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Learning Leadership

Learning Leadership: In Deutschland fehlt das Bewusstsein für die Entwicklung von Führungsidentität

Die alte Arbeitswelt stößt an ihre Grenzen. Noch hat die klassische Führungspyramide nicht ausgedient, doch neue Konzepte von Zusammenarbeitskultur oder Un-bossing entsprechen dem Bedarf der digitalen Arbeitswelt von heute und stehen für eine neue Art der Führung. Wie wird das in der Führungskräfteausbildung verankert? Noch immer fehlen in der universitären Ausbildung in Deutschland fundierte Lehrpläne und Entwicklungsprogramme für künftige Führungskräfte. Prof. Dr. Katharina Lochner, Wirtschaftspsychologin, und Prof. Dr. Britta Ruhnau, Fachdozentin für Quantitative Methoden, von der University of Applied Sciences Europe setzen neue Konzepte bereits um.

„Häufig herrscht in Unternehmen die Auffassung, dass Führungsqualität einfach nur ein Mehr an Fachkompetenz ist. Tatsächlich erfordert Führung jedoch Kompetenzen, die sich teilweise stark von Fachkompetenzen unterscheiden. Beispielsweise muss sich eine Führungskraft von der Idee verabschieden, fachlich kompetenter zu sein als die eigenen Mitarbeiter. Dafür muss sie einschätzen lernen, an welche Mitarbeiter welche Aufgabe delegiert werden kann. Befördert man also die Person mit der höchsten Fachkompetenz, hat man möglicherweise eine gute Fachkraft verloren und eine schlechte Führungskraft gewonnen“, erklärt Prof. Dr. Katharina Lochner.

"Die frühe Entwicklung von Führungskompetenzen hat weitreichende Effekte"

Prof. Dr. Britta Ruhnau ergänzt: „Aus der Forschung wissen wir, dass sich die Führungsidentität bereits in der Kindheit zu entwickeln beginnt, und dass sie durch Erfahrungen in der Ausbildung stark mitgeprägt wird. Daher sollten junge Menschen bereits in der Ausbildung darüber reflektieren, ob Führung etwas ist, was sie langfristig anstreben, und dann entsprechend bei der Entwicklung unterstützt werden. Die frühe Entwicklung von Führungskompetenzen hat weitreichendere Effekte als eine spätere Entwicklung. Oftmals wird im Studium sehr auf Wissen rund um Führungstheorien und -stile fokussiert, die Reflexion steht jedoch eher selten im Vordergrund. Was bedeutet Führung denn eigentlich für mich? Eine solche Selbstreflexion sollte im Studium aktiv begleitet werden durch praktische Übungen und gezielte Simulationen, in denen sie die entsprechenden Kompetenzen trainieren und Feedback erhalten. Erfahrungen kann man aber beispielsweise auch in der Freizeit im Sportverein oder bei freiwilligem Engagement sammeln.“

„Aktuell wandeln sich die Anforderungen an Führungskräfte durch die Digitalisierung und Globalisierung grundsätzlich. So müssen in interkulturellen Teams Mitarbeiter geführt werden, die in Bezug auf Führung anders sozialisiert sind als bei uns. Die Führung virtueller Teams erfordert verstärkt Kompetenzen wie Kommunikation, Mediation und Coaching. Darüber hinaus sind durch verschiedene Skandale in den Führungsetagen großer Konzerne die Themen Etik und Integrität in den Fokus gerückt. Daher ist es entscheidend, bereits zu einem frühen Zeitpunkt das Bewusstsein zu schaffen, wie anfällig Menschen für unethische und kontraproduktive Verhaltensweisen sind und welche massiven Auswirkungen diese haben können. Man sollte darüber reflektieren, wie derartige Verhaltensweisen vermieden werden können“, fügt Prof. Dr. Katharina Lochner hinzu.

Quelle: University of Applied Sciences Europe
(Foto: Coloures-Pic/Fotolia)

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