stehen einer Selbstständigkeit ablehnend gegenüber.

Steven van Tuijl, Managing Director ADP Germany & Poland kommentierte die Ergebnisse: „Die Selbstständigkeit kann bestimmten Fachleuten eine fantastische Lebensweise bieten, aber wie bei jeder Berufswahl ist dies nicht jedermanns Sache. Eine große Anzahl von Mitarbeitern hat sich in den letzten Jahren für den Weg in die Selbstständigkeit entschieden, angezogen von Freiheit, Flexibilität und Kontrolle über ihre Zeit und ihren Lebensstil. Viele werden jedoch auch mit der Unsicherheit, Einsamkeit und mit erheblichen Verwaltungslasten zu kämpfen haben.

Mit dem Eintritt in eine Zeit der Ungewissheit scheint es, als hätten wir - zumindest für den Moment – den "Freelancer-Höchststand" erreicht, da die Mitarbeiter die Vorteile einer sicheren, dauerhaften Arbeit neu bewerten. Gleichzeitig hinterfragen immer mehr Mitarbeiter, wofür sie wirklich arbeiten und streben nach einer besseren Harmonie zwischen Beruf und Familie, auf die Unternehmen zunehmend mit neuen Maßnahmen reagieren. Immer mehr Unternehmen suchen nach flexiblen Arbeitsmethoden, um eine bessere Arbeitsweise zu entwickeln, die es den Menschen ermöglicht, individueller zu leben. Aber die Arbeitgeber dürfen nicht nachlassen. Die Selbstständigkeit ist für viele Arbeitnehmer immer noch eine attraktive Option. Unternehmen müssen daher sicherstellen, dass sie weiterhin um ihre Mitarbeiter konkurrieren und ihre Angebote verbessern.“

Über die Studie

„The Workforce View in Europe 2019“ untersucht die Einstellung der Mitarbeiter zur Zukunft der Arbeit. Die Untersuchung für ADP wurde im Oktober 2018 von der unabhängigen Marktforschungsagentur Opinion Matters durchgeführt. Die Stichprobe bestand aus 10.585 erwerbstätigen Erwachsenen in acht europäischen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich.

Quelle: ADP
(Foto: leowolfert/Fotolia)

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