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Weltweite Löhne 2019: Frisst die Inflation das Gehaltsplus auf?

2,5 Prozent werden die Löhne und Gehälter im laufenden Jahr in Westeuropa durchschnittlich steigen. Zieht man die Inflation ab, bleibt gerade einmal ein Reallohnzuwachs von 0,7 Prozent übrig. Für Nordamerika wird ein reales Plus von 0,6 Prozent prognostiziert, Schlusslicht sind Australien und Neuseeland mit 0,3 Prozent. Erfreulich für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Osteuropa: Da die Gehälter nominal um 6,6 Prozent steigen sollen, bleiben inflationsbereinigt immerhin 2,0 Prozent mehr im Portemonnaie. Mehr wird nur für Asien erwartet. Das ist das Ergebnis des jährlichen Global Salary Forecast 2019 der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry.

  • Angestellte in Osteuropa profitieren von der Wirtschaftslage im Westen
  • Asien mit 2,6 Prozent Reallohnzuwachs nach wie vor weltweiter Spitzenreiter, China verliert einen ganzen Prozentpunkt
  • Deutschland liegt in Europa im gehobenen Mittelfeld (1,0 Prozent inflationsbereinigt)

 

„Die Inflation ist im Vergleich zum Vorjahr noch einmal leicht angestiegen. Allerdings haben die Unternehmen die Nominallöhne nicht signifikant erhöht“, sagt Christine Seibel, Vergütungsexpertin bei Korn Ferry. „Die Folge: Erneut ist das reale Plus für die Beschäftigten in nahezu allen Weltregionen marginal. Selbst in der Boom-Region Asien ist es leicht rückläufig.“

Die geringsten Reallohnzuwächse in Westeuropa haben Schweden (0,1 Prozent), die Schweiz (0,2 Prozent) und Portugal (0,3 Prozent) zu erwarten. In Finnland werden die Löhne inflationsbereinigt überhaupt nicht steigen. Die kräftigsten Zuwächse werden für Luxemburg (1,3 Prozent), Dänemark und Irland (je 1,1 Prozent) prognostiziert. Deutschland liegt mit 1,0 Prozent im vorderen Mittelfeld. Großbritannien (0,6 Prozent) und Frankreich (0,5 Prozent) liegen deutlich dahinter.

„Immobilien und Aktien sind bis heute kein Bestandteil bei der Inflationsberechnung“, sagt Christine Seibel. „Bei niedrigen Zinsen bleiben faktisch gerade jungen und weniger einkommensstarken Menschen so kaum Möglichkeiten, langfristig Vermögen aufzubauen. Das marginale Gehaltsplus kann sich darum auch wie ein subjektiv empfundenes Minus anfühlen.“

Durchschnittliche Zuwächse von 2,0 Prozent inflationsbereinigt in Osteuropa

Anders sieht die Lage in den östlichen Staaten Europas aus. Durch hohe nominale Gehaltszuwächse kommen dort trotz steigender Inflation durchschnittlich 2,0 Prozent mehr Lohn bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an. In Tschechien werden die Menschen 2,6 Prozent mehr in der Tasche haben, in Lettland 2,2 Prozent und in Ungarn 2,0 Prozent. Unter 1,0 Prozent fällt nur Estland mit 0,8 Prozent. Spitzenreiter sind die volatilen Staaten Ukraine und Türkei mit 5,9 respektive 5,5 Prozent.

Christine Seibel sagt: „Durch die niedrigen Zinsen ist es nach wie vor schwer, Geld in Westeuropa anzulegen. Die Menschen suchen darum nach Anlagemöglichkeiten in anderen Wirtschaftsräumen oder konsumieren mehr. Davon konnten die Bürgerinnen und Bürger Osteuropas zuletzt durch steigende Wirtschaftsleistung profitieren. Hinzu kommt, dass Unternehmen zunehmend ihre Fertigungen aus Fernost oder Südamerika wieder zurückholen und im östlichen Teil Europas ansiedeln. Durch eine höhere Nachfrage nach Arbeitskräften konnten damit die Nominallöhne deutlicher als im Westen steigen.“

Seibel sagt: „Diese Situation führt allerdings dazu, dass in einigen Ländern ein regelrechter Kampf um Produktionsmitarbeiter ausgebrochen ist. Unternehmen rekrutieren direkt vor den Toren der Wettbewerber und locken mit mehr Geld. Das führt fortwährend zu steigenden Kosten. Unternehmen werden sich darum zukünftig mehr einfallen lassen müssen, um langfristig attraktiv zu bleiben und die Mitarbeiter nicht gleich an den nächsten Höchstbietenden zu verlieren.“

Asien führt nach wie vor die Tabelle an: Löhne steigen durchschnittlich um 2,6 Prozent real

Erneut liegt Asien bei den Lohngewinnen ganz vorn. Das Gehalt ist durchschnittlich um 5,6 Prozent nominal gestiegen. Inflationsbereinigt liegt das Durchschnittsplus bei 2,6 Prozent. „Das sind 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr“, sagt Christine Seibel. „Aber dennoch führt Asien die weltweite Tabelle nach wie vor mit Vorsprung an.“

In Indien erhalten die Menschen voraussichtlich 5,0 Prozent mehr Reallohn, in Vietnam sind es 4,8 Prozent und in Thailand 3,9 Prozent. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in China verlieren dagegen einen vollen Prozentpunkt beim Reallohnzuwachs und können mit einem Plus von nur 3,2 Prozent rechnen (Hong Kong: 1,7 Prozent). In Malaysia wachsen die realen Gehälter um 3,6 Prozent, in Singapur um 3,0 Prozent. Mit 0,1 Prozent Gehaltszuwachs liegt Japan zusammen mit Papua-Neuguinea (-1,2 Prozent) hinten.

Hohe Inflation in Lateinamerika und Afrika mindert Reallohnzuwächse signifikant

Größere Einbußen beim Gehaltsplus müssen Lateinamerika und Afrika hinnehmen. Sind die Reallöhne dort im Jahr 2018 noch um 2,1 respektive 1,7 Prozent im Durchschnitt gestiegen, können die Menschen in Lateinamerika dieses Jahr nur mit einem Plus von 1,3 Prozent rechnen. In Afrika sind es durchschnittlich 0,9 Prozent – und damit nähern sich beide Weltregionen an die Steigerungsraten der westlichen Industriestaaten an.

„Wie schon im Vorjahr ist in keiner Weltregion zu erwarten, dass die Nominallöhne so stark steigen wie in den afrikanischen Staaten“, sagt Christine Seibel. 7,7 Prozent sollen die Löhne dort durchschnittlich wachsen. Diese Entwicklung wird angeführt von Ägypten (15 Prozent), Ghana (13,6 Prozent) und Nigeria (11 Prozent). „Aber die Inflation frisst diese Erhöhungen in den meisten Ländern fast vollständig auf. Den Ägyptern bleiben real gerade einmal 0,6 Prozent mehr, in Nigeria sinken die Reallöhne sogar um 2,6 Prozent.“

Über die Untersuchung: 

Seit 1970 untersucht Korn Ferry Hay Group jährlich branchenübergreifend Löhne und Gehälter in Deutschland. Basis der Untersuchung ist die Gehaltsdatenbank PayNet, die Gehaltsdaten von mehr als 20 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in 25.000 Unternehmen weltweit enthält. PayNet ist die weltweit größte Datenbank für Löhne und Gehälter. Mehr zur Untersuchung finden Sie online unter: http://engage.kornferry.com/pay.

Quelle: Korn Ferry
(Foto: Elnur/Fotolia)

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