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Drei wichtige Trends für Personaler

Mitarbeiter im „Schleudergang"

Barbara Frett, Personalmanagerin und Unternehmerin aus Aachen, sieht drei Entwicklungen im HR-Bereich, die Personaler beachten sollten

Die Arbeitswelt befindet sich in einem drastischen Wandel. Die Digitalisierung und der Generationswechsel tragen dazu bei, dass etliche HR-Dogmen über Bord geworfen werden (müssen) und sich neue Arbeitsplatz- und Arbeitszeitmodelle ergeben. Für die Unternehmen ist damit ein tiefgreifender Change-Prozess in Sachen Personalmanagement in Gang gesetzt worden.
Die Aachener Personalberaterin und langjährige HR-Managerin Barbara Frett sieht drei Entwicklungen für die kommenden Jahre, an die sich die Unternehmen gewöhnen müssen.

1. Work-Life-Separation statt Work-Life-Blending

Besonders der Siegeszug der Smartphones und Tablets hat dazu geführt, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit in den vergangenen Jahren immer mehr verschwommen sind. Schnell mal die beruflichen E-Mails auf dem Sofa abrufen oder private Chats am Arbeitsplatz beantworten, ist heute vielerorts üblich. Das Handy ist immer dabei.
Mit der Generation Z ist eine Generation an Arbeitskräften in den Arbeitsmarkt getreten, die Freizeit wieder als wertvolles Gut betrachten. Mehrere Befragungen in den letzten Monaten (u.a. XING im Oktober 2018) zeigen, dass die Mehrheit der jungen Berufstätigen eine stärkere Trennung zwischen Beruf und Privatleben wünscht. Die Generation Z legt mehr Wert auf Familie als ihre Vorgänger und wird das Vermischen von Arbeit und Freizeit, das sogenannte Work-Life-Blending, nicht länger akzeptieren. Es ist für Personal also enorm wichtig, darauf zu achten, dass Beruf und Freizeit in Zukunft wieder stärker voneinander abgegrenzt werden.

2. Workplace Wellbeing rückt in den Fokus

Die Arbeitsplatzgestaltung ist von jeher ein Punkt, der in Unternehmen und in der gesamten Arbeitswelt dauerhaft diskutiert wird: Einzel- oder Großraum-Büros? Pflanzen und Kreativität am Schreibtisch erlauben oder nicht?

Immer wieder schauen deutsche Unternehmen dabei neidisch auf die amerikanischen Vorbilder Google, Facebook, Yahoo etc.
Klar ist, dass nur zufriedene Arbeitnehmer, die sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, gesund bleiben, gerne und besser arbeiten und dem Unternehmen länger treu bleiben.
Also errichten einige Unternehmen regelrechte Freizeitparks in dem Aufenthaltsbereich der Angestellten, ohne diese vorher zu fragen. Ob Rutsche, Kicker, Zockerecken oder Wellnessbereiche – es gibt wohl nichts, was es nicht gibt. Sie glaubten, damit das Nonplusultra an Wohlfühlelementen anbieten zu können.
Dennoch fand eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Appinio für den Murmann-Verlag getätigt hat, heraus, dass eben nicht dieser „Freizeitpark-Charakter“ Angestellte glücklich macht, sondern dass ein ungestörter Arbeitsplatz wesentlich wichtiger und häufiger (45 Prozent) gewünscht ist. Sicher wird es auch Mitarbeiter geben, die diese Freizeitparks im Büro cool finden und dort gerne den Großteil ihrer Lebenszeit verbringen würden.

Was ich damit sagen will: Statt irgendwelche Konzepte oder Ideen zu kopieren, sollten sich die Personaler (noch mehr) mit den Bedürfnissen ihrer Mitarbeitenden und den Anforderungen, die mit der Verrichtung der Arbeit einhergehen, gezielt auseinandersetzen. Entscheidend für einen nachhaltigen Erfolg ist eine auf das Wohlbefinden ausgerichtete Infrastruktur und Büroarchitektur. Es sollte eine Angebotsvielfalt an unterschiedlichen Arbeitsplatzsituationen im Büro bereitgestellt werden, die unterschiedliche Arbeitsstile unterstützen.

Aktuell, so sagt eine XING-Befragung unter 172 Personalern, nutzen nur 26 Prozent der Personaler Daten über das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter in die Bewertung Ihres Unternehmenserfolgs ein.

3. Cultural Fit wird Einstellungsvoraussetzung

„Was nicht passt, wird passend gemacht“ – Diesen Spruch darf es im Personalwesen nicht geben! Zum Glück ist der Trend hier spürbar positiv. Immer mehr Personaler berücksichtigen bei der Einstellung auch den sogenannten Cultural Fit, also inwieweit ein Kandidat mit der kulturellen Identität einer Firma übereinstimmt.
In einer zuletzt durchgeführten XING-Befragung gaben 84 Prozent der befragten Personaler an, schon mal Bewerbern abgesagt zu haben, obwohl sie fachlich gut für eine Vakanz geeignet gewesen wären.

Das Matching der kulturellen Werte von Kandidat und Unternehmen ist in meinen Augen extrem wichtig – für beide Seiten. Recruiter müssen die Bewerber systematisch auf kulturelle Passung im Bewerbungsprozess testen.

Quelle: Barbara Frett, FRETTWORK network GmbH 
(Foto: pathdoc/Fotolia)

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